Steffi Jean Wörmann: Eine von zwei Bikerinnen bei Tour Budapest - Bamako

Hitze, Erschöpfung, leere Tanks: Wildungerin bei Wüstenrallye

Geschafft: Nach gut 8000 Kilometern ist Steffi Jean Wörmann am Ziel in Sierra Leone. Nur zwei Frauen haben die Rallye mit dem Motorrad gemeistert. 

Extreme Hitze, ein leerer Tank mitten in der Wüste, kaputte Navigationsgeräte: 8000 Kilometer bei der Rallye Budapest - Bamako hat die gebürtige Bad Wildungerin Steffi Jean Wörmann mit dem Motorrad Anfang Februar geschafft.

Von rund 600 Teilnehmern waren zwei Frauen auf Motorrädern dabei. Und das alles für einen guten Zweck.

Mit dem Auto ging es zunächst in Budapest los, die Strecke führte die Gruppe quer durch Slowenien, Italien, Frankreich bis nach Spanien. In Málaga kam ein vierter Mitstreiter dazu, von Gibraltar ging es mit der Fähre nach Tanger in Marokko. Nach einer Nacht in Casablanca ging es zum eigentlichen Start in Marrakesch.

Dort machten sich die Rallye-Teilnehmer auf den Weg durch das Atlas-Gebirge, 380 Kilometer standen am ersten Tag an. „Das hört sich nicht viel an, doch die Straßenverhältnisse sorgten dafür, dass wir die letzten 30 Kilometer zum Camp nicht schafften“, schreibt Wörmann per Mail. In einem Hotel am Wegesrand übernachteten sie.

Steffi Jean Wörmann mit ihrem Motorrad in der Wüste

„Tag zwei in Richtung Assa in Marokko war die erste wirkliche Härteprüfung für unser Team.“ Über Stock und Stein waren Wörmann und der zweite Motorradfahrer schneller als die beiden anderen Mitstreiter im Auto unterwegs. „Wir beschlossen, uns zu trennen“, so Wörmann. „Ein Fehler, über den ich mich noch lange geärgert habe.“ Denn ihr Teamkollege, der auch über das GPS verfügte, sei ihr davongefahren. „Da stand ich nun mitten in der marokkanischen Wüste, ohne Empfang und Navigation.“ Nach gut zwei Stunden habe sie den zweiten Biker der Gruppe eingeholt.

Doch das dicke Ende kam noch: Dem zweiten Biker ging das Benzin aus und das mitten in der Wüste. Andere Teilnehmer halfen zum Glück aus „und wir schafften es zur einzigen Tankstelle in Assa. Der Witz des Tages: Das Benzin war ausverkauft.“ Als die befreundeten Fahrer mit dem Auto ankamen, musste das Bike aus Reservekanistern betankt werden.

Sonnenuntergang in der Wüste: Tolle Ausblicke gab es für die Rallyeteilnehmer immer wieder auf der Tour, hier im ersten Camp in der Wüste Mauretaniens.

Tage mit bis zu 1000 Kilometern am Stück absolvierten die Fahrer, und das hatte für Steffi Jean Wörmann auch gesundheitliche Konsequenzen: Hitzschlag. Die Luftfeuchtigkeit in Mauretanien habe bei Null gelegen, die Hitze sei enorm gewesen. „Das habe ich komplett unterschätzt.“ Die nächste Etappe fuhr sie im Auto mit.

Übernachtet wurde in Camps, in Mauretanien sogar vom Militär überwacht. Dort erlebte die gebürtige Wildungerin auch „einen der schönsten Sonnenuntergänge und Nachthimmel, die ich je erlebt habe“. Im Senegal gab es für die Fahrer nicht nur staubige Straßen, sondern auch eine willkommene Abwechslung: einen Wasserfall. „Genau richtig nach mehreren Tagen ohne Dusche.“

Immer wieder hat die Gruppe mit den schlechten Straßenverhältnissen zu kämpfen, eine Etappe führte gar durch tiefste Wälder in Guinea mit Straßen, die eher Trampelpfaden glichen. Mal ging es über so staubige Straßen, dass man kaum etwas habe sehen können. Durch manche Schlaglöcher hätten Autos kaum durchfahren können und stellenweise bestanden die Straßen mehr aus Sand als aus Asphalt. Eine interessante Beobachtung machten die vier bei der Tour in Afrika: „Alte Dieselfahrzeuge aus Europa regieren hier die Straßen.“

Die Wildungerin mit ihren Mitstreitern: (von links) Lorand Fekete, Istvan Szabo, Nandor Hutyra-Grám und Steffi Jean Wörmann.

Der letzte Tag der Rallye sei magisch gewesen. Die letzten 80 Kilometer nach Freetown in Sierra Leone seien wie ein Gang über den roten Teppich gewesen. „Es standen Massen an Menschen am Straßenrand und winkten uns zu.“ Sogar Präsident Julius Maada Bio sei im Stadion gewesen. Allerdings: Die Lunchpakete, die die Teilnehmer bekamen, führten nicht nur bei Wörmann zu einer Lebensmittelvergiftung mit über 40 Grad Fieber. Ursprünglich wollte die Motorradfahrerin mit dem Bike zurück fahren, doch das war nun ausgeschlossen. Mit Hilfe von fiebersenkenden Medikamenten und Antibiotika ging es „einigermaßen aufrecht“ ins Flugzeug zurück nach Hause.

Ob sie in zwei Jahren wieder an der Rallye teilnehmen wird? „Ich denke schon.“ Dann will sie noch mehr Spenden sammeln. „Man kann nicht jedem helfen, aber die lachenden Kinder zu sehen, gibt einem verdammt viel.“ 

Wie sich die Wildungerin auf die Rallye vorbereitet hat? Hier berichtete sie davon. 

Der Zweck der Rallye

Die Rallye Budapest - Bamako wird für den guten Zweck ausgetragen. In diesem Jahr sollen unter anderem 2000 Bäume in Sierra Leone gepflanzt werden, damit habe man auch schon begonnen, sagt Wörmann. Sie und ihr Team haben unter anderem ihr Auto gespendet, ein anderes 5000 Schulranzen mit Blöcken und Stiften, wiederum ein anderes ein Dach für eine Schule.  (ren)

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