Elf Kinder sind bereits angemeldet:

„Wildschwein“ spielen im ersten Wildunger Waldkindergarten ab 1. September

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Auf dem Gelände des früheren Hochseilklettergartens am Wildunger Kurpark, findet der erste Waldkindergarten der Stadt seinen Platz. Von diesem Punkt aus startet die Gruppe jeden Morgen in den Wald rund um den Homberg.

Bad Wildungen. Am 1. September öffnet der erste Wildunger Waldkindergarten. Bloß was öffnet er? Die oft zitierten „Pforten“ sind es nicht, denn wo weder Mauern noch Zäune existieren, gibt es auch keine Türen.

Vielmehr eröffnet der Wald-Kiga Mädchen und Jungen neue Wege jenseits einer rein „angeleiteten Kindheit“. So bezeichnet es Dorike Hentrich vom Vorstand der Lebenshilfe.

Was gemeint ist, schildert Jeanette Uhlig,Leiterin des Lebenshilfe-Familienzentrums am Langen Rod: „Musikalische Früherziehung, Schwimmen, Vereinssport, am liebsten zweisprachige Erziehung im Kindergarten, Handy und Tablet im früheste Kleinkindalter – und am Schluss Kinder-Yoga, um Ruhe zu finden.“

In bewusster Übertreibung beschreibt die Erzieherin den durchgeplanten und -getakteten Alltag vieler Kinder in der heutigen Zeit, fernab von Anregungen aus der Natur. Umgeben von Unmengen an Spielzeug, „wissen sie nichts mehr mit sich anzufangen.“

„Freies Spiel“ im Freien

Der Wald-Kindergarten setzt dagegen aufs „freie Spielen“ im Freien: das Spiel mit dem, was einem in der Natur unter die Finger kommt und das Spiel mit der eigenen Fantasie. „Heute ist die Kastanie ein Auto, morgen eine Puppe – oder sie ist verschwunden, denn von Tag zu Tag ändert sich die Umgebung, in der sich die Kinder tummeln“, erläutert Jeanette Uhlig. Neben der Kreativität fördere das die Aufmerksamkeit. Unfälle passierten in Wald-Kindergärten seltener als in anderen Einrichtungen, weil sich die Kinder automatisch mit wacheren Augen und Ohren bewegten. Das bestätigten Unfallkassen.

Und die Kinder müssen intensiver miteinander reden, damit gemeinsames Spielen klappt. „Der andere muss ja wissen, dass die Kastanie in meiner Hand gerade ein Auto darstellt“, erklärt Dorike Hentrich.

Ein höherer Aufwand

Ein solches Plus an Fantasie, Schaffenskraft, Ideen-Austausch und Bewegungsfreude zieht für Erziehungsteams und Eltern einen höheren Aufwand nach sich. Das weiß Jessica Wittascheck, Wildunger Kindergarten-Koordinatorin, aus eigener Erfahrung als Mutter: „Man muss es akzeptieren, wenn das Kind Wildschwein spielt – und exakt so auch aussieht bei der Rückkehr aus dem Wald.“

Die Grundausstattung

Zwiebel-Look, um sich an Temperaturen anzupassen, gute, feste Schuhe und Wechselkleidung gehören daher ebenso zur Grundausstattung wie eine „Schmutzschleuse“ in der Tagesstätte des Familienzentrums „Am Langen Rod“. Die neue Gruppe erweitert das Angebot der Einrichtung und ergänzt es durch den besonderen Pädagogik-Ansatz.

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