Frischquak

Zeit ist Kleingeld

Bad Wildungen - Je älter ich werde, desto schneller rinnt mir die Zeit wie Sand zwischen den Fingern davon. Mit dem Geld scheint’s dasselbe: Rekord-Benzinpreise, Sohn plötzlich im Studium, Modebewusstsein der Tochter steigt und steigt...

Was mache ich bloß? Vielleicht die Taktik der Stadt einschlagen, der es mit dem Geld ähnlich geht. Sie lässt die Uhren einfach stehen: am alten blauen Bushäuschen, an dem die Zeiteisen inzwischen gar abgebaut sind, und am Heloponte, wo die Zeiger schon vor Wochen in den Streik traten.

Zeit ohne Ende besorgt man sich so, und wir wissen: Zeit ist Geld. Blöd bloß, dass unsere benachbarte Sternapotheke diesen Weg, Zeit zu Geld zu machen, durchkreuzt, indem sie eine nigelnagelneue Digitaluhr in leuchtendem Rot an ihrer Fassade installiert hat. Nun rast sie wieder davon, die Zeit.

Konsequenter und mit weit mehr Ergiebigkeit hat sich ein findiger Brite der alten Weisheit von Zeit und Geld angenommen, wie eine große englische Tageszeitung berichtet. Über Jahrzehnte versah der Mann auf dem Parkplatz eines Zoos am Parkautomaten getreulich seinen Dienst, grüßte vermutlich stets freundlich, aß in der Pause ein kleines Sandwich zur Tasse Tee, kassierte 3 Pfund von jedem Pkw, 9 Pfund von jedem Bus – bis er in diesen Tagen spurlos verschwand.

Die Zoodirektion fragte bei der Stadt nach, wann denn ein neuer Parkplatzwächter komme. Die Stadt wusste von nichts und antwortete, sie habe mit dem Parkplatz nichts zu tun, der gehöre schließlich dem Zoo. Der unbekannte Wächter, dessen Identität nicht ermittelt werden kann, hatte den Automaten selbst aufgestellt und über die ganze Zeit die „Gebühren“ für sich eingenommen. Zeit ist Kleingeld und wie sagt das nächste geflügelte Wort: Kleinvieh macht auch Mist. Geschätzte 18 Millionen Pfund soll das Phantom des Parkplatzes verdient haben. Vorsicht an der Parkuhr, rät deshalb

Euer Ederlurch

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