Kriminalfall aus dem Jahr 1630

Tod nach grausamem Test: Bad Wildungerin als Hexe angeklagt, weil sie im Wasser überlebte

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Altes Dokument aus schlimmer Zeit: Der sogenannte Hexenhammer (lateinisch Malleus maleficarum) ist ein Buch zur Legitimation der Hexenverfolgung, das der Dominikaner Henrich Kramer vermutlich im Jahr 1486 in Speyer veröffentlichte. Es entstand als eine Reaktion Kramers auf eine gescheiterte Inquisition. Im Buch wird eine systematische Verfolgung und Vernichtung angeblicher Hexen gefordert.

Als im Jahr 1977 das Freizeitbad Heloponte in Bad Wildungen eröffnet wurde, wussten nur wenige, dass sich an der Stelle, wo sich nun Badegäste vergnügen, 350 Jahre zuvor grausige Dinge ereignet haben.

Man schrieb das Jahr 1630, als die 38-jährige Eila Büding der sogenannten Wasserprobe unterzogen wurde, weil sie der Hexerei verdächtig war.

Eila konnte nur verlieren. Sie wurde gefesselt und mit Gewichten versehen in den Ölmühlenteich geworfen. Wäre sie ertrunken, wäre das eventuell ein Indiz für ihre Unschuld gewesen. Doch, so vermerkte der Stadtschultheiß Nikolaus Hefentreger in seinem Indizien-Geheimbuch, sei Eila „wie eine Endte geschwummen“. Sie tauchte wieder auf und somit war klar, dass hier Hexenkräfte im Spiel gewesen sein müssten, die ihr geholfen hätten. Eila Büding wurde festgenommen.

Unter Folter gestanden

Neun Tage später bekannte sie sich unter grausamer Folter – mit verbundenen Augen und angelegten Daumenschrauben – in allen 23 Anklagepunkten für schuldig. Sie gestand, mehrere Kinder, darunter auch ihr eigenes, „zu Tode bezaubert“ zu haben. Weil sie geständig war, erließ ihr der Richter das Zwicken mit glühenden Zangen und die Verbrennung bei lebendigem Leibe. Aber er verurteilte sie zum Tode.

Vier Tage nach dem Todesurteil im Bad Wildunger Rathaus, in dem der Folterkeller untergebracht war, wurde sie mit einer weiteren Verurteilten in südlicher Richtung aus der Stadt zum Langerod geführt. Beide Frauen werden – übrigens in Anwesenheit der Schuljugend – von Scharfrichter Hans Stolpen enthauptet und danach verbrannt.   Im 17. Jahrhundert stand Bad Wildungen in dem Ruf, ein besonders gefährliches Pflaster für Zauberer zu sein. Dokumentiert sind mindestens 69 Menschen, die deswegen zum Tode verurteilt wurden. Der oberste Gerichtsherr, Graf Christian I. von Waldeck, stand lange im Ruf, zu tolerant zu sein. Diesen wollte er loswerden.

Opfer der Prozesswelle ab 1629 waren vor allem calvinistische Neubürger, die aus Fritzlar zugewandert waren. Dort waren sie von der katholischen Gegenreformation ausgewiesen worden. Auch Eila Büding kam ursprünglich aus Fritzlar.

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