Rechts- und Grundstücksausschuss und Parlament tagen

Wildunger Haus Oestreich wird Montag endlich verkauft

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Das Haus Oestreich: Sieben Jahre, nachdem es die Stadt erworben hat, erhält es nun einen neuen Besitzer. Es wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Der Rechts- und Grundstücksausschuss berät  Freitag über den Verkauf des Hauses Oestreich. Seine Zustimmung gilt als Formsache, ebenso wie das "Ja"  der Stadtverordneten am Montag.

Bad Wildungen – Fast ein Hollywood-Stoff: Die „unendliche Geschichte“ ums Haus Oestreich geht am Montag doch zu Ende, im „verflixten 7. Jahr“. Denn wenn der Himmel bis dahin nicht einstürzt, wird der Rechts- und Grundstücksausschuss am 31. Januar auf Vorschlag des Magistrats dem Verkauf zustimmen und wird sich die Stadtverordnetenversammlung dem anschließen in ihrer Sitzung am Montag: zum Preis von 220 000 Euro. Das Grundstück geht an eine Bewerbergruppe aus Korbach. Das "Ja" aus beiden Gremien gilt  Beobachtern und Beteiligten dem Vernehmen nach als Formsache.

2013 kaufte die Stadt das Haus Oestreich

2013 hatte die Stadt die leer stehende Immobilie erworben, damit an dieser prominenten Stelle im neu gestalteten Scharnier endlich eine Entwicklung möglich werde. Vier Interessenten meldeten sich damals, um der Stadt das Objekt wieder abzukaufen. Investor Scholz bot seinerzeit 300 000 Euro, doch die Stadtverordneten bevorzugten den heimischen Interessenten Stuhlmann.

Gegen diesen Beschluss legte der damalige Bürgermeister Volker Zimmermann Widerspruch ein mit Blick aufs Haushaltsrecht. Grund: Stuhlmann hatte zunächst nur 265 000 Euro für die Immobilie zahlen wollen. Auch als er dieses Gebot erhöhte, kam es zu keinem Abschluss.

Statt dessen leitete die Verwaltung mit Hilfe zweier externer Berater ein aufwendiges Bieterverfahren ein, das die Voraussetzungen des EU-Wettbewerbsrechtes erfüllte. Das war Ende 2015.

Problem: Zwar forderten sieben mögliche Interessenten Unterlagen an, doch gab nur einer von ihnen tatsächlich ein Angebot ab. Bei der intensiven Prüfung durch ein eigens eingerichtetes Gremium fiel das Gebot durch. Damit stellte die Stadt alles auf Anfang.

Ärger ums Haus Oestreich bis hin zum Akteneinsichtsausschuss

Zwischen CDU und SPD einerseits sowie dem damaligen Bürgermeister flogen die Vorwürfe hin und her, wer die Schuld an der Misere trage. Die Auseinandersetzung reichte bis hin zur Einrichtung eines „Akteneinsichtsausschusses“ durch die Stadtverordneten.

Zugleich wurde mangels Kaufinteressenten der Weg frei für eine „freihändige Vergabe“ jenseits des EU-Wettbewerbsrechts. Von ursprünglich sechs Bietern blieben in diesem Fall zwei übrig. Die Korbacher Gruppe, die das Haus Oestreich abreißen und einen Neubau errichten lässt, erhielt den Zuschlag. Aussortiert wurde das zweite Angebot des heutigen „Parkhöhe“-Eigentümers. Er beabsichtigte, das Haus Oestreich im Bestand zu sanieren und zu renovieren. Das Parlament bevorzugte die Neubau-Variante.

Parallel mit den Verhandlungen über die Details des Kaufvertrages haben die künftigen neuen Besitzer ihre Planungsarbeiten voran getrieben, berichtet Bürgermeister Ralf Gutheil. So sei der Abriss des Gebäudes mit dem Denkmalschutz abgestimmt, ergänzt Stadtplaner Robert Hilligus.

Damit die Gruppe ihr neues Objekt verwirklichen kann, muss das Parlament allerdings in einem weiteren Schritt den Bebauungsplan ändern. Die geplante Immobilie ist größer als das Haus Oestreich. Damit dies gestattet ist, muss der geänderte Bebauungsplan höhere Grundflächen- und Geschossflächenzahlen enthalten. Sie bestimmen, wie groß ein Gebäude im Verhältnis zum dazugehörigen Grundstück maximal ausfallen darf.

Zeitliches Ziel: dem Parlament und dem zuständigen Planungsausschuss den geänderten Bebauungsplan im März zu präsentieren und damit einen Start des Abrisses vor der Sommerpause zu ermöglichen. Das erläutert Hilligus.

Neubau größer als jetziges Haus Oestreich

Das Objekt, das an die Stelle des Hauses Oestreich treten soll, wird größer. Es erstreckt sich damit auf dem Grundstück weiter nach unten als der Bestand: entlang des Eselspfades. Im Erdgeschoss soll ein Geschäft Platz finden. Ursprünglich seien zwei Läden angedacht gewesen, doch es bleibe bei einem, ergänzt Bürgermeister Ralf Gutheil. In den oberen Geschossen entstehen Wohnungen. Eine Gastronomie ist nicht Bestandteil der Planung.

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