Merkmal der Heimtücke nicht zu begründen

Wildunger Messerattacke: Anklage plädiert auf versuchten Totschlag und fordert 11 Jahre Haft

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Die Staatsanwaltschaft Kassel ist im Fall der Wildunger Messerattacke gegen eine Frau vom Vorwurf des versuchten Mordes abgerückt.

Im Prozess um die Wildunger Messerattacke fordert die Staatsanwaltschaft elf Jahre Gefängnis für einen 51-Jährigen. Er soll versucht haben, seine Ehefrau mit Messerstichen zu töten. 

Weil er versucht hat, seine Ehefrau mit zahlreichen Messerstichen zu töten, soll ein 51-jähriger Mann aus Bad Wildungen nach Auffassung der Anklage für elf Jahre ins Gefängnis.

Diesen Strafantrag stellte Oberstaatsanwalt Matthias Blosche in seinem Plädoyer vor der zehnten Strafkammer des Kasseler Landgerichts.

Der Angeklagte soll am 21. April vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in Bad Wildungen mit drei Messern auf seine Ehefrau eingestochen haben, weil die sich von ihm trennen wollte. Die Frau überlebte nur, weil ein Nachbar auf ihre Hilferufe hin in die Wohnung stürmte und den Angreifer von weiteren Attacken abhielt. In böser Vorahnung hatte die Wildungerin im Vorfeld des Treffens den jungen Zuwanderer, der mit seiner Frau nebenan wohnte, gebeten aufmerksam zu sein.

Den Umstand, dass sich die Frau über die mögliche Gefährlichkeit ihres Mannes im Klaren war und den Nachbarn einbezogen hatte, veranlasste Blosche dazu, den Vorwurf des versuchten Mordes mit dem Merkmal der Heimtücke fallen zu lassen. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Frau bei der Tat arglos gewesen sei, was den Vorwurf der Heimtücke begründet hätte.

Psychiater attestiert Angeklagtem volle Schuldfähigkeit 

Sicherlich sei es besonders verwerflich, dass der nur scheinbar ruhige Mann angeblich zum Abschied seine Frau umarmte und anschließend sofort mit dem Messer auf sie einstach. Dies reiche aber nicht aus, um das Mordmerkmal der Heimtücke zu erfüllen, sagte der Ankläger.

Der Gefängnispsychologe, der erneut als Zeuge geladen worden war, rückte in seiner neuen Aussage von der Empfehlung ab, den Angeklagten wegen psychischer Erkrankung aus dem Regelvollzug in der Untersuchungshaft zu nehmen und in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Der 51-Jährige bleibt daher im Kasseler Gefängnis.

Der forensische Psychiater Dr. Georg Stolpmann hatte in seinem Gutachten dem Angeklagten volle Steuerungs- und damit auch Schuldfähigkeit attestiert. Eine Tat, bei der über einen Zeitraum von mehreren Minuten insgesamt drei Messer eingesetzt wurden, könne auch nicht im Affekt geschehen sein, weil ein Affekt stets nur wenige Sekunden dauere.

Auch den vom Angeklagten bis zum Schluss behaupteten Filmriss, wegen dessen er sich nicht an die eigentliche Tat, wohl aber an das Geschehen davor und danach erinnern könne, hatte der Psychiater angezweifelt.

Auch die Anwältin der Ehefrau hatte sich in ihrem Plädoyer für die Nebenklage der Strafforderung der Staatsanwaltschaft von elf Jahren Haft angeschlossen. Das Verfahren wird am Montag, 23. September, um 9 Uhr in Saal E 221 des Kasseler Landgerichts mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. An diesem Tag soll auch das Urteil gesprochen werden. 

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