Leben von Drogensucht geprägt

Wildunger erhält  zweieinhalb Jahre Haft für 66 Taten

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Schwere Drogenabhängigkeit und außergewöhnlich viele Straftaten: Diese Kombination prägt maßgeblich das Leben eines 41-jährigen Wildungers, der vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Für 66 Straftaten hat das Amtsgericht Fritzlar einen 41 Jahre alten Wildunger zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

  • Ein 41 Jahre alter Wildunger muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis
  • Verurteilt wurde er wegen 66 Delikten, darunter ein räuberischer Diebstahl in Bad Wildungen
  • Als er ein Paar Schuhe in einem Geschäft stahl, schlug er einer Verkäuferin mit der Faust ins Gesicht

Bad Wildungen/Fritzlar – Der gelernte Maler und Lackierer ist neun Mal vorbestraft. Er sitzt seit Februar 2019 Untersuchungshaft.

Die Anklageschrift umfasste 20 Punkte mit insgesamt 66 Straftaten. Der 41-Jährige beging sie unter anderem in den Kreisen Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg sowie in den Städten Kassel und Frankfurt.

Diebstahl, Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft warf dem geschiedenen Vater eines dreijährigen Sohnes unter anderem räuberischen Diebstahl, Körperverletzung, Einbrüche, Betrug, Nötigung, Unterschlagung, Beleidigung, Bedrohung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Schwarzfahren mit der Bahn sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und Gewaltschutzgesetz vor.

Der Mann gestand in vollem Umfang. Ruhig und sachlich schilderte der Wildunger alle Vorwürfe, darunter einen räuberischen Diebstahl in einem Wildunger Schuhgeschäft. Laut Anklage hatte er ein Paar Stiefel gestohlen. Nach der Ansprache durch eine Ladenangestellte packte er diese am Unterarm, stupste sie und schlug sie nach eigenen Angaben mit der Faust ins Gesicht. Die Frau erlitt Prellungen und eine Platzwunde. Er verschwand mit der Beute.

Drei Jahre psychiatrisch behandelt 

Seit Jahren sei er stark drogenabhängig, schilderte der Angeklagte. „Ich will und muss eine Therapie machen“, betonte er während der mehr als fünfstündigen Verhandlung. Für mehr als drei Jahre befand er sich in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung, in die er sich wieder begeben will.

Ehefrau im Streit geschlagen

Der Angeklagte hat auch seine Ehefrau im Streit geschlagen. Das zuständige Familiengericht Melsungen hatte ihm zuletzt erneut verboten, sich seiner Frau und seinem Kind zu nähern. Daran hielt er sich aber nicht.

„Wenn Du das Kind nicht rausgibst, sollst Du verrecken, Du Hure“, beleidigte er dabei die Mutter seines dreijährigen Sohnes, an dem er nach eigener Aussage sehr hängt. Das Paar hatte sich in der Psychiatrie kennengelernt. Zum Schwiegervater sagte er laut Akten: „Ich bringe Dich um, wenn ich mein Kind nicht kriege.“

Annäherungsverbot verhängt

Verteidiger Klaus-Uwe Haake sagte, das Hauptproblem sei, wenn der Junge in eine Pflegefamilie komme. Die Mutter sei so krank, dass ihr das Sorgerecht entzogen werden müsse: „Das ist eine Katastrophe.“ Er übte heftige Kritik an der Verlängerung des Annäherungsverbotes durch das Melsunger Familiengericht. „Als mein Sohn nicht mehr bei mir war, war alles kaputt“, sagte der Angeklagte: „Ich will neu anfangen, wenn ich aus dem Gefängnis komme.“

Weil der Angeklagte psychisch krank sei, bestehe eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit, sagte die Staatsanwältin. Sie sprach von einer „selten auftretenden Häufung von Straftaten“ und sehr schwierigen Familienverhältnissen. Eine Therapie böte Chance zur Heilung.

Elf Jahre straffrei

Sein Mandant sei elf Jahre straffrei geblieben, betonte der Verteidiger. Dann hätten sich zwei psychisch Kranke zusammengetan und ein Kind bekommen: „Da ist der Sprengstoff programmiert.“ Sein Mandant habe es nicht mehr verkraftet, seinen Sohn nicht mehr sehen zu dürfen. Das sei ein massiver Eingriff in das Kindeswohl. Nun habe sich sein Mandant „sehr gut gefangen und freiwillig alle Taten eingestanden“, habe bereits Kontakt mit der Drogenberatung aufgenommen, um seine Zukunft in die Hand zu nehmen. Der Anwalt beantragte eine Haftstrafe von nicht mehr als zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Er überzeugte das Gericht nicht. -m.s.-

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