Quellen und Brunnen sprudeln reichlich

Wildunger Grundwasser: noch keine Spur vom Klimawandel 

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Grundwasserschutz: Er ist eine der Voraussetzungen für eine ausreichende Versorgung.

Gute Nachrichten aus dem Wasserwerk: Weder in der Menge noch in der Güte leidet die Versorgung in Bad Wildungen - trotz der dürren Sommer und anderer Einflüsse des Klimawandels.

  • Die Wildunger Grundwasservorkommen zeigen keine Anzeichen von Schwäche trotz Klimawandels, besagt ein ausführlicher Lagebericht vom Wasserversorger BKW
  • Pro Jahr wird weniger verbraucht, als sich an Grundwasser in den Reservoirs neu bildet, selbst in Dürrejahren
  • Außerdem befinden sich große Reserven in bisher ungenutzten Grundwasservorkommen
  • Die BKW hat den Nitratgehalt im Grundwasser im Griff dank mehrerer Kooperationen mit Landwirten über Grundwasser schonende Bewirtschaftung

Bad Wildungen – Mitte der 1990er Jahre herrschte zeitweise Wassernot in der Stadt. Und an der wichtigsten Quelle – dem „Großen Brunnen“ – wurde Nitratalarm ausgelöst.

Sorgen von gestern. Heute gibt es in diesen Punkten frohe Botschaften aus dem Wasserwerk. Das zeigt die rund 30 Seiten starke, detailgetreue Antwort des BKW-Wasser-Geschäftsführers Stefan Tent auf eine umfangreiche Anfrage der Grünen-Stadtverordnetenfraktion.

Trotz Klimawandels und sehr trockener Jahre sprudeln die neun Quellen reichlich und schütten die zehn Brunnen ergiebig. Seit 20 Jahren verbraucht Bad Wildungen, aufs Jahr gesehen, weniger, als sich an Grundwasser neu bildet.

Der Verbrauch von Grundwasser

„Das hat vorwiegend damit zu tun, dass der Bedarf nach der Kurkrise um rund ein Drittel zurück ging“, erinnert Stefan Tent. Auch die Schwindsucht der Wildunger Industrielandschaft senkte den Verbrauch: drastischer Rückgang der Zahlen im momentan sogar geschlossenen Schlachthof, Schließung des Metzeler-Betriebes Wega, der Molkerei und der Pantherwerke an der Itzel.

Ungenutzte Grundwasserreserven für Zeiten des Klimawandels

Doch selbst wenn der Bedarf das derzeitige Niveau wieder deutlich überstiege, würde das der BKW nach aktuellem Stand kein Kopfzerbrechen bereiten.

Tent berichtet von bekannten, noch nicht angezapften Grundwasservorkommen, die mindestens rund 600 000 Kubikmeter jährlich liefern könnten. Zum Vergleich: Die Gesamtfördermenge 2018 lag bei 1,45 Millionen Kubikmetern.

Das Nitrat im Grundwasser

Das bekannteste Problem für die Qualität des Rohwassers – so wird es vor seiner Aufbereitung zum Trinkwasser bezeichnet – liegt im Nitrat. Vor 20 Jahren bewegte sich der Gehalt im „Großen Brunnen“ über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (für Trinkwasser). Hohe Werte, aber noch unter dieser Schwelle, wiesen zwei weitere Brunnen auf. In allen drei Fällen gelang es der BKW binnen 20 Jahren, die Werte deutlich zu senken: durch Kooperationsprojekte mit den Landwirten in den Einzugsgebieten. Begleitet und beraten durch die Wissenschaftler des Büros „Schnittstelle Boden“ bewirtschaften die Bauern ihre Felder grundwasserschonend.

