DAK und Barmer geben Niederlassungen auf · AOK erhält den Standort in der Laustraße

Zwei Kassen verlassen Bad Wildungen

Die DAK hat sich bereits aus der Brunnenstraße 53 und damit aus Bad Wildungen verabschiedet. Die Barmer schließt sich diesem Schritt zum 29. November an. Fotos: Schuldt

Bad Wildungen - Wenn es um die Präsenz von überörtlichen Behörden und öffentlichen Einrichtungen geht, zieht Bad Wildungen regelmäßig die A-Karte. Justiz, Arbeitsamt, Schulamt, Lehrerfortbildung... alles weg, meist Richtung Fritzlar. In diese Liste reihen sich nun die Krankenkassen DAK und Barmer ein.

Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse hat ihren Standort in der Brunnenstraße 53 bereits verlassen. Die Barmer schließt ihre Niederlassung in der Wackerbarth-Passage zum 29. November. Die einzig positive Nachricht in beiden Fällen:

Kein Jobverlust

Die Beschäftigten verlieren nicht ihre Jobs, sondern kommen in verbleibenden Servicezentren zum Einsatz. Wildunger und Edertaler Versicherte der zwei Kassen müssen sich künftig nach Fritzlar wenden, wo die Filialen erhalten bleiben.

Claus Übel von der DAK Hessen begründet die Entscheidung mit zu geringer Kundennachfrage im Wildunger Servicezentrum: „Zwei Mitarbeitern standen vielleicht noch zwei bis drei Kunden täglich gegenüber.“

Nur noch zwei bis drei Kunden am Tag

Das Verhalten der Versicherten habe sich geändert, „ein ganz normaler Prozess.“ Die meisten DAK-Kunden klärten anstehende Fragen telefonisch, per Mail oder im Internet-Chat: „Der persönliche Besuch ist in den Hintergrund getreten. Und wir sind ja nicht aus der Welt.“ Außerdem biete die DAK für weniger mobile Kunden Hausbesuche an.

Im Raum Bad Wildungen/Edertal zählt die DAK rund 3000 Versicherte. Neben Fritzlar bleiben in der Region um die Kurstadt die Standorte Korbach, Frankenberg, Schwalmstadt und Melsungen bestehen. Die Niederlassung in Fritzlar werde deutlich stärker angenommen als die in Bad Wildungen und sei deshalb gesichert, fügt Übel noch hinzu.

Vier Schließungen in Nordhessen

Im Grundsatz ähnlich, aber mit einem etwas anderen Akzent, argumentiert die Barmer GEK in Person von Regionalgeschäftsführer Michael-Arne Schüssl (Kassel): „Wir möchten unsere Servicezeiten etwas erweitern, aber weil wir zugleich die Verwaltungskosten seriös und vernünftig gestalten wollen, müssen wir die Zahl der Servicezentren verringern.“ Schüssl spricht in der Summe von einem „Überangebot an Barmer-Servicezentren in Nordhessen“. Auch bei der Barmer stehen Berater weniger mobilen Versicherten für Hausbesuche zur Verfügung.

Der Umstrukturierung fällt nicht allein der Standort Bad Wildungen zum Opfer. Geschlossen wurden und werden auch Bad Arolsen, Vellmar und Hessisch-Lichtenau.

8000 Versicherte in und um Bad Wildungen betroffen

Elf Niederlassungen verbleiben. Von Fritzlar aus kümmert sich die Wildunger Filialleiterin weiterhin um die Kundschaft in der Badestadt. 5000 Wildunger sind bei der Barmer krankenversichert. Zusammen mit den Kunden der DAK sind also 8000 Menschen von den Schließungen betroffen.

Nicht umzustellen brauchen sich die rund 15 000 Versicherten der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Bad Wildungen. Sie behält mit ihrem Servicezentrum den Sitz in der Kurstadt, bestätigte die AOK-Hessen gestern auf WLZ-FZ-Nachfrage.

Hintergrund

Stiftung Warentest unterhält für alle Interessierten einen „Produktfinder“ Krankenkassen und registriert darin unter anderem monatlich die Zahl der Geschäftsstellen. Seit 2010 ist sie über alle Kassen hinweg bundesweit um mehr als 450 und damit rund 10 Prozent gesunken, sagt Ulrike Steckkönig von Warentest. Die Ersatzkassen wie DAK und Barmer bilden keine Ausnahme. Die sechs Kassen dieser Gruppe reduzierten um 250 von ursprünglich mehr als 2000 Filialen. Ein großer Teil des Rückgangs entfällt zudem auf die Fusionen bei den Betriebskrankenkassen. Ein aktueller Wert für Hessen: Hier verringerte die DAK zwischen Januar und Oktober 2013 die Zahl der Filialen von 84 auf 62, die Barmer von 81 auf 76. Einzig die Innungskassen setzen bundesweit auf deutlich niedrigerem Niveau einen Gegentrend und stockten leicht auf. Sie betreiben nun in Deutschland etwas mehr als 500 Filialen.(su)

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