Freiheitsstrafe für 51-jährigen Mann

Bad Wildungen: versuchter Mord an der Ehefrau - Urteil ist gefallen

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Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau hat das Kasseler Landgericht einen 51-jährigen Mann aus Bad Wildungen zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau hat das Kasseler Landgericht einen 51-jährigen Mann aus Bad Wildungen zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. 

Kassel – Die Kammer verschärfte damit den Strafvorwurf, nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung nur noch auf versuchten Totschlag plädiert hatte.

Staatsanwalt Matthias Blosche hatte elf Jahre Haft für den Angeklagten gefordert, Verteidiger Markus Mauermann maximal sieben Jahre wegen versuchten Totschlags in einem minder schweren Fall. Die Kammer von Richter Robert Winter hingegen kam zu einer eigenen Bewertung dessen, was sich am 21. April vergangenen Jahres in der ehelichen Wohnung des inzwischen geschiedenen Paares in Bad Wildungen abgespielt hat.

Angeklagte hatte psychische Probleme 

Zehn Jahre war das Paar verheiratet, die Ehe kriselte aber besonders wegen der zunehmenden psychischen und alkoholischen Probleme des Angeklagten. Im Vorfeld der Tat schwankte die Stimmungslage immer wieder zwischen Trennung und Versöhnung, letztlich aber wollte die Frau ausziehen und die Scheidung.

Beide, so der Richter in seiner Urteilsbegründung, verabredeten sich für die Mittagszeit am 21. April zu einem klärenden Gespräch. Weil die Frau befürchtete, „alles sei möglich“, gab sie dem iranischen Nachbarn einen Schlüssel und bat ihn zu kommen, wenn sie um Hilfe rief.

Angeklagte hatte das Messer vor dem Gespräch eingepackt

Vor dem Gespräch habe sich der Angeklagte ein Keramikmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge in die Tasche gesteckt. Als seine Frau auf der Trennung bestand, habe er sie noch einmal umarmen wollen, schilderte Winter das Geschehen.

Der Mann zog das Messer aus der Tasche und stach mit den Worten „Jetzt bringe ich dich um“ auf die Frau ein. Sie konnte die Klinge ergreifen und den Stich Richtung Herz ablenken, die Klinge brach ab. Mit zwei weiteren Messern brachte er ihr eine Vielzahl von Schnitten bei, die aber nicht lebensbedrohlich waren. Erst dann konnte der herbeigeeilte Nachbar den Mann zurückziehen.

Richter: Mordmerkmal der Heimtücke ist erfüllt

Die Frau habe um die Gefahr gewusst, deshalb sei sie nicht arglos gewesen, hatte Staatsanwalt Blosche argumentiert. Arglosigkeit des Opfers ist aber ein Mordmerkmal. Darauf komme es nicht an, sagte Richter Winter. Durch das Täuschungsmanöver der Umarmung habe der Angeklagte vermutet, dass seine Frau arglos ist. Damit sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt.

Zusätzlich zur Haftstrafe wurde der Mann zur Zahlung von über 20.000 Euro Schmerzensgeld an seine Exfrau verurteilt. Außerdem muss er für alle Folgen der Tat aufkommen. Mit brechender Stimme hatte er sich bei der Frau entschuldigt.

Von Thomas Stier

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