Gewalttat laut Anklageschrift beharrlich ausgeführt

Wildunger wegen Mordversuchs mit Messer an Ehefrau und Stiefsohn angeklagt

Kameramann von hinten bei einem Prozessbeginn im Landgericht Kassel
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Prozessauftakt: Die Tat des Angeklagten erregt Aufmerksamkeit über die Grenzen Bad Wildungens hinweg.

Wegen zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung steht ein inzwischen 55-jähriger Wildunger seit Montag vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts Kassel.

  • Wegen zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung steht ein 55-jähriger Wildunger seit Montag vor dem Landgericht Kassel
  • Der angeklagte Wildunger soll am 29. April 2020 mehrfach mit einem langen Messer auf seine Ehefrau und seinen erwachsenen Stiefsohn eingestochen haben
  • Hintergrund des Wildunger Messerangriffs war, dass die Frau ihren Mann verlassen wollte

Bad Wildungen/Kassel – Er ist angeklagt, am 29. April vorigen Jahres in einem Wildunger Stadtteil auf seine Frau und seinen erwachsenen Stiefsohn eingestochen zu haben: laut Anklageschrift mit einem Küchenmesser von 20 Zentimetern Klingenlänge. Staatsanwalt Diedrich schilderte die Vorgänge, wie sie sich nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden ereigneten:

Vier Tage vor der Tat hatte die Frau ihren Mann aufgefordert, das Haus zu verlassen, das ihr allein gehört. Sie betrachtete die Ehe als zerrüttet, doch er nahm ihre Aussage nicht ernst.

Frau des Angeklagten wollte das Haus mit beiden Kindern verlassen

Am frühen Morgen des 29. April eröffnete sie ihm darum, dass sie mit den Kindern das Haus verlasse. Neben dem damals 21-jährigen Stiefsohn des Angeklagten zählte die gemeinsame Tochter zur Familie des Ehepaares, das seit 2004 in dem Haus in dem Wildunger Stadtteil lebte. „Ist das dein Ernst?“ soll der Angeklagte in dieser Situation zu seiner Frau gesagt haben, bevor er die Tochter im Kindesalter, die wegen des Streits hinzugekommen war, aus der Küche schob.

Mit der Faust schlug der 55-Jährige auf seine Frau ein, die blutend neben die Eckbank zu Boden stürzte. Weitere Faustschläge trafen das Opfer, dann zog der Angreifer das Messer aus dem Messerblock und stach zu Richtung Oberkörper. Die Frau wehrte die Stiche mit den Armen ab und schrie um Hilfe. Ihr Sohn im Obergeschoss hörte das, lief hinunter und versuchte in die Küche zu gelangen, doch der Angeklagte hielt die Tür zu.

Stiefsohn des Angeklagten drohte mit der Polizei und wurde angegriffen

Laut rief der junge Mann, er rufe jetzt die Polizei und rannte zurück nach oben in sein Zimmer. Der Stiefvater setzte ihm mit dem Messer nach und trat die verriegelte Tür ein. „Lass uns über alles reden“ rief der Stiefsohn in dem Tumult und der Angeklagte entgegnete: „Es gibt nichts mehr zu reden. Ich mach´ euch alle fertig!“

Der 21-Jährige floh ins Nachbarzimmer, doch der Angeklagte holt ihn ein und schaffte es, sich auf den Stiefsohn zu setzen. Auch auf ihn stach er nun mit Zielrichtung Oberkörper ein, doch der junge, kräftige Mann wehrte die Messerattacken mit Tritten und Schlägen so heftig ab, dass der rechte Unterarm des Angreifers brach.

Angeklagter rammte Messer in den Boden und brachte kleine Tochter weg

Die Mutter war beiden nach oben gefolgt und versuchte, ihren Mann von seinem Tun abzubringen. Der Angeklagte wollte nun erneut auf sie los, doch da stand die Tochter wieder in der Tür. Der 55-Jährige rammte das Messer in den Fußboden und brachte das Kind weg.

Als er zurückkam, hatte der Stiefsohn das Messer an sich genommen. Der Angeklagte versuchte, es ihm zu entwinden, scheiterte aber. Als die Frau weglief, floh auch der 55-Jährige. Später stellte er sich der Polizei.

Alle drei Mordmerkmale werden im Prozess überprüft

Ein Motiv in Gestalt niederer Beweggründe sowie Heimtücke sieht die Staatsanwaltschaft als zwei von drei Mordmerkmalen gegeben. Vorsitzender Richter Mütze erteilte den rechtlichen Hinweis, auch das dritte Mordmerkmal – jemanden zu töten, um eine andere Straftat zu verdecken – komme mit Blick auf den Angriff gegen den Stiefsohn in Frage.

Würde das Gericht in der Beweisaufnahme zur Ansicht gelangen, dass auch nur eins der Merkmale zutrifft, würde der Angeklagte wegen Mordversuchs verurteilt.

Der Prozess geht am Donnerstag am Landgericht Kassel weiter. Dann nimmt auch der Angeklagte Stellung. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten am ersten Verhandlungstag indes verbindlich auf das Hören der Tochter des Angeklagten. Das Kind soll nicht noch mehr belastet werden. (Matthias Schuldt)

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