So weit kam seit Jahrzehnten kein SPD-Bürgermeisterkandidat mehr in der Badestadt

Wildunger SPD sucht Stichwahl-Allianz für Ralf Gutheil

Der Moment, als das vorläufige Ergebnis im Sitzungssaal auf dem Bildschirm aufleuchtete: Viele mussten das erst verdauen. Foto: Höhne

Bad Wildungen. Einen Tag nach dem ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl stellte sich am Montag in den Parteien und Fraktionen die Frage nach den Ursachen der Ergebnisse, während sich zugleich erste Blicke auf den 18. März und darüber hinaus richteten.

Vertreter der SPD kommen zu einem zweiwertigen Urteil. Fraktionschef Walter Mombrei zeigte sich vom Einzug Ralf Gutheils in die Stichwahl „überrascht, obwohl wir es gehofft hatten“. Zur Analyse zählt aus seiner Sicht auch, dass Gutheil bei den Wählern offenbar mit Erfolg für Positionen warb, die sich in etlichen Punkten von der Ansicht der Mehrheit in der Fraktion unterscheiden.

Der Herkules-Umzug ist so ein Thema. Unter bestimmten Bedingungen erklärte sich der Kandidat dafür offen, während die Fraktion jüngst erneut ihre Ablehnung per Abstimmung im Parlament zementierte. Mombrei traut einem SPD-Bürgermeister Gutheil aber zu, in den vielen strittigen Fragen in Gesprächen Kompromisslinien zu finden mit der eigenen Partei und mit den anderen Fraktionen im Parlament.

SPD in Bewegung

Ortsverbandsvorsitzende Petra Göbel sieht die SPD inhaltlich seit Längerem in verschiedenen Fragen in Bewegung. Diese Beweglichkeit werde bestätigt durch das gute Ergebnis Gutheils (22,7 Prozent): „So weit ist seit Jahrzehnten kein SPD-Kandidat mehr bei Wildunger Bürgermeisterwahlen gekommen“, stellt sie mit großer Freude fest, „und 70 Prozent der Wähler entschieden sich gegen Volker Zimmermann.“

Die SPD werde jetzt die Gespräche mit den anderen Parteien suchen und mit Ralf Gutheil am 18. März weiterkämpfen.

FWG hat Strategie im Blick

Ob die Freien Wähler zur Stichwahl eine Empfehlung an ihre Anhänger abgeben, steht in den Sternen. „Wir werden die Wahl nächste Woche ausführlich analysieren“, kündigt Achim Pollert an, Stadtrat und Vorsitzender der Wildunger Freien Wähler. Unklar sei, ob auch eine Wahlempfehlung auf die Tagesordnung gelange.

Die Wurzeln für das enttäuschende Abschneiden von Kira Hauser entdeckt Pollert nur bedingt in Schnittmengen beim Wählerpotenzial mit CDU-Kandidatin Christine Hedrich. „Die Wahlkampfstrategie entscheidet. Da hätten wir besser sein können“, meint Pollert.

Derweil beraten die Grünen intern, ob sie ihre Zurückhaltung aus der ersten Runde aufgeben und sich für den 18. März zu einer öffentlichen Empfehlung durchringen.

Zimmermann angespannt

Volker Zimmermann (FDP) gibt zu, dass „ich selbst nach zwölf Jahren im Amt unter großer Anspannung bei dieser Wahl stand. Ich hätte mir ein paar Prozentpunkte mehr gewünscht.“ Andererseits seien fast ein Drittel der Stimmen für ihn nicht zu verachten im Angesicht dreier so starker Gegner, von denen zwei den großen Parteien in der Stadt angehörten.

Zimmermann will in den nächsten zwei Wochen die Positionen seiner Politik weiter verdeutlichen. Zugleich signalisiert er:

„Fehlende Kompromissbereitschaft, die wir auf allen Seiten, mich eingeschlossen, gezeigt haben, können wir uns in der Stadtpolitik nicht länger leisten.“

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