Projekt „HaLT – Hart am Limit“: Suchtprävention mit Diakonie, Landkreis und Klinik

Wenn die Promillekeule zuschlägt

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Vorsicht vor riskantem Alkoholgenuss, von links Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, Dr. Dirk Fellermann (Asklepios), Gabriele Fock und Ulrike Ritter (Diakonisches Werk), Dr. Matthias Auf dem Brinke und Kai-Oliver Schramek (Asklepios).

Bad Wildungen - Wenn Jugendliche feiern, dann wird gern mit hochprozentigen Spirituosen angestoßen. Für manch jungen Partygast endet das „Komasaufen“ mit einer Alkoholvergiftung. Das Projekt „HaLT - Hart am Limit“ soll Betroffene für den Umgang mit Alkohol sensibilisieren.

Diakonisches Werk Waldeck-Frankenberg, Landkreis und die Wildunger Asklepios-Klinik arbeiten dabei Hand in Hand. Etwa zwei jugendliche Patienten mit Alkoholvergiftung werden pro Monat in die Klinik eingeliefert. Bei ihnen greift das Projekt wie folgt:

Die Klinik holt die Schweigepflichtentbindung durch die Eltern ein, und eine HaLT-Fachkraft wird tätig. „Einer von unseren sechs Mitarbeitern hat Rufbereitschaft“, erläutert Ulrike Ritter, die Diakonie suche noch Verstärkung. Den jungen Zechern werden die Folgen des Vollrauschs vermittelt. „Die Empfindlichkeit der Hirnstruktur gegenüber den Giftstoffen des Alkohols ist erheblich größer und die Suchtgefahr sehr viel höher als bei Erwachsenen“, sagt Dr. Matthias Auf dem Brinke. Die Fähigkeiten, sich Grenzen zu setzen, brauchten Zeit, so der Ärztliche Direktor der Klinik. In Frankenberg und Korbach läuft das Projekt bereits seit einem Jahr. Obwohl jeweils nur ein Betroffener aufgesucht werde, erreichen die Suchtberater laut Gabriele Fock einen großen Kreis. „In der Regel wird in der Gruppe getrunken - da sind dann plötzlich alle sensibilisiert.“ Für Regionalgeschäftsführer Dr. Dirk Fellermann war die Beteiligung der Asklepios-Klinik keine Frage. Denn das ergänze das Engagement des Gründers Bernard große Broermann, der eine Stiftung zur Prävention ins Leben rief. Der Landkreis zahlt 22500 Euro, noch unklar ist die Finanzierung, wenn das Land Hessen seine Förderung in 2014 einstellt. „Alkoholmissbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, bekräftigt Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf. 2009 wurden 69 Jugendliche im Kreis wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt - dreimal soviel wie in 2000.

Informationen unter www.hls-online.org oder bei der Suchtberatung, Tel. 05631/60330

Hintergrund

Das Suchtpräventionsprojekt „HaLT – Hart am Limit“ besteht aus zwei Bausteinen, die sich ergänzen und verstärken. Im „reaktiven Baustein“ wird Jugendlichen nach stationär behandelter Alkoholvergiftung und auch deren Eltern Hilfe angeboten.

Ein erstes sogenanntes Brückengespräch erfolgt meist noch im Krankenhaus durch die HaLT-Fachkräfte des Diakonischen Werks Waldeck-Frankenberg und richtet sich direkt an den Jugendlichen.

Es kann anschließend auch zu einem Elterngespräch, aber auch zu einem Gruppenangebot kommen, bei dem der Jugendliche seine persönlichen Grenzen austesten kann. Etwa sechs Wochen nach der Krankenhauseinweisung gibt es ein Abschlussgespräch.

Beim „proaktiven Baustein“ handelt es sich um eine kommunal verankerte Präventionsstrategie mit dem Ziel, Alkoholexzesse und schädlichen Alkoholkonsum im Vorfeld zu verhindern. Der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes kommt eine zentrale Funktion zu.(r/höh)

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