Alle Experten sind sich einig:

Wildunger Pflegesymposium: Berufsstand muss sich besser organisieren

Pflegekräfte leisten eine für die Gesellschaft unverzichtbare Arbeit. Die Branche ist vielfach gekennzeichnet durch bescheidene Bezahlung, Personalmangel, daraus resultierender Überbelastung und vorzeitiger Flucht aus dem Beruf. Eine Ursache für die schlechte Situation dieses Berufszweiges ist nach Meinung vieler Experten die mangelnde Organisation der Pflegekräfte. Nur mit eigenen Interessenvertretungen und gewerkschaftlicher Organisation lassen sich Änderungen erreichen, sagen sie. Foto: dpa/Archiv

Bad Wildungen. Die Pflege in Deutschland ist mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Auf einem Pflegesymposium in der Neurologischen Klinik Westend gingen Experten der Branche den drängenden Fragen auf den Grund:

Welche Ursachen hat dieser Personalmangel und wie können Politik, Berufsverbände und Pflegekammern gegensteuern?

Sich besser organisieren

Unter dem Motto „Zukunft der Pflege im Fokus“ diskutierten darüber Pflegedienstleitungen und Pflegemitarbeiter aus Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten. Wie können Pflegefachkräfte die Zukunft Ihrer Berufsgruppe mitgestalten? Als Antwort auf diese Frage stellte der Vorsitzende des Landespflegerates Hessen, Frank Stricker, die Aufgaben der Berufsverbände, Gewerkschaften und Pflegekammern vor. Für Fortschritte in der Pflege sei eine verstärkte Organisation in den Interessensverbänden zwingend erforderlich: „Wer keine Veränderungen will, braucht auch keine Interessensvertretung.“

Von anderen Berufen lernen

Hier könnten Pflegekräfte von anderen Berufsgruppen lernen. Eine Hürde für die Vernetzung: In der sich etablierenden Bundespflegekammer – die erste Sitzung war Ende September – können nur Bundesländer vertreten sein, die bereits eine Landespflegekammer gegründet haben. Hessen fehlt diese berufsständische Vertretung bislang.

Deshalb initiierte der Landespflegerat die Petition „Ja zur Pflegekammer in Hessen“. Nach der Übergabe soll sich die hessische Landesregierung mit der Gründung einer Pflegekammer in Hessen auseinandersetzen.

Orientierung für den Prozess von der Gründung bis zur Konstituierung der Pflegekammer gab Hans-Josef Börsch, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz. Er ist überzeugt: „In Zukunft wird nicht mehr über, sondern mit der Pflege gesprochen.“

Misrab Agöz, Leiter des Bildungszentrums an der Asklepios Stadtklinik, berichtete über Veränderungen in der Pflegeausbildung. So bietet das Bildungszentrum auch für andere Assistenzberufe im Gesundheitswesen Ausbildungsmöglichkeiten, wie das Projekt Schulabschluss mit Service-Pflegeassistenz (SPass).

Über die unterschiedlichen Herausforderungen, die das Anwerben von Mitarbeitern über europäische Grenzen hinaus birgt, sprach Brigitte Teigeler, Chefredakteurin des Bibliomed Verlags. Sowohl die Klinken als auch die potenziellen Mitarbeiter stehen vor hohen Anforderungen . Drei Mitarbeiter der Neurologischen Klinik Westend, die mit einem ausländischen Pflegeabschluss nach Deutschland kamen, gaben Einblicke in ihre Erfahrungen und Perspektiven.

Zentrales Fazit des Pflegesymposiums ist die Erkenntnis, dass Pflegekräfte sich nach dem Vorbild anderer Berufsgruppen besser organisieren müssen, um größeren Einfluss auf wichtige Entscheidungen zu nehmen. (r)

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