Diemelseer Gemeindevertreter verweigern mehr Geld:

502. Kram-und Viehmarkt in Adorf findet im Juli nicht statt

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„Miss Diemelsee“ gekürt: Die Tierschau auf dem Dansenberg war stets ein Publikumsmagnet des Adorfer Viehmarkts. In diesem Jahr gibt es keinen – stirbt das Traditionsfest?

Diemelsee-Adorf. Traditionell Ende Juli findet der „Diemelseer Kram- und Viehmarkt in Adorf“ statt – diesmal aber nicht: „Für dieses Jahr wird er ausgesetzt“, sagte Bürgermeister Volker Becker am Freitag bei der Sitzung der Gemeindevertreter.

So schlug möglicherweise das „Totenglöckchen“ für das Volksfest. Die Krise bahnte sich an, im Haushalt für dieses Jahr hatte das Parlament nur 2000 Euro bereitgestellt. Nach einer Besprechung mit dem Gemeindevorstand und dem Adorfer Ortsbeirat im März wollten zwar alle vier Fraktionen die Fördergelder am Freitag auf 17 000 Euro aufzustocken. Doch bei der Sitzung ihres Haupt- und Finanzsausschusses am Dienstag entschieden sie wieder um – am Freitag nahen sie den Punkt deshalb einstimmig und ohne Aussprache von der Tagesordnung. 

„Bis August ist es nicht mehr weit hin“, sagte Becker. „Wir müssen ein Konzept haben, und wir haben die Zeit nicht, um es umzusetzen.“ 

Ortsvorsteher Becker verärgert

Der Adorfer Ortsvorsteher Bernd Becker verfolgte die Absetzung verärgert. „Wenigstens ein Fest sollte sich die Gemeinde für ihre Bürger im zentral gelegenen Ort leisten,“ findet er. Nur: „Was sollen wir tun ohne den finanziellen Rückhalt? Es ist traurig für die Adorfer und die Diemelseer.“ 

Der Bürgermeister habe mehr ehrenamtliches Engagement gefordert. Der Ortsbeirat sei dazu bereit gewesen, betonte Becker – allerdings seien vier seiner Mitglieder selbstständig. Dennoch habe er sich viel Arbeit gemacht: „Wir waren auf einem guten Wege.“ 

Die Organisatoren hätten Gespräche mit Direktvermarktern, Gewerbetreibenden und Schaustellern geführt, erste Zusagen seien schon da. „Auch mit Sponsoren waren wir im Gespräch – und dann heißt es April, April!“ Die Briefe mit Absagen „soll bitte schön die Gemeinde losschicken“. 

„Ohne Geld kann man nicht anfangen zu planen“, sagte Becker. Allein der Festzug koste 8000 bis 10 0000 Euro. Im Wettstreit um die besten Motive sei gerade die Dorfjugend der Ortsteile aktiv geworden, insofern sei es Jugendarbeit. „Die Qualität war gut, auch wenn Zuschauer fehlten.“

 Ein weiterer Kostenfaktor sei die Tierschau. Der Katalog müsse fachlich korrekt in der Verwaltung zusammengestellt werden – und da seien mit der bisherigen Marktmeisterin Maike Breuker und mit Günter Siebert zwei erfahrene Leute weg. Der Bürgermeister sei all die Monate nicht in der Lage gewesen, dem Ortsbeirat einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung zu benennen. 

„Das ist eine traurige Geschichte“, kommentierte er. Und dann werde im Parlament nicht mal darüber diskutiert. „So kann man mit Ehrenamtlichen nicht umspringen“, schimpft Becker. „Das ist für mich keine Demokratie. Ich bin nicht bereit, die Bälle flach zu halten und alles unter den Teppich zu kehren.“ Keiner der Kommunalpolitiker wollte den Schwarzen Peter haben – der Ortsbeirat lasse sich ihn aber auch nicht zuschieben. 

Festzug in Heringhausen?

Wie geht es weiter ohne den Viehmarkt? Bernd Becker will versuchen, den Festzug ins Heringhäuser Urlauberfestival im Juli einzugliedern. Und die Tierschau? Becker schätzt, dass die in Adorf stets stark vertretenen Rinderzüchter zum Arolser Viehmarkt eine Woche später wechseln. Offen bleibe, ob sie 2019 nach Adorf zurückkehren würden

Sterben lassen will Bürgermeister Becker den Traditionsmarkt aber nicht, der WLZ versicherte er am Freitag: „Unser Ziel ist, für nächstes Jahr einen anderen Weg zu finden.“

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