Repowering-Projekt „am Weißenborn“ - Fünf Altanlagen abgebaut

Abo-Wind errichtet zwei moderne Windräder bei Adorf

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Beim Aufbau des Windrades: Ein Schwerlastkran hebt eine Metalröhre auf die Spitze des Turmes.

Diemelsee-Adorf - Zwei neue Windräder  einer Leistung von jeweils  3,3 Megawatt hat die Wiesbadener Firma Abo-Wind  auf der Hochfläche zwischen Adorf und Vasbeck errichtet, dafür wurden fünf alte, kleinere abgebaut. Ein Besuch auf der Baustelle.

Ein mächtiger Kran hebt das runde Metallsegment über die Turmspitze und lässt es langsam hinunter. Der Wind bläst, aber nicht zu stark. Die paar Regentropfen stören nicht. Projektleiter Bruno Lopes von der Wiesbadener Firma Abo-Wind schaut zufrieden: Der Bau des neuen Windrades auf der Hochfläche „am Weißenborn“ kommt voran – ob Zeitplan oder Kostenrahmen: „Es läuft wie dargestellt.“ 

Alte Räder abgebaut

Seit dem Frühjahr betreibt Abo-Wind wie berichtet mit Zustimmung der Diemelseer Gemeindevertreter ein „Repowering“: Nach Vorarbeiten ab dem Februar wurden im Sommer fünf alte kleinere Windräder abgebaut, um Platz zu schaffen für zwei neue mit einer Höhe von 200 Metern. 

Abo-Wind ist Projektentwickler und der Bauherr der beiden Windräder – die Firma hat sie wie berichtet im August an die Gesellschaft „Energieallianz Bayern“ mit Sitz in Hallbergmoos verkauft, einem Zusammenschluss von 37 meist kommunalen Versorgungsunternehmen aus Bayern. 

Den eigentlichen Aufbau übernimmt der Rostocker Windrad-Hersteller Nordex, er beauftragte die Kranfirma sowie Firmen für den Transport der Turmsegmente, des Maschinenhauses, der Nabe und der drei Rotoren.

30 bis 60 Tage Aufbauarbeit

Das erste Windrad wird vorige Woche aufgebaut, das zweite am Dienstag und Mittwoch. 20 bis 30 Fachleute arbeiten auf der Baustelle, die aus Sicherheitsgründen in einem Abstand von rund 200 Metern abgesperrt ist.

 Der Bau eines neuen Windrades nehme acht bis neun Monate in Anspruch, der eigentliche Turmbau in der Regel 30 bis 60 Tage, erklärt Lopes. „Das Wetter spielt eine große Rolle.“ Bei Bau des Fundaments könne zu viel Regen zu Verzögerungen führen, beim Aufbau des Windrades dürfe der Wind nicht zu stark sein – gefährlich sind Böen. 

Fundament gelegt

Den Tiefbau und die Verlegung der Kabel übernehmen lokale Firmen. Die Twister Firma Marpe baut das Fundament mit einem Durchmesser von 21,5 Metern, einer Grundfläche von 363 Quadratmetern und einer Tiefe von etwa drei Metern. Insgesamt 611 Kubikmeter Beton und 72 Tonnen Stahl sollen für Stabilität sorgen. 

Auf diesen Grund wird ein 80 Meter hoher Turm aus Halbschalbetonteilen gesetzt, die mechanisch miteinander verbunden werden. Um die Statik zu verbessern, werden im Inneren 20 Seile verspannt. Auf diesen Block setzt ein Schwerkran am Dienstag Vormittag zwei knapp 52 Meter hohe Metallröhren – wegen der Bauteile aus Beton und Metall sprechen Fachleute von einem Hybridturm. 

Maschinenhaus und Rotoren

Bereit für den Einbau: Die empfindlichen Rotoren sind mit Spezialtransportern nach Adorf gebracht worden.

So ist die Nabenhöhe von 134 Metern erreicht. Gegen Mittag hebt der Kran das 125 Tonnen schwere Maschinenhaus mit eingebautem Generator auf den Turm. Dann folgt der „Triebstrang“, der Generator und Rotornabe verbindet. 

In einem dritten Schritt werden die Nabe und die drei Rotoren angebracht – jedes Blatt wiegt knapp 15 Tonnen, das gesamte Bauteil kommt auf fast 86 Tonnen. Ein gewaltiges Gewicht thront so auf dem schmalen Turm: „210 Tonnen schweben da oben“, sagt Lopes.

 Für jedes Segment rechnen die Fachleute mit zwei Stunden Bauzeit. Besonders heikel ist der letzte Schritt: „Die Rotoren sind empfindlich“, erklärt Lopes. Da sei es wichtig, auf den Wind zu achten und eventuell abzubrechen: „Der Kranfahrer hat die letzte Entscheidung.“ 

Am Mittwoch Nachmittag ist der Aufbau geschafft. Doch die Arbeiten gehen weiter: Der Innenausbau steht noch an, Techniker prüfen die Geräte und testen das neue Rad, dann wird der erste Strom produziert. 

Ab Ende des Monats Regelbetrieb

Bis Ende des Monats sollen beide Windräder im Regelbetrieb Strom ins Netz des Versorgers Energie Waldeck-Frankenberg einspeisen. 

Abo-Wind rechnet damit, dass die beiden neuen Räder pro Jahr rund 17,5 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. Diese Menge reiche, um den Bedarf von etwa 10 000 Privatleuten zu decken.

Alte Räder werden möglichst recycelt

 „Von den alten Anlagen ist nichts mehr da“, berichtet Bruno Lopes. Marpe habe die Fundamente restlos aus dem Boden geholt – das Material geht zerkleinert in den Straßenbau. Die Metallmasten werden komplett recyclet, die Maschinenhäuser ausgeschlachtet. Ein Windrad wurde ins Ausland verkauft. 

Ein technisches Problem sei derzeit noch das Recycling der Rotoren aus Glasfaserstoffen, erklärt Lopes. 

Den Diplom-Ingenieur fasziniert die technische Entwicklung. „Es gibt immer neue Generationen von Windrädern.“ Und er weiß, dass auch die beiden unter seiner Leitung aufgebauten Windräder eines Tages wieder aus der Landschaft verschwinden. Es sei wie bei der Ernte: „Sie bleiben nicht für immer da.“ (-sg-)

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