Am „Großen Brunnen“ liegen die Nitratwerte daher inzwischen im Mittel bei 42 Milligramm pro Liter, an den beiden anderen Quellen darunter. Durch das Mischen der verschiedenen Wässer erreicht die BKW in ihrem Trinkwasser einen durchschnittlichen Gehalt von 37 Milligramm. Zwischen 100 000 und 115 000 Euro jährlich fallen beim Nitrat an Kosten an, die in die Gebühren einfließen. Den Löwenanteil der Summe bilden Ausgleichszahlungen für Gewinn-Einbußen an die Kooperations-Landwirte. Die Alternative: eine technische Anlage, um das Nitrat aus dem Wasser zu filtern. Das würde sich aus Tents Sicht aber nicht rechnen und zudem das Problem nicht an der Wurzel packen.

Mögliche neue Belastungen fürs Grundwasser

Rückstände von Pestiziden und deren Abbauprodukten wurden bisher nicht im Wildunger Grundwasser gefunden. Die Nachweisgrenze liegt hier bei 0,5 Mikrogramm pro Liter. Das entspricht 0,0005 Milligramm. Untersuchungen auf Überbleibsel von Arzneimitteln laufen nicht, weil sie nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.

Während die zuständigen Landesstellen im Hessischen Ried nahe Frankfurt aber schon derlei Reste im Grundwasser fanden, „existieren solche Nachweise für Nordhessen nicht“, erklärt Tent.

Zur möglichen Belastung mit Mikroplastik könne er nichts sagen. Denn es gebe noch nicht einmal einheitliche Standards für die Suche danach. Viele dieser Partikel seien gar nicht eindeutig zu identifizieren.

Das Grundwasser und der Klimawandel

Wie sich der Klimawandel und seine Folgen auf die Bildung von Grundwasser auswirken, lässt sich noch nicht kalkulieren. Doch Dr. Matthias Peter weist auf einige nahe liegende Zusammenhänge hin. Er ist Agrarwissenschaftler und öffentlich bestellter Sachverständiger für Bodenkunde vom Büro „Schnittstelle Boden“. Grundwasserreservoire füllen sich vorwiegend im Winter durch Versickerung auf, weil die Vegetation die Niederschläge im Sommerhalbjahr weitgehend verwertet. Besonders effektiv ist Schnee, weil er beim Abtauen langsam und stetig einsickert. Doch er fällt seltener.

Starkregen, wie ihn die Klimaforscher im Zuge des Wandels vermehrt erwarten, bringt wenig. Der Boden schafft es nicht, so große Mengen in kurzer Zeit aufzunehmen. Das meiste fließt ab. Zwischen 2011 und 2015 stellten Landesbehörden zudem eine höhere Verdunstungsrate aus dem Boden im Winter fest.

Trotz Kooperationsprojektes stiegen die Nietratwerte von 2015 bis 2018 vorübergehend wieder leicht an im „Großen Brunnen“ von Bad Wildungen. Als Folge der Trockenheit, sprich, des Klimawandels? Solche Nachweise seien schwer zu führen, sagt Matthias Peter. Trockenheit im Boden spielt aber eine Rolle, denn Bakterien sind es, die das Nitrat aus dem Dünger oder anderen organischen Stoffen so aufschließen, dass Pflanzen den enthaltenen Stickstoff verwerten können. Ist der Boden zu trocken, stellen die Bakterien ihre Arbeit ein. Das Nitrat versickert. In einer angepassten Landwirtschaft geht es in Zukunft nicht allein um die Menge des ausgebrachten Wirtschaftsdüngers, sondern auch um den richtigen Zeitpunkt zu düngen, damit alle Rädchen beim Nitratabbau ineinander greifen. Die Bodenkundler raten zu vermehrtem Anbau von Zwischenfrucht (krautigen Pflanzen). Sie verwertet Stickstoff außerhalb der landwirtschaftlichen Saison und dient dann selbst als Gründünger vor Aussaat der eigentlichen Feldfrucht. Diese Vorgehensweisen bescheren der Landwirtschaft allerdings einen höheren Aufwand. In Kooperationsprojekten bezahlt der Wasserversorger diese Einbuße an Wirtschaftlichkeit für den Betrieb.

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