„Gruss aus Bad Wildungen“ von 1891

Zeitreise durch die Heimat: Bad Wildunger sammelt alte Ansichtskarten

Szene aus der Brunnenallee: Stefan Wilhelmi mit einer Ansichtskarte aus seiner Sammlung.
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Szene aus der Brunnenallee: Stefan Wilhelmi mit einer Ansichtskarte aus seiner Sammlung.

Stefan Wilhelmi aus Bad Wildungen sammelt alte Ansichtskarten aus Bad Wildungen und Umgebung.

  • Stefan Wilhelmi aus Bad Wildungen sammelt alte Ansichtskarten aus Bad Wildungen und Umgebung.
  • Die älteste Karte aus seiner Sammlung wurde im Jahr 1891 als „Gruss aus Bad Wildungen“ nach Mähren geschickt.
  • Für den Sammler ist nicht nur die Vorderseite interessant; Adresse und Text auf der Rückseite offenbaren so manches Schicksal.

Bad Wildungen – Für Heimatgeschichte interessiert sich Stefan Wilhelmi seit seiner Kinderzeit. Beim Stöbern auf dem Dachboden seines Elterhauses in der Kornstraße und bei der Gartenarbeit hat er so manches Relikt aus früheren Zeiten entdeckt. Münzen, Uniformknöpfe, Scherben und Glassiegel alter Flaschen kamen zum Vorschein. Heute hat er zur wechselvollen Geschichte seiner Heimatstadt jede Menge Bilder vor Augen:

Der 56-Jährige sammelt Ansichtskarten.

1891 abgestempelt und der Zeit weit voraus: Das Prädikat „Bad“ wurde Wildungen erst im Jahr 1906 verliehen. Diese Ansichtskarte – eine Lithografie – ging auf die Reise ins damalige Bisenz/Mähren, heute Bzenec in Tschechien.

Aufnahmen zeigen Konzerte im Kurpark vor über 100 Jahren, Gebäude, die längst nicht mehr existieren, Stadtansichten, die sich im Laufe der Jahrzehnte gewaltig geändert haben. Die älteste Karte im Besitz des Sammlers stammt aus dem Jahr 1891. Der Titel „Gruß aus Bad Wildungen“ war seiner Zeit lange voraus, schmunzelt Wilhelmi.

Das Prädikat „Bad“ wurde Wildungen nämlich erst in 1906 verliehen. Von einer Briefumhüllung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts an eine bekannte Wildunger Familie bis zu „modernen“ Karten unserer Zeit reicht sein Fundus. Die bekannten „Pinkelkarten“, die für die Vorzüge des Heilwassers warben, lehnt der Sammler kategorisch ab. „Das ist einfach nur plumpe Werbung.“ Im Internet schaut Wilhelmi gezielt nach alten Postkarten, Fotos und Landkarten. Manche würden zu Schnäppchenpreisen angeboten, andere für bis zu 50 Euro gehandelt.

Lieblingsstücke des Sammlers: Karten mit besonderem Charme

Interessant sei die Entwicklung von Lithographien, die besondere Gebäude und Aussichten in zeichnerischer Form abbilden über Lithographien, in die monochrome Fotografien eingebunden waren. Dem folgten monochrome Ansichtskarten mit Schwarz- und Grautönen.

Wilhelmis Lieblingsstücke sind die dezent nachcolorierten Karten mit besonderem Charme. Sie heute an Ort und Stelle aus demselben Blickwinkel gegenüber zu stellen sei eine besondere Herausforderung. Spannend sei auch die Entwicklung mancher Gebäude – etwa die des stattlichen Parkhotels, das heute als Ruine am westlichen Ortseingang stehe. Weiteres Beispiel sei das frühere Hotel Zimmermann in der unteren Brunnenallee, das zum Teil aus Baustoffen der Jägersburg entstanden ist und einst das Central-Theater beherbergte, aber nun seit bald sieben Jahren Dauerbaustelle ist.

Am Fuß des Bilsteins: Die Kippel-Mühle in Reitzenhagen auf einer Postkarte von 1905.

Recherchieren in Detenbanken einer Homepage für Ahnenforschung

Etliche Motive von aussichtsreichen Punkten seien heute nicht mehr möglich. „Manche herrlichen Ausblicke, die früher nahezu berühmt waren wie der vom Waldhaus oder vom Katzenstein, sind heute fast hoffnungslos zugewachsen.“

Aufschlussreich sei auch die Rückseite der Karten. „Soweit ich die Schrift entziffern kann, überprüfe ich den Empfänger anhand der Datenbanken einer bekannten Homepage für Ahnenforschung.“ Zuweilen kommen tragische Schicksale ans Licht, wie das einer Frau aus Wien, die im Konzentrationslager in Treblinka landete. „So kann eine einfache Ansichtskarte aus den 1920-ern mit weltbewegender Geschichte verbunden werden.“

Wildunger Familiengeschichte bis ins 14. Jahrhundert

Lieblingskarte von Stefan Wilhelmi ist die kolorierte Sicht aus der unteren Kornstraße mit seinem Elternhaus. Wilhelmi: „Auf der Karte steht allerdings „Partie aus der Ranzenstraße“. Die ist aber weiter rechts. Das ist ein schönes Beispiel für manche Unrichtigkeit, die auf den Postkarten ab und zu wiedergegeben wird.“

Falsch beschriftet: Die alte Ansichtskarte zeigt keine „Partie aus der Ranzenstraße“ sondern die untere Kornstraße mit dem Elternhaus von Stefan Wilhelmi (oben rechts).

Die Sammelleidenschaft habe ihn erst vor ein paar Jahren so richtig gepackt, erzählt der Vater von vier Kindern und dreifache Großvater. Andere Wildunger hätten eine viel umfangreichere Sammlung mit historischen Motiven. „Nur ist es schade, dass sie ihre Schätze nicht öffentlich zugänglich machen.“

Der 56-jährige Beamte der Stadt Frankfurt verbringt meist nur die Wochenenden bei seiner Familie in Wildungen und ist aus Zeitgründen auf einer Online-Plattform im regen Austausch mit zahlreichen Interessierten an der Heimatgeschichte. Das beflügele Erinnerungen an manches fast vergessene Detail.

Zudem treibe ihn auch die eigene Familiengeschichte um, sagt Wilhelmi. Vor drei Jahren erst hat er erfahren, dass Wurzeln seiner Familie in Wildungen bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückreichen. (Cornelia Höhne)

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