Drogenabhängiger aus Bad Wildungen vorm Amtsgericht Fritzlar

Zwei Jahre und drei Monate Haft - aber erstmal geht´s in Therapie

Bad Wildungen/Fritzlar - Einen 29-jährigen Wildunger, der seine Drogensucht mit Diebstählen und Einbrüchen finanzierte, verurteilte das Schöffengericht Fritzlar zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

Die gute Nachricht für den Angeklagten: Das Gericht ist einverstanden mit Zurückstellung der Haftstrafe im Hinblick auf eine bereits genehmigte Entzugstherapie. „Er will etwas gegen die Wurzel allen Übels tun“, stellte Richterin Corinna Eichler fest. Falls er die Therapie in einer klinischen Einrichtung im Schwalm-Eder-Kreis mit Erfolg abschließt, besteht die Möglichkeit, ihm die dann noch verbleibende Reststrafzeit ganz oder teilweise zu erlassen. Allerdings waren mehrere Therapien in der Vergangenheit ohne dauerhaft positive Wirkung geblieben. Der gebürtige Pole kam 1992 nach Deutschland und brachte seitdem wenig auf die Reihe. Im Alter von elf Jahren begann er mit dem Konsum von Haschisch. Zuletzt in Bad Wildungen war es eine brisante Mixtur: Heroin, Kokain, ferner reichlich Akohol und Tabletten. Beachtlich sein Vorstrafenregister mit bisher 13 Eintragungen, zumeist Diebstähle, ab und zu eine Körperverletzung oder unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln.Zwischen Oktober 2012 und Februar 2013 erreichte der junge Mann einen Tiefpunkt. Die aktuelle „Wildunger Liste“ strafbarer Aktionen umfasst 13 Diebstähle und Einbrüche. Herausragend sein „Besuch“ im Berufsförderungswerk in der Langemarckstraße, wo er Laptops und EDV-Zubehör im Gesamtwert von rund 10 000 Euro mitgehen ließ. In der Wildunger Musikschule in der Poststraße dagegen eher geringe Beute, ein elektronisches Klanginstrument und ein Rucksack im Wert von 450 Euro. Seine Diebstähle waren in der Regel ein schneller Griff in die Außenständer von Textilgeschäften (Altstadt, Brunnenallee). Die meisten Straftaten gab er ohne Umschweife zu, an vier konnte er sich nicht mehr erinnern. Insbesondere zweimal Textilraub bei C&A bestritt er vehement. Diese Erinnerungslücken waren der Richterin zu groß, deshalb kam es zu drei Verhandlungstagen und Vorladung etlicher Zeugen. Sein Jackenklau bei C&A war nicht unbeobachtet geblieben, damit war diese Unklarheit beseitigt. „Er war nicht mehr Herr seiner Sinne“, diesen Eindruck hatte ein Augenzeuge. „Ziemlich neben der Kappe gewesen“, so fasste die Staatsanwältin die Auftritte des 29-Jährigen bei seinen Missetaten zusammen. Einmal kam es zu einer Verfolgungsjagd in der Altstadt. Die forsche Regionalleiterin einer Textilkette, die sich per Zufall gerade in der Wildunger Filiale aufhielt, registrierte das Geschehen vor der Tür und lief dem Dieb, der wieder mal einige Jacken „abgeräumt“ hatte, hinterher, holte ihn in einer kleinen Fachwerkgasse fast ein. Letztendlich gelang dem Langfinger die Flucht. Immerhin bekam die resolute Geschäftsfrau von 13 gestohlenen Jacken neun zurück.Sowohl Staatsanwältin wie auch Richterin attestierten dem „Junkie“, der seit einigen Monaten in Untersuchungshaft sitzt, wegen seiner Drogensucht verminderte Schuldfähigkeit. Der Pflichtverteidiger brachte die Hoffnung zum Ausdruck, sein Mandant werde „nunmehr aus dem Teufelskreis rauskommen“. Bis zum Antritt der Therapie bleibt der Wildunger in Haft. (jm)

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