Bundesverkehrsministerium hält das Netz und das dahinter stehende Konzept für vorbildhaft

Wildunger Radwege als gutes Beispiel

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Die Wildunger Radwege werden in der Kernstadt entweder als Schutzstreifen auf der Fahrbahn angelegt oder gleich abseits der Straßen gebaut.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Nicht nur für Rennrad-profis zahlt sich langer Atem aus, sondern auch für Planer von Radwegenetzen. Bad Wildungen beweist das seit 2002. Der Erfolg gibt dem Bauamt Recht und hat sich herumgesprochen – bis Berlin.

Das Bundesverkehrsministerium stellt aktuell auf seinem Fahrradportal im Internet (www.nationaler-radverkehrsplan.de) das Wildunger Konzept als beispielhaft für Klein- und Mittelstädte vor. Innovativ und nachahmenswert sei es, weil die Kurstadt „mit kleinen kontinuierlichen Schritten ein ‚ganzes‘ Radwegenetz“ geschaffen habe.

Dabei gab es zu Beginn durchaus kritische Stimmen nach dem Motto: Bei den Wildunger Steigungen lohnt sich ein ausgedehntes Radwegenetz überhaupt nicht, weil nur wenige Guttrainierte es nutzen. Die Befürworter, unter ihnen Robert Hilligus vom Bauamt, verwiesen dagegen unter anderem auf die wachsende Zahl von Gesundheitsurlaubern, die per Rad unterwegs sind.

Die Pro-Argumente überzeugten die Mehrheit des Parlamentes. Das Kasseler Büro PGN erhielt einen Planungsauftrag, „dessen Konzept noch heute die Grundlage für die Entwicklung der Radwege in der Stadt darstellt“, wie Hilligus betont. Experten und Bürger wurden im Rahmen der „Lokalen Agenda 21“ einbezogen. Jugendliche brachten ihre Anregung über eine Befragung während eines Kinderfestes ein.

Die Landesgartenschau 2006 und der Umbau von Stadtring und Scharnier ab 2009 verliehen dem Projekt entscheidende Schübe. So spülten sie einen Teil der Finanzmittel für die Verwirklichung der Idee in die Stadtkasse.

Sehenswürdigkeiten entlang der Strecken

Ein wesentlicher Grundzug des Konzepts:

Die Stadt baute keine neuen Wege neben der Straße. Entweder wurden Schutzstreifen auf der Fahrbahn aufgemalt oder der Radweg wurde abseits der Straßen gebaut. Das schönste Beispiel dafür liefert der kombinierte Fuß-/Radweg mitten durch das Landesgartenschaugelände.

Ein zweites, für die Touristiker wichtiges Merkmal ist die Anbindung des Netzes an mehrere überregionale Wege, die von Radurlaubern benutzt werden. Sehenswürdigkeiten sind angebunden an die innerstädtischen Strecken. Etliche Einbahnstraßen sind im Gegenverkehr für Radler frei gegeben.

Immer, wenn ein größeres Straßenbauvorhaben ansteht, prüft das Bauamt, wie sich die Interessen der Radfahrer berücksichtigen und integrieren lassen. Ein System ist entstanden, dessen Wert beständig steigt im Zuge einer Entwicklung, die Anfang der 2000er-Jahre so noch nicht abzusehen war: das Aufkommen der E-Bikes und Pedelecs, auf denen Otto Normalverbraucher ohne Japsen das weiße Trikot mit den roten Punkten für den Besten am Berg einfährt.

Was nicht heißt, dass es nicht noch besser geht: Das richtige Befahren der neuen Kreisel ist vielen Radlern unbekannt. Ihre Wege laufen vor den Kreisverkehren auf die Fahrbahn, weil im Rund zu wenig Platz ist für einen eigenen Schutzstreifen. Statt, wie vorgesehen, die Straße zu nutzen, weichen viele Radler aber auf die Gehwege aus.

Fußgängerzone noch immer radlerfreie Zone

Ungelöst ist auch noch die Frage, ob Radler demnächst die Fußgängerzone befahren dürfen. Damit das funktioniert, müssten sie rücksichtsvoll in die Pedale treten, um Fußgängern nicht zu gefährden.

Die Stadt plant, das gesamte Netz durch Experten begutachten zu lassen. Wann und wie das geschieht, steht aber noch nicht fest. Denkbar wäre, dass der ADFC auf den Wildunger Radwegen Probe fährt.

Hintergrund: Plattform für Radlerwünsche

Seit Anfang des Jahres ist die Stadt Bad Wildungen auch präsent auf der „Meldeplattform Radverkehr“ als Bestandteil der Internetseite „www.radroutenplaner.hessen.de“ des hessischen Verkehrsministeriums. Dort können Radfahrer Schlaglöcher oder andere Mängel melden und Vorschläge für Verbesserungen des Radwegenetzes unterbreiten. „Eine Meldung ist bislang eingegangen: der Wunsch nach einem Fahrradständer am Schloss Friedrichstein“, berichtet Robert Hilligus vom Stadtbauamt. Einfach aufstellen, geht in diesem Fall nicht, weil es zuvor der Abstimmung mit dem Immobilienmanagement des Landes bedarf. Wer zu den Wildunger Radwegen eine Anregung oder Kritik los-?werden will, kann dies auch telefonisch tun bei Robert Hilligus unter 05621/701-411.

Von Matthias Schuldt

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