Geschäftsführung äußert sich zu Impfungen von Klinikleitern

Wende an Wicker-Klinik: „Impfung weder abgezwackt noch erschlichen“

Immer der Reihe nach: An der Werner-Wicker-Klinik schlug die Impfung der Verwaltungsdirektoren bei der ersten Impfaktion hohe Wellen. SYMBOL
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Immer der Reihe nach: An der Werner-Wicker-Klinik schlug die Impfung der Verwaltungsdirektoren bei der ersten Impfaktion hohe Wellen. SYMBOL

Am 2. Februar erhielten die Verwaltungsdirektoren der Werner- Wicker-Klinik im Rahmen der ersten Impfaktion eine Impfung gegen das Coronavirus.

Reinhardshausen - Das schlug hohe Wellen, weil sie nicht der allgemein priorisierten Personengruppe angehörten. Eine Prüfung des Vorgangs hat inzwischen ergeben: „Diese Impfung wurde weder abgezwackt noch erschlichen“, teilt die Unternehmensleitung in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Die beiden Verwaltungsdirektoren werden in der kommenden Woche ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.

Die Geschäftsführung der Wicker-Gruppe – die oberste Führungsebene der gesamten Wicker-Gruppe – sei nicht geimpft worden und habe erst im Nachhinein von der Vorgehensweise erfahren.

Wie berichtet, wurden der orthopädischen Schwerpunktklinik für die erste Impfaktion kurzfristig 120 Impfstoffdosen zur Verfügung gestellt, die aber nicht für alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt ausgereicht haben.

In der von Marketingmanagerin Julia Gäck übermittelten Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Die Geschäftsführung hätte von den Führungskräften erwartet, dass sie in diesem Fall auf die Impfung verzichten und den Mitarbeitern mit Patientenkontakt den Vortritt gelassen hätten – auch wenn das Krankenhaus aktuell keinen Auftrag zur Primärversorgung von Corona-Patienten hat.“

Die beiden Klinikleiter wurden zunächst freigestellt. Inzwischen sei der Vorgang genauestens untersucht worden.

Für die Geschäftsführung der Wicker-Gruppe sei diese Vorgehensweise enttäuschend. „Es steht nicht im Einklang mit unseren Unternehmenswerten und hat nicht nur uns, sondern auch viele unserer Mitarbeiter sehr enttäuscht.“

Die Verwaltungsdirektoren bedauerten ihren Fehler sehr. Grund für ihr Vorgehen war offenbar die zu Beginn geringe Impfbereitschaft. „Sie wollten mit bestem Beispiel vorangehen und wissen mittlerweile, dass dies die falsche Entscheidung war.“

Der weitere Vorwurf, es sei zudem ein Familienmitglied einer der Verwaltungsdirektoren unter Umgehung der Impfverordnung geimpft worden, sei so nicht zutreffend. „Zwar hat die entsprechende Person eine Impfung erhalten, allerdings ist sie als Mitarbeiterin des medizinischen Personals im direkten Patientenkontakt in unserer Klinik tätig,“ heißt es weiter in der Stellungnahme.

Nachdem die Verwaltungsdirektoren personelle Konsequenzen in Kauf nehmen mussten, seien intensive Gespräche geführt und der Vorgang aufgearbeitet worden.

Die Geschäftsführung komme zu dem Ergebnis, dass die Zusammenarbeit weiter fortgesetzt werden soll. „Es würde ebenfalls nicht mit unseren Unternehmenswerten im Einklang stehen, wenn wir die Zusammenarbeit mit unseren Führungskräften nach jahrelanger vertrauensvoller Zusammenarbeit wegen dieses Fehlers beenden würden.“

Das sagt der Landkreis: „Impfteams müssen sich darauf verlassen“

Was sagt der Landkreis dazu, dass bei Impfterminen in Waldeck-Frankenberg auch Menschen geimpft wurden, die dafür noch nicht an der Reihe waren? Schließlich koordiniert der Kreis sämtliche Impftermine in Altenheimen, Krankenhäusern, im Impfzentrum in Korbach sowie beim „Aufsuchenden Impfen“ in Bürgerhäusern.

Auf Anfrage teilte Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner mit: „Die Kliniken, die eigenständig vor Ort ihr Personal impfen, wurden durch das Land Hessen darauf hingewiesen, dass Impfungen gemäß der in der Impfverordnung festgelegten Priorisierung zu erfolgen haben. Die Verantwortung für die Einhaltung liegt bei den Krankenhäusern. In den Alten- und Pflegeheimen impfen mobile Impfteams.“

Ann-Katrin Heimbuchner vom Landkreis Waldeck-Frankenberg

Die Einrichtungen seien per Verordnung ebenso dazu verpflichtet, aktuell nur Personen der ersten Priorisierungsgruppe für eine Impfung zu melden – und seien durch den Landkreis auch darauf hingewiesen worden. „Setzen sie sich darüber hinweg, verstoßen sie gegen geltendes Recht“, so Heimbuchner.

Durch die Einrichtungen würden dem Impfteam Personen vorgestellt, die in den Einrichtungen wohnen oder dort tätig sind. „Durch die Vorstellung und Benennung bescheinigen die Einrichtungen die Anspruchsberechtigung zur Impfung. Die mobilen Impfteams, die in die Einrichtungen kommen, müssen sich darauf verlassen, dass die von den Einrichtungen abgegebenen Meldelisten korrekt und rechtmäßig sind“, sagt Heimbuchner. Sollte am Ende eines Tages noch Impfstoff übrig sein, sei das gängige Verfahren, andere Impfberechtigte aus der ersten Priorisierungsgruppe kurzfristig zur Impfung zu benachrichtigen. (Cornelia Höhne)

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