Moldenhauer wirft Kühlewind das Operieren mit manipulierten Zahlen und Fakten vor

Wirtschaftsrunde kritisiert Marketing

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Schuld am Mangel an Gesundheitstouristen und damit auch an Leerständen sind Stadtmarketing und Rathaus, meint Ulrich Moldenhauer in Vertretung der Wirtschaftsrunde.

Bad Wildungen - Harsche Kritik äußert Ulrich Moldenhauer im Namen der „Wildunger Wirtschaftsrunde“ (siehe „Stichwort“) an Ute Kühlewind und dem Wildunger Stadtmarketing.

Parlament und Presse würden durch manipulierte Zahlen ‚beruhigt‘ und ‚falsch unterrichtet‘, schreibt der Wildunger Geschäftsmann in einer Mitteilung.

Dabei bezieht er sich auf die von Ute Kühlewind im Sommer geschilderte, positive Entwicklung bei Gäste- und Übernachtungszahlen in der Stadt. Die Marketingchefin verschweige, dass dieser positive Trend bei den Privaturlaubern auf die Aktivitäten der Hotel-Gruppe Goebel zurückgehe.

Ein schwer nachzuvollziehender Vorwurf allerdings, hatte Ute Kühlewind damals doch eigens das Aqua-Vita in Reinhardshausen und den Quellenhof in Bad Wildungen als leuchtende Beispiele genannt, denen weitere Anbieter allmählich folgten.

Bad Wildungen schläft

Moldenhauer weist in seinen Schreiben dagegen der Stadtverwaltung und dem Stadtmarketing die Verantwortung dafür zu, dass Bad Wildungen bei den Privatgästen noch immer nicht das Niveau von Bad Füssing oder Kissingen erreiche und den Gesundheitstourismus verschlafe. Die WWR werde mit eigenen Experten-Gutachten demnächst darauf eingehen, kündigte er im Telefongespräch an.

Die zweite Zahl, an der sich Moldenhauer in Vertretung der WWR stößt, ist die Angabe von 17 Leerständen entlang der Kernstadt-Einkaufsmeile Brunnenstraße/Allee. Das sei viel zu niedrig angesetzt.

Kühlewind hatte die 17 in einer der vorigen Parlamentssitzungen genannt und ihr die Zahl von 70 funktionierenden Geschäften im selben Bereich gegenübergestellt. Ziel: Bad Wildungen solle seine Stärken und funktionierenden Läden hervorheben, statt vorrangig über die leeren Räume zu diskutieren. Die vielen positiven Beispiele sollen neuen Investoren Lust darauf machen, die Freiflächen mit ihren Ideen zu füllen.

Das überzeugt Ulrich Moldenhauer in Vertretung der Wirtschaftsrunde ebenfalls nicht. Bei den Leerständen kommt die Wildunger Wirtschaftsrunde in der Kernstadt auf weit mehr als 40.

Ute Kühlewind erläutert den Widerspruch aus ihrer Sicht: „Mit den 17 Leerständen beziehe ich mich allein auf diejenigen Bereiche entlang von Brunnenstraße und Allee, die das Wildunger Einzelhandelsgutachten als für Geschäfte geeignet ansieht.“

Rechts wohnen, links kaufen

Die Alleeseite, an der sich die Stadtklinik befinde, zähle dazu beispielsweise nicht. „Hier bietet sich statt dessen an, den wachsenden Bedarf an barrierefreien Wohneinheiten zu befriedigen“, fügt Ute Kühlewind hinzu und bezieht sich damit auch auf den Widerstreit zwischen Rewe-Markt und Lebenshilfe-Wohnprojekten entlang der rechten Alleeseite. Das Stadtmarketing werde häufig von älteren Gästen nach Möglichkeiten gefragt, in solche Wohnangebote nach Bad Wildungen zu ziehen.

Vereinfacht gesagt lautet die Idee: Rechts der Allee siedelt sich eine wachsende Stammkundschaft für die Läden an, die sich entlang der linken Alleeseite präsentieren.

Darüber hinaus seien etliche der von der WWR angegebenen Leerstände keine tatsächlichen. Auf Anfrage erhielt das Stadtmarketing in mehreren Fällen die Auskunft, die Läden stünden kurz vor der Vermietung oder ein neuer Besitzer wolle nicht vermieten, weil er die Fläche selbst neu zu nutzen beabsichtige.

Mit der Konzentration auf einen abgegrenzten Bereich will Ute Kühlewind weg vom Gießkannenprinzip und mit dem neuen Ansatz Erfahrungen sammeln, die in der Folge der Vermarktung von Leerständen in der gesamten Stadt zugute kommen sollen.

„Außerdem ist es natürlich so: Wenn ich den Bereich vergrößere, in dem ich Leerstände zähle, habe ich automatisch auch viel mehr als die von mir genannten 70 funktionierenden Geschäfte, also das Positive, das wir in den Vordergrund rücken wollen“, schließt Ute Kühlewind.

Stichwort

Die „Wildunger Wirtschaftsrunde“ ist laut Vorsitzendem Ulrich Moldenhauer ein loser Kreis von Vertretern aus Wirtschaft und Lokalpolitik, der sich in wechselnder Zusammensetzung je nach Thema trifft und sich aktuell mit Fragen der Stadtentwicklung befasst. Bei der Sitzung Ende September waren laut Protokoll neben Moldenhauer als Teilnehmer vertreten: die Stadtverordneten Wolfgang Nawrotzki, Bernd Süring (beide SPD) und Fritz Faupel (CDU), Dr. Guido Müller (Hartensteinklinik Quellental), die Unternehmer Georg Wackerbarth und Felix Unbekannt (Concept & Styling), Familie Rappold vom Appartementhaus Delphin und Berater Heinz Moering.(r)

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