Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg

Wildunger Flüchtlingshilfe VIA schildert die Hürden der Integration

Aus der alten Heimat: Mit Spezialitäten überraschten die Flüchtlinge beim Treffen der Flüchtlingshilfe VIA. Foto: Schade

Bad Wildungen – Die Flüchtlingshilfe VIA sieht sich trotz sinkender Flüchtlingszahlen weiter vor großen Herausforderungen. „Es gibt keine Alternative dazu, Integration zu begleiten“, sagte Vorstandsmitglied Ute Claßen bei einem Erfahrungsaustausch in den Räumen der Evangelischen Gemeinschaft.

Dafür müssten allerdings auch in Zukunft finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Probleme und Hindernisse, mit denen sich Flüchtlinge und Helfer vor Ort konfrontiert sehen, treten vielfältig auf. Sprachkurse sind laut Claßen eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Integrationsarbeit und somit unverzichtbar: „Sprache ist und bleibt der Schlüssel.“

Viele kämen mit den Integrationskursen und 300 Stunden Wiederholung nicht aus. Insbesondere bei Frauen sei oft aufgrund des niedrigen Bildungsniveaus ein Scheitern programmiert. Deshalb sei es nötig, weiterhin Alphabetisierungskurse anzubieten.

Die Integrationsbeauftragte plädiert zudem dringend dafür, die so genannte „3-plus-2-Regel“ auszuweiten. Sie beinhaltet eine Ausbildungsduldung für drei Jahre plus weitere zwei Jahre, um im Betrieb arbeiten zu können. Für eine Helferausbildung zum Beispiel in der Pflege sei diese Regel bislang aber nicht vorgesehen, obwohl dies in vielen Fällen die einzige Möglichkeit für Flüchtlinge darstelle, mittelfristig in qualifizierte Arbeit einzusteigen.

Erhebliche Mängel gibt es nach Darstellung von Jute Claßen auch bei der Familienzusammenführung. Fehlende medizinische Untersuchungen bei den Ankommenden könnten dazu führen, dass etwa Krankheiten eingeschleppt würden. Oftmals gerieten Betroffene wegen hoher Flugkosten oder DNA-Proben in finanzielle Schwierigkeiten.

Und da deutsche Banken in der Regel keinen Kredit gewähren, landen nicht wenige dieser Menschen bei unseriösen Anbietern wie einer Luxemburger Bank, die 23 Prozent Jahreszins verlange. Die Sprecherin listete eine Reihe weiterer Hindernisse auf –von den Problemen, Originaldokumente aus Heimatländern zu beschaffen, bis zur Schuldenfalle durch teure Handyverträge oder Kreditkarten. Claßen: „Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen Ansprechpartner, um nicht in der Fülle der Schwierigkeiten unterzugehen, und um Brücken für das Zusammenleben der nächsten Jahre zu bauen.“

Vorstandsmitglied Wolfgang Ochs bedauerte Schlagworte und Aussagen mancher Politiker. „Das macht uns persönlich betroffen. Wir übernehmen im Grunde staatliche Aufgaben und müssen uns rechtfertigen für das, was wir aus Überzeugung machen.“

Die 2016 gegründete Flüchtlingshilfe mit inzwischen rund 100 Mitgliedern hat es sich zur Aufgabe gemacht, geflüchtete Menschen in der neuen Heimat zu begleiten und bei Bedarf zu unterstützen. Welche Erfahrungen der Verein dabei bisher gemacht hat und vor welchen Integrationshindernissen geflüchtete Menschen auch in der Badestadt stehen; darum ging es bei dem Treffen, zu dem der Verein die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg, Vertreter der Stadtverwaltung sowie interessierte Bürger und Geflüchtete selbst eingeladen hatte. „Wir hoffen, dass die Politik ein Signal setzt und das Thema nicht wegen sinkender Flüchlingszahlen aus dem Blick gerät“, meinte Ute Claßen. Sie ist Integrationsbeauftragte der Stadt und Koordinatorin der Netzwerke für Flüchtlinge – einzige Stelleninhaberin dieser Art im Landkreis.

Gute Integration funktioniere nur, wenn Menschen vor Ort bereit seien, Kontrakte zu schaffen, sagte MdL Claudia Ravensburg. Sie hörte sich an, was in Bad Wildungen bisher erreicht worden sei und woran es noch hapere: „Ich trage das gern nach Wiesbaden“, betonte sie und dankte den Mitgliedern von VIA für ihren Einsatz. Dem schloss sich Bürgermeister Ralf Gutheil an. Hier werde eine Arbeit getragen, die eine Stadtverwaltung nicht leisten könne. Mit einem kleinen Buffet endete das Treffen. Die Flüchtlinge hatten dafür leckere Spezialitäten unter anderem aus Syrien, Äthiopien, Eritrea, Somalia und der Türkei vorbereitet.  -sch-

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