Initiative richtet sich an Landesregierung

Wildunger Elternpetition für kleinere Schulklassen in den Jahrgängen 8 bis 10

Corona-Maske auf einem Schülerschreibtisch in der Klasse mit Schülern im Hintergrund.
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Wie sollen die Lernlücken, die Corona verursacht, geschlossen werden? Unter anderem mit kleineren Klassen an den Mittelstufen der Gymnasien, verlangt eine Elterninitiative aus Bad Wildungen.

Eltern am Wildunger Stresemann-Gymnasium haben eine Online-Petition gestartet. Ziel: die maximale Klassengröße in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 abzusenken, um Corona-Lernlücken zu schließen.

  • Eltern einer 8. Klasse des Gustav-Stresemann-Gymnasiums Bad Wildungen richten eine Online-Petition an die Hessische Landesregierung zum Schließen der Corona-Lernlücken
  • Kernforderung der Online-Petition vom Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen ist das Absenken der maximalen Klassenstärke in den Jahrgängen 8 bis 10 auf 25 bis 27 Schülerinnen und Schüler
  • Die Gewerkschaften der Lehrkräfte unterstützen die Forderungen aus der Online-Petition vom Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen gegen Corona-Lernlücken

Bad Wildungen – „Wir fordern von der Landesregierung für das kommende Schuljahr und die folgenden Jahre, in denen die Kinder noch von den Folgen der langen Lockdown-Zeiten geprägt sind, eine Verordnungsänderung in Bezug auf die Klassengröße“, sagt Annette Jaeger über das Anliegen, das helfen soll, entstandene Corona-Lernlücken zu schließen. Jaeger hat die Online-Petition gemeinsam mit Imke Leonhardt den Petitionstext verfasst hat; nicht nur im Namen der Klasse 8b des Gustav-Stresemann-Gymnasiums Bad Wildungen, der ihre Kinder angehören, sondern auch im Interesse weiterer Klassen, wie die beiden betonen.

Bislang dürfen Schulen eine Klasse erst aufteilen, wenn diese mehr als 30 Köpfe zählt. „Wir möchten die Obergrenze am besten auf 25 abgesenkt sehen“, ergänzt Annette Jaeger. Auf 27 Schülerinnen und Schülern müsse die Obergrenze für eine Klasse aber auf jeden Fall gedrückt werden, verlangen die Eltern vom Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen.

Online-Petition fordert Nachhilfeangebote und Lehraufträge gegen Corona-Lernlücken

Vom Kultusministerium erwarten sie außerdem den Einsatz für Nachhilfeangebote und das Abschließen befristeter Lehraufträge, um ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen und so die Corona-Lernlücken schließen zu helfen. „Unterrichtet eine Lehrkraft 30 Kinder zeitgleich, ist es kaum möglich, die Schülerinnen und Schüler zu fördern, den fehlenden Lernstoff nachzuarbeiten und sie dabei individuell zu unterstützen und tatsächliche Probleme sensibel zu erspüren“, schreiben die zwei Mütter aus der 8b des Gustav-Stresemann-Gymnasiums Bad Wildungen in der Begründung zur Petition. Diese Petition ist zu finden auf https://www.openpetition.de/!bgfxz

Die Presseabteilung des Kultusministeriums antwortet auf Anfrage unserer Zeitung knapp und ablehnend auf die Online-Petition der Eltern vom Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen. „Forderungen nach der Reduzierung der Klassengrößen sind legitim und nachvollziehbar, aber hessenweit unter anderem aufgrund des leer gefegten Lehrerarbeitsmarktes nicht umzusetzen“, lautet die Reaktion aus der Pressestelle und ergänzend: Für das Thema der Corona-Lernrückstände arbeite das Ministerium gerade an einem landesweiten Programm, das in Kürze vorgestellt werde.

Unterstützung für Wildunger Online-Petition von Lehrkräfte-Gewerkschaften

Unterstützung für ihre Forderung erhalten die Wildunger Eltern von Interessenverbänden der Lehrkräfte. Christoph Baumann vom Referat Schule und Bildung der hessischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstreicht: „Die Erfahrungen mit den halbierten Lerngruppen im Wechselunterricht zeigen, dass sehr kleine Klassen für alle Beteiligten eine deutlich entspanntere, aber auch intensivere Lernsituation mit sich brachten..“

Jahrgänge 8 bis 10 zwischen Pubertät und Pandemie Hauptbetroffene

Der Hessische Philologenverband (HPhV) als Gewerkschaft der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer sieht das ebenso wie die Verfasserinnen der Online-Petition des Gustav-Stresemann-Gymnasiums Bad Wildungen zum Schließen der Corona-Lernlücken. „Es muss eine Angleichung der Gymnasien und Realschulen an den Klassenteiler der integrierten Gesamtschulen und Mittelstufenschulen geben, der bei 27 liegt“, sagt Boris Krüger vom HPhV. Denn auch Mädchen und Jungen, die Gymnasien besuchten, brächten mittlerweile eine Fülle unterschiedlicher Voraussetzungen und Rahmenbedingungen mit, die individuelle Förderung ermöglichen.

Die Jahrgänge 8 bis 10 seien die Hauptbetroffenen des Pandemie-Distanzunterrichts über Monate hinweg. „Zudem ist die Pubertät bei Heranwachsenden immer eine problematische Zeit im Hinblick auf die schulischen Leistungen“, ergänzt Krüger. Der HphV wolle auf jeden Fall auch die 7 in die Forderung nach der geringeren Klassengröße einbeziehen und am liebsten auch die Klassen 5 und 6, „aber das würde eine Umsetzung des Vorschlages noch unrealistischer machen“, fürchtet Krüger selbst.

Arbeitsmarkt für Lehrkräfte in Hessen laut Gewerkschaften nicht leer gefegt

Das zentrale Argument für die Ablehnung der Forderung aus dem Kultusministerium überzeugt die GEW nicht. Denn mit seinem Bild vom „leer gefegten Lehrerarbeitsmarkt“ widerspricht das Ministerium in Teilen seiner eigenen Homepage. Dort steht für Gymnasien wie das Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen: „Bei hohen Bewerbungszahlen ergeben sich im Durchschnitt mäßige Einstellungschancen. Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Chancen mit den Fächern Musik, Kunst, Physik und Informatik. Deutlich unter dem Durchschnitt liegen die Chancen mit den Fächern Russisch, Italienisch, Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Französisch.“

In anderen Schulformen wie Haupt- und Realschulen und vor allem Grundschulen herrsche durchaus Fachkräftemangel, fügt Christoph Baumann von der GEW hinzu. Auf der Warteliste für Gymnasialstellen stünden aktuell mehr als 1400 Lehrerinnen und Lehrer und selbst für Haupt- und Realschulen hielten sich immerhin noch mehr als 400 Bewerberinnen und Bewerber bereit.

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