100 Jahre Sozialdemokratie in der Badestadt gefeiert:

Wildunger Arbeiter- und Soldatenrat formiert sich zur SPD-Ortsgruppe

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Beim Jubiläum an der Wandelhalle (von links): Kreistagsvorsitzende Iris Ruhwedel, der ehemalige Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl, Petra Göbel, Ralf Gutheil, die Generalsekretärin der Hessen-SPD Nancy Feser, (verdeckt) Jubilar Michael Kistner, Kreisausschussmitglied Hannelore Behle, Kreistagsabgeordneter Rainer Paulus und Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer.

Bad Wildungen –Die Wildunger SPD feierte das 100-jährige Bestehen ihrer Ortsgruppe mit vielen Gästen.

Mit zehn Stadtverordneten ist die SPD Bad Wildungen eine feste Größe im politischen Leben der Badestadt und stellt in Ralf Gutheil erstmals den Bürgermeister. Vor genau 100 Jahren wurde der Ortsverein ins Leben gerufen; ein Jubiläum, das die Bad Wildunger Sozialdemokraten im Quellencafe der Wandelhalle mit Gästen feierten.

Gründungsvater der Sozialdemokratie in Bad Wildungen war der scharfzüngige Schuhmacher Heinrich Klapp. Auf dessen Initiative bildete sich im September 1918 im Gasthaus Cornelius der Wildunger Arbeiter- und Soldatenrat, dessen Vorsitz Klapp übernahm. Nur drei Monate später –am 18. Februar 1919 – wurde daraus die SPD-Ortsgruppe. „110 Mitglieder traten sofort bei“, berichtete die heutige Ortsvereinsvorsitzende Petra Göbel. Erster Vorsitzender wurde damals Hans-Erich Scholte.

Wechselvolle Jahre gerade in der NS-Zeit folgten, die laut Göbel eng mit dem Namen Josef Arend und seiner Frau Friedericke verbunden waren. Josef Arend starb 1938, „Rickchen“ Arend wurde nach dem Krieg ins Stadtparlament gewählt.

Erinnerungen etwa ab den 1970er Jahren präsentierte Wolfgang Nawrotzki den Gästen der Jubiläumsfeier. Nawrotzki, selbst 50 Jahre Mitglied in der SPD, erzählte von den Aktivitäten der Jungsozialisten in Bad Wildungen. „Die hatten schon eine etwa abenteuerliche Ausrichtung, aber der Ortsverein ließ sie unbehelligt arbeiten.“ Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher verwies in diesem Zusammenhang auf theoretische Schulungen etwa zum Thema „Sexualität und Gesellschaft“ oder „Schüler und Lehrlingsarbeit“. Karl Marx fehlte dabei nicht im Schulungsrepertoire.

Den geschichtlichen Rückblick vervollständigte der frühere Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl. Er selbst als „jemand von außen“ kam 1974 über den Kreistag mit dem damaligen Ortsvereinsvorsitzenden Jürgen Diederich in Kontakt, der den Ortsverein laut Kahl „entscheidend geprägt hat“. Hervorragende Arbeit bescheinigte Kahl auch dessen Nachfolgern Walter Mombrei, Miriam Schestag und Petra Göbel.

In den 1980er Jahren wurde die Badestadt dem Landtagswahlkreis Frankenberg zugeordnet. „Bad Wildungen war aber nie fünftes Rad am Wagen“, betonte Kahl. Und: „Ich habe Bad Wildungen ins Herz geschlossen.“

Die Badestadt, so der frühere Landtagsabgeordnete, habe sich toll entwickelt. „Wir können stolz auf diese Entwicklung sein.“ Die SPD habe dazu einen großen Beitrag geleistet. Kahl: „Der Ortsverein zeigt mustergültig, wie politische Arbeit gemacht wird, diese SPD ist wichtig für Bad Wildungen.“

MichaelKistner: seit 40 Jahren der Wildunger SPD treu wurde er von Petra Göbel ausgezeichnet.

Bürgermeister Ralf Gutheil verwies auf den „langen, steinigen Weg“ des Ortsvereins, den dieser trotz aller Widrigkeiten erfolgreich absolviert habe. Gutheil selbst stammt aus einer SPD-Familie, wie er sagte. „Es macht Spaß, Bürgermeister in Bad Wildungen zu sein. Ich möchte aber keine Macht ausüben, sondern lenken - und zwar mit euch“, betonte der Rathauschef.

Vorsitzende Göbel zeichnete abschließend Michael Kistner für 40-jährige Mitgliedschaft mit einer Urkunde und einem Präsent aus. -sch-

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