Freie Wähler fordern Rücknahme des Kreistagsbeschlusses

Wildunger Schlachthof: Abriss für neue Berufsschule wirft Denkmalschutzfrage auf

Der Wildunger Schlachthof im November 2020.
+
Ganz ein Fall für den Denkmalschutz oder zumindest in Teilen? Auf dem Wildunger Schlachthofgelände möchte der Landkreis eigentlich die Hans-Viessmann-Schule neu bauen.

Der Landkreis will auf dem Wildunger Schlachthofgelände die Hans-Viessmann-Berufsschule neu bauen. Das beschloss der Kreistag Anfang November einstimmig – aber darf der Schlachthof dafür überhauppt abgerissen werden, wie angedacht?

  • Der Wildunger Schlachthof oder zumindest sein Hauptgebäude sollen abgerissen werden für den Neubau der Viessmann-Berufsschule auf dem Gelände
  • Unklar ist aber, ob der Denkmalschutz den Plänen des Landkreises für einen Neubau der Wildunger Viessmann-Berufsschule auf dem Gelände des Wildunger Schlachthofs entgegen steht
  • Eine Ortsbesichtigung mit den Denkmalschutzbehörden soll demnächst die Frage beantworten ob der Abriss des Wildunger Schlachthofes zu Gunsten des Neubaus der Wildunger Viessmann-Berufsschule möglich ist

Bad Wildungen – Die Freien Wähler Bad Wildungen bezweifeln das nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege.„Das Schlachthofgebäude einschließlich der Nebengebäude an der Schlachthofstraße ist ein Kulturdenkmal“, schreibt Kira Hauser in einer Pressemitteilung dazu.

Das bestätigt der Bad Wildunger Bauamtsleiter Klaus Weidner. Die Stadt sitzt mit im Boot, weil ihr das Gelände gehört. Der Beschluss des Landkreises sieht vor, das Areal mit Ausnahme des angrenzenden Wohnhauses zu erwerben, nachdem die Stadt den roten Wildunger Schlachthof-Klinkerbau abgerissen hat.

Fokus beim Abriss des Wildunger Schlachthofes für Neubau der Viessmann-Berufsschule liegt auf Hauptgebäude

Nach Weidners Kenntnisstand läge der Fokus in puncto Abriss auf dem Hauptgebäude des Wildunger Schlachthofes, das im Lauf der Jahrzehnte mehrfach für die Betriebszwecke verändert und umgebaut worden sei. Die Schlachthofmauer inklusive der integrierten Nebengebäude wiederum stünde einem Neubau der Wildunger Viessmann-Berufsschule wohl nicht entgegen, müssten diese Teile wegen Denkmalschutzes erhalten bleiben. Diesen Eindruck nahm Weidner von den Gesprächen mit dem Kreis im Vorfeld des Kreistagsbeschlusses mit.

Die Nachfrage unserer Zeitung beim Landkreis mit seiner unteren Denkmalschutzbehörde und beim Landesamt für Denkmalpflege ergab allerdings kein klares Bild, wie die Zukunft des Bad Wildunger Schlachthofgeländes und seiner Gebäude aussieht. Fest steht laut einer gemeinsamen Erklärung der zwei Behörden nur eins:

Eine Besichtigung des Wildunger Schlachthofes mit Denkmalschutzbehörden steht noch aus

Ein vom Landesamt für Denkmalpflege beauftragtes Fachbüro hat den Wildunger Schlachthofkomplex in die Liste möglicher Denkmäler im Kreis aufgenommen.

Wichtig: Eine Besichtigung gab es noch nicht. Sie steht an. Dann soll sich herausstellen, welche Teile des Wildunger Schlachthofes denkmalwürdig sind oder frei für einen Abriss wären. „In den bisherigen Planungen für den Neubau der Hans-Viessmann Schule wurde und wird dieser Prozess berücksichtigt, so dass Landrat Dr. Reinhard Kubat und Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese das Projekt als nicht gefährdet ansehen“, schreibt der Landkreis zum Schluss der Stellungnahme.

Wildunger Freie Wähler fordern Rücknahme des Kreistagsbeschlusses zum Abriss des Schlachthofes und Neubau der Viessmann-Berufsschule

Die Wildunger Freien Wähler fordern angesichts dieser Lage, einen anderen Weg einzuschlagen. „Warum die Stadt plant, denkmalgeschützte Gebäude abzureißen, ist uns nicht klar, meint Kira Hauser: „Wir erkennen auch die Notwendigkeit nicht. Das Schlachthofareal könnte überplant werden und damit zentrumsnah eine Anlage mit ihrem ganz eigenen baulichen Charakter erhalten und entwickelt werden.“ Ihre Idee: Betriebsstätten für kleinere Unternehmen aus Handwerk und Gewerbe realisieren, kleine Kinos und andere kulturelle Angebote aufbauen. Hauser verweist dazu auf Beispiele in anderen Städten.

„Für die ins Auge gefassten 20 Millionen Euro könnte eine Berufsschule an anderen Standorten in Bad Wildungen sinnvoll sein.“ Leer stehende Gebäude in Bad Wildungen gebe es genug. Sogar eine Einbindung in die Sanierung des Kurhauses mit seiner Tiefgarage müsste für diesen Betrag möglich sein, meinen die Freien Wähler. „Die Lage einer Schule mit medizinischem Schwerpunkt könnte besser nicht sein als im Herzen der Kurstadt“, unterstreicht Hauser. Sie fordert die Rücknahme des Kreistagsbeschlusses und statt dessen das Erarbeiten von Alternativen unter Beteiligung der Wildunger Stadtverordneten und der Öffentlichkeit. (Matthias Schuldt)

Der Kreistagsbeschluss zum Wildunger Schlachthof und zum Neubau der Viessmann-Berufsschule fiel Anfang November.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare