Sprecher aus fünf Nationen plaudern beim internationalen Zeltlager über Krisen, Europa und Vorurteil

„Wir leben vor, was die Politik will“

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WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine (rechts) moderierte die Diskussion, an der Bürgermeister Jörg Feldmann, Kreisausschussmitglied Werner Welsch und Landtagsabgeordneter Armin Schwarz (von links) teilnahmen.Fotos: Erwin Emde

Waldeck-Oberwerbe - Jugend und Politik – geht das? Und ob! Beim internationalen Zeltlager der Jugendfeuerwehren in Ober-Werbe plaudern Sprecher von fünf Nationen im Gespräch mit WLZ-FZ-Chefredakteur Jörg Kleine munter drauflos. Über Freundschaften, Krisen, Europa und verblüffende Vorurteile.

Die weiteste Anreise hatte die Jugendfeuerwehr aus Yuzhne (Ukraine). Ganze drei Tage waren die 17 jungen Brandschützer unterwegs und die Müdigkeit steckt ihnen in den Knochen. Trotzdem strahlt Dolmetscherin Lena Pravedna über den herzlichen Empfang im Feuerwehr-Dorf an der Werbe, wo die gastgebende Wehr um Vorsitzenden Wilhelm Emden eine ganze Woche bei den Vorbereitungen voll im Einsatz war.

Was verspricht sich die Ukrainerin von der internationalen Begegnung, will der Moderator wissen? „Moralische Unterstützung ist uns wichtig, und dass Europa uns versteht.“

Die Krise in der Ukraine treibt Landtagsabgeordneten Armin Schwarz (CDU) um, der neben Kreisausschussmitglied Werner Welsch (Grüne) und Bürgermeister Jörg Feldmann mit diskutiert. „Die Lage in der Ukraine und auf der Krim beobachten wir mit sehr, sehr großer Sorge“, bekennt Schwarz in der Runde. Von dem Geschehen allerdings blieb die angereiste Delegation in ihrer Heimat vollkommen unbehelligt, bescheinigt Dolmetscherin Lena Pravedna. „Man muss keine Angst haben, wenn man nach Odessa kommen möchte.“

„Pünktlich, pflichtbewusst und langsam“

Aus dem nordpolnischen Leczyce war die Anreise ins Waldecker Land mit nur zwölfstündiger Fahrt geradezu ein Katzensprung. Seit 22 Jahren sind die Polen mit Ober-Werbe freundschaftlich verbandelt. König Fußball bricht in der Diskussion im DGH „Klosterblick“ das internationale Eis. „Wir sind stolz auf unsere polnischen Fußballspieler in Deutschland – Podolski und Klose“, lacht Elzbieta Kurzawa bei dem Besuch im Land des Fußballweltmeisters.

„Was für ein Bild haben eigentlich die Polen von den Deutschen?“, fragt Kleine. „Deutsche gelten als sehr professionell und pflichtbewusst“, bringt es Kurzawa auf den Punkt. Das bestätigt die Sprecherin der tschechischen Gäste aus Tehovec und setzt noch einen drauf: „Sehr pünktlich und sehr langsam.“ Das verschlägt dem Moderator beinahe die Sprache und mündet in schallendem Gelächter.

Was die Gleichstellung angeht, da sind die Feuerwehren aus Tschechien offenbar Vorreiter. „Bei uns sind 40 Prozent Frauen, das finde ich normal“, sagt DrahomÍra Neasová.

René Scharfenberg von der Feuerwehr Bad Tennstedt blickt in bewegten Worten zurück, wie 1989 der Kontakt zwischen Ober-Werbe und der thüringischen Wehr entstand und durch seine Heirat die freundschaftlichen Beziehungen in die Ukraine erweitert wurden.

Josef Pirstinger, Kommandant der Feuerwehr Mooskirchen (Österreich), holt noch weiter aus: „1986 wurde die Partnerschaft mit Ober-Werbe besiegelt, und ich bin begeistert, was daraus inzwischen entstanden ist“.

Ein großes Kompliment zollt der Mann aus der Steiermark in seinem liebenswürdigen Dialekt der gastgebenden Feuerwehr: „Das hat es in unserer langjährigen Partnerschaft noch nie gegeben – eine politische Diskussion mit Jugendlichen.“ Am Ende war dieser Schlagabtausch aus seiner Sicht ein voller Erfolg und zeigt: „Wir leben das vor, was die Politik will.“

Bürgermeister Jörg Feldmann bekräftigt: „Was internationale Jugendarbeit angeht, da ist Ober-Werbe ganz vorn.“ Was der Austausch der fünf Nationen in der kleinen Lagerstadt allen bringt, das steht für Jugendwart Andreas Emde bereits fest: „Schöne Erfahrungen in internationaler Runde.“

Im Anschluss an die Diskussion eröffnet Feuerwehr-Vorsitzender Wilhelm Emden offiziell das Zeltlager an der Werbe. Zuvor gibt Jörg Kleine den jungen Feuerwehrwettkämpfern aus Ober-Werbe und Sachsenhausen eine dringende Bitte mit auf den Weg: „Lauft so schnell ihr könnt, damit wir das Vorurteil von den langsamen Deutschen schnell beseitigen.“

Höhepunkte in dem fünftägigen Programm sind der Festkommers zum 35-jährigen Bestehen der Jugendwehr Ober-Werbe am heutigen Samstag sowie der internationale Wettbewerb CTIF am Sonntag mit buntem Besuchernachmittag.

Von Conny Höhne

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