1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Diemelsee

Adorfer Knappen suchen weitere Mitstreiter

Erstellt:

Kommentare

Gruppenbild am alten Eingang ins Bergwerk: Werbung um neue Mitglieder: Der Adorfer Knappenverein sucht weitere Helfer und Bergwerksführer für die Grube Christiane.
Werbung um neue Mitglieder: Der Adorfer Knappenverein sucht weitere Helfer und Bergwerksführer für die Grube Christiane. Auch Frauen sind willkommen. © Karl Schilling

Der neue Vorstand des Adorfer Knappenvereins hat eine Kampagne gestartet: Er will weitere Mitglieder werben. Gesucht werden Führer fürs Besucherbergwerk Grube Christiane, Aufseher im Info-Center, Helfer und Sänger für den Knappenchor.

Diemelsee-Adorf – „Glück Auf!“ Dieser alte Bergmannsgruß ist in Adorf bis heute zu hören. Schließlich hat das Dorf eine Bergbautradition, die bis mindestens 1273 zurückreicht. Auf dieses noch immer lebendige Bewusstsein setzt der Vorstand bei seiner Mitgliederwerbung.

Geist der Kameradschaft weiter lebendig

Den Knappenverein gebe es bereits seit 1875, betont der Vizevorsitzende Martin Bick. Gegründet haben ihn die Kumpel, die im Martenberg Eisenerz abgebaut haben. Sie waren unter Tage eine verschworene Gemeinschaft, angesichts der Gefahren mussten sie sich aufeinander verlassen können. Der Geist dieser Kameradschaft und des Zusammengehörigkeitsgefühls ist bis heute im Verein lebendig.

Zum 16. April 1963 legte Mannesmann den Betrieb still, der Abbau lohnte sich nicht mehr. Der Verein blieb der Mittelpunkt der ehemaligen Bergleute, die sich teils neue Berufe suchen mussten. Auch die Arbeiter der um 1985 stillgelegten Adorfer Gipsgrube seien beigetreten, berichtet der ehemalige Bergmann Erich Bangert.

Als Bergleute in der Adorfer Grube Christiane noch Eisenerz abgebaut haben: Ein „Überkopflader“ Atlas Copco im Einsatz.  1963 legte Mannesmann das Bergwerk still.
Als Bergleute in der Adorfer Grube Christiane noch Eisenerz abgebaut haben: Ein „Überkopflader“ Atlas Copco im Einsatz. 1963 legte Mannesmann das Bergwerk still. © WLZ-Archiv

Einen neuen Impuls brachte in den 1970er Jahren die Idee, in den alten Stollen ein Besucherbergwerk einzurichten. Bürgermeister Jürgen Fischer und die Gemeinde unterstützen den Plan. 1983 begannen die Arbeiten, 1986 wurden die Stollen für Besucher geöffnet. Die Betreuung und die Führungen übernahmen die Ehrenamtlichen des Knappenvereins – sie kannten die Grube als Bergleute.

Erbe des Bergbaus für die Nachwelt erhalten

Der Verein erhielt einen neuen Zweck: „Unsere Aufgabe ist bis heute, das Erbe des Bergbaus für die Nachwelt zu erhalten“, erklärt Bick.

Aus diesem Grund sei 2002 auch der Knappenchor gegründet worden: Er wolle das Liedgut der Bergleute bewahren. Die Initiative ergriff Gerhard Willeke, erster Chorleiter war Rudolