Wildungens Hausberg im Fokus

Bad Wildungen: Aussichtsreiche  Orte für Wanderer und Radfahrer instand setzen

Dr. Marc-Turm: Beliebtes Ziel am Bad Wildunger Stadtrand in Richtung Odershausen.
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Dr. Marc-Turm: Beliebtes Ziel am Bad Wildunger Stadtrand in Richtung Odershausen. Andere aussichtsreiche Orte sind dagegen zugewuchert und kaum noch zugänglich.

Rund um Wildungen sind einst beliebte aussichtsreiche Fleckchen der Natur in Vergessenheit geraten, teils zugewuchert und nicht mehr zugänglich. Einige sollen nach dem Willen des Stadtparlaments künftig wieder ihren alten Charme entfalten.

  • Aussichtsreiche Orte rund um Bad Wildungen sollen für Wanderer und Radfahrer attraktiver werden.
  • Für den Auenberg bei Odershausen war ein Neubau eines Turms in der Diskussion, er scheitert jedoch an Kosten und Genehmigung.
  • Alternativ rückt der Wildunger Hausberg in den Fokus: Der Turm auf dem Homberg wird 150 Jahre alt und könnte rechtzeitig zu dem Jubiläum im Jahr 2032 ertüchtigt werden.

Bad Wildungen – Der Turm am Katzenstein soll frei geschnitten und instand gesetzt werden, das hat die SPD im Stadtparlament kürzlich ins Rollen gebracht. Die CDU peilte dann den Wiederaufbau des Auenbergturms an.

Der Auenberg (611 Meter) in Odershausen ist die höchste Erhebung aller Gemarkungen in Bad Wildungen. Im Jahr 1898 wurde ein 20 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm errichtet, der aber schon 1917 nach einem Sturm einstürzte und nie wieder aufgebaut wurde. Auch die 1899 errichtete Schutzhütte ist danach verfallen.

Einst Leuchtturm auf dem Auenberg

Neben den Grundmauern des Turms wurde 1934 ein 25 Meter hoher Leuchtturm gebaut. Die schlanke Eisenkonstruktion der Reichsflugsicherung war steil und nicht begehbar. Sie diente ausschließlich der Wegweisung von Nachtfliegern, denn an der Turmspitze befanden sich drehbare Scheinwerfer. Mitte der 1950-er Jahre wurde der Leuchtturm abgerissen.

Heute führt nur ein schmaler Pfad auf den Auenberg, versehen mit dem Hinweis „keine Aussicht wegen Bewuchs“. Die CDU regte den Neubau eines Turms an, um ein Magnet für Naturtouristen zu schaffen.

Der Prüfantrag für einen möglichen Wiederaufbau des Holzturms scheitert indes an der problematischen Erschließung des Geländes im Besitz der Waldeckischen Domanialverwaltung und an den Kosten. Nach dem Vorbild des Aussichtsturms auf dem Wüstegarten geht die Stadtverwaltung von Investitionen in Höhe von rund 600 000 Euro aus. Von dem ursprünglichen Antrag rückte die CDU daher wieder ab.

Verhandeln mit der Domanialverwaltung für eine touristische Attraktion

An einer Aufwertung an dieser oder anderer Stelle der Wildunger Gemarkung als Anlaufstation für Wanderer oder Radfahrer hält Fraktionsvorsitzendem Marc Vaupel dennoch fest. Auf seinen Antrag hin wurde der Magistrat einstimmig beauftragt, mit der Domanialverwaltung zu verhandeln, um eine touristische Attraktion zu schaffen. Das könnte auch eine Schutzhütte sein oder ein Platz für eine Brotzeit.

„Was bei dem Gespräch mit der Domanialverwaltung herauskommen könnte, ist, dass an Bad Wildungen vieles vorbei läuft, aber in Bad Arolsen vieles ankommt“, sagte Walter Mombrei (SPD) mit verhaltener Kritik. Die Gedanken an einen Wiederaufbau des alten Turms kommt aus Sicht von Ralf Lock (SPD) 40 oder 50 Jahre zu spät. „Die Massen an Spaziergängern aus Bad Wildungen gibt es heute leider nicht mehr.“ Für die FDP lehnte Bernd Zimmermann einen Eingriff in die Natur am Auenberg ab.

Vorschlag: Turm auf dem Homberg aufstocken

Die Stadtverwaltung schlägt alternativ vor, den Turm auf dem Wildunger Hausberg aufzuwerten. Der 1882 errichtete Bruchsteinturm auf dem Homberg (518 Meter) bei Reinhardshausen lässt keinen mit Fernsicht verbundenen Rundumblick zu. Bei nur 16 Meter Höhe ist die Aussicht durch die Vegetation eingeschränkt.

Freie Sicht um 1900: Der Aussichtsturm auf dem Homberg bei Reinhardshausen wenige Jahre nach seiner Eröffnung.

Die Idee: Eine überbaute Aufstockung des Aussichtsturms auf 25 oder 30 Meter Höhe könnte wieder eine passable Fernsicht in alle vier Himmelsrichtungen ermöglichen, auch zum sechs Kilometer entfernten Auenberg und dem 9,5 Kilometer entfernten Wüstegarten. Dieses Vorhaben käme rechtzeitig zum 150-jährigen Bestehen im Jahr 2032. Weitere Vorteile: Das Gelände ist erschlossen, und der Turm steht auf dem Gebiet des Stadtwalds.

NABU-Liste mit zahlreichen Aussichtspunkten in und um Bad Wildungen

An Möglichkeiten, geeignete Aussichtspunkte wieder wieder in Wert zu setzen, mangelt es nicht. Eine überraschend große Anzahl von idyllischen Fleckchen in und um Bad Wildungen hat der NABU in einer Liste vorgelegt. Sie soll als Grundlage dienen, um weitere Projekte zu entwickeln. Für einige bräuchte es vor allem einen beherzten Rückschnitt, andere könnten mit überschaubarem finanziellen Aufwand an Attraktivität gewinnen. Eine Übersicht:

Schloss Friedrichstein: Zwei Aussichtsterrassen mit Blick auf die Bad Wildunger Altstadt und Berge des Kellerwald.

Turm der Stadtkirche: Panoramablick in alle Richtungen; touristisch aber kaum genutzt.

Dr. Marc-Turm: Parkplatz an der Straße zwischen Kernstadt und Odershausen am Naturschutzgebiet Sonderrain mit Blick ins Helenental.

Turm auf dem Katzenstein: Blick auf die Stadt Bad Wildungen, zurzeit ist die Anlage nahe der Minigolfanlage zugewachsen.

Roter Hahn: . Am Rand der Altstadt, Dürrer Hagen, ist der älteste Wehrturm der Stadt gelegen, der später als Gefängnis diente. Zur Zeit ist der Turm gesperrt.

Ältester Wehrturm der Stadt: Roter Hahn in Bad Wildungen.

Rondell: Von dem ehemaligen Wehrturm am Kirchplatz, der Mitte des 15. Jahrhunderts als Teil der Stadtbefestigung errichtet wurde, fällt der Blick über Bad Wildungen bis hin zum Kurviertel.

Mandern, Rückeweg: Oberhalb des Dorfs in Richtung Wald bietet sich eine Fernsicht bis zum Fritzlarr Dom, ins Edertal, in den Langen Wald bis hin zu Schloss Waldeck.

Braunauer Warte: Gehörte zu einem System mittelalterlicher Wachtürme um Bad Wildungen und Fritzlar. Der Turm kann seit dem Landesgartenschaujahr 2006 bestiegen werden und lässt eine Aussicht auf Ense, Bad Wildungen, Waldeck und den Langen Wald zu.

Bilstein bei Reitzenhagen: Er ist Teil des Naturschutzgebiets und lockt mit einer Aussicht ins Wildetal. Der Apotheker Jan Baptista Müller aus Medebach hat die Bilsteinklippen erstmals in 1841 wegen ihrer florostischen Besonderheiten erwähnt.

Hutewald-Rundweg bei Albertshausen: Enthält mehrere Aussichtpunkte auf Berge des Nationalparks, ins Kesselbachtal in Richtung Kleinern, Blicke auf Gellershausen und in das Dreisbachtal mit der Hüddinger Bergkirche sowie von Kestings Hütte aus auf Reinhardshausen. Der NABU bemühe sich seit Jahren vergeblich um eine Kennzeichnung des Wegs und Informationen an den Aussichtspunkten.

Armsfelder Wacholderpfad: Start am Teich zu vier und sechs Kilometer langen Etappen mit mehreren Aussichtspunkten.

Schwedenschanze und Umgebung: Weiter Blick ins Edertal und auf den Langen Wald.

Frebershausen: Anna Margaret-Köppel, Rundweg mit Blick über die Wälder bis zum Habichtswald und Hohem Gras und Herkules.

Homberg-Turm bei Reinhardshausen: Der Blick Richtung Fritzlar und Kassel müsste durch Baumrückschnitt freigestellt werden.

Homberg bei Reinhardshausen: Bismarckhöhe, Bergwachthütte mit Blick über die Höhen des Kellerwalds.

Hahnberg bei Reinhardshausen: Blick auf Albertshausen und über die Höhen des Nationalparks.

Aussichtsplattform Kurpark-Verbindung: Blick über Reinhardshausen nach Albertshausen.

Weg zum Mammutbaum im Kurpark: Oberhalb des Waldhauses aussichtsreiche Blicke Richtung Fritzlar.

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