Neue Idee, freie Flächen in ehemaligen Ladenlokalen der Wildunger Altstadt zu nutzen

Ein "Zeitraum" für Yoga und viel mehr

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Bad Wildungen - Wieder ein Leerstand weniger in der Altstadt und zugleich eine grundsätzlich neue Idee, freie Flächen zu nutzen. „Es muss nicht unbedingt Einzelhandel sein“, sagt Nüket Duru, womit sie einen seit Jahren fürs Fachwerkviertel diskutierten Gedanken aufgreift. Das Neue: Ein ehemaliges Ladenlokal muss nicht unbedingt nur von einem Anbieter genutzt werden.

Bekannt ist sie in Bad Wildungen als Buchhändlerin. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitstreiterinnen – Gisela Peschke und Birgit Dawedelt – mietete Nüket Duru vor rund zwei Monaten das ehemalige Elektrogeschäft Hilgenberg in der Lindenstraße 20 an, um dort Yogakurse zu geben. „Zeitraum“ nennen die drei ihr Projekt. Altstadtbewohner freuen sich über neue Nachbarinnen Weil die drei ihre neuen Räume nicht ständig brauchen, stehen die Flächen auch für andere Interessierte zur Verfügung, seien es Selbsthilfegruppen, Seminar- oder Kursveranstalter. Mit dem Echo nach den ersten Wochen ist das Trio sehr zufrieden. So haben eine Gruppe für Beckenbodengymnastik und eine Wildunger Selbsthilfegruppe angefragt. „Gerade bei solchen Themen fühlen sich Teilnehmer in einer privater anmutenden Umgebung wie hier sicher wohler als in einer Sporthalle oder einem Dorfgemeinschaftshaus“, meint Nüket Duru. Was die drei Frauen besonders freut, ist die Resonanz seitens der Altstadtbewohner, von denen etliche hineingeschaut haben, um die neuen Nachbarinnen zu begrüßen. Tenor: Schön, dass sich etwas tut und Leben an eine weitere Stelle im Quartier zurückkehrt. Der „Kunstraum“, aus dem der gleichnamige Verein heimischer Künstlerinnen und Künstler hervorging (inzwischen erreichbar über das Atelier Frauke Becher, Mittelstraße 7), markierte den Anfang. Der „Zeitraum“ gesellt sich hinzu. Solche Nutzungen bieten auch aus Sicht von Nüket Duru Chancen, Flächen zu vermarkten, die sich für Zwecke von Gewerbe und Handel in der heutigen Zeit zu klein und zu verschachtelt präsentieren. Aktuell stehen wieder etliche solcher ehemaligen Geschäfte im Viertel leer. Nicht selten hielten Pächter in der Vergangenheit nur eine begrenzte Zeit durch. „Es wäre toll, wenn wir in der Altstadt eine spezielle Atmosphäre schaffen könnten, die spezielles Publikum anzieht, ähnlich wie das im Vorderen Westen von Kassel der Fall ist“, sagt sie. Weitere Ansätze in diese Richtung deuten sich an und spiegeln sich seit Längerem in Aktionen der Altstadtbewohner wider, wie dem großen, aus dem Stand erfolgreichen Kunst- und Trödelmarkt. Eine solche Atmosphäre, deren Reiz sich herumspricht, hilft auch dem Einzelhandel in der Kern- und Altstadt weiter, ist die Buchhändlerin und Yoga-Lehrerin überzeugt. Von der hitzigen Aldi-Diskussion hält sie in diesem Zusammenhang nichts, denn sie betrachtet die Kern- und Altstadt als Anlaufstelle für Genuss-Käufe. „Shoppen ist eben etwas völlig Anderes als ein Pflicht-Einkauf zur Deckung des täglichen Bedarfs“, fügt Nüket Duru hinzu.Ihr Metier passt aus Sicht der drei Yoga-Lehrerinnen vor diesem Hintergrund hervorragend ins Fachwerkviertel. „Yoga ist durchaus keine Weisheit weltfremder Asketen, sondern eine praktische für jeden verständliche Lebensanleitung, eine über lange Zeit gewachsener, lebendiger Schatz an Erfahrungen, Erklärungsmodellen, Übungen und Handlungsanweisungen“, sagt Nüket Duru. „Die Kunst zu leben“ in vielen Facetten, das könnte zu einem Motto für ein neues Verständnis der Altstadt werden. (su/szl)

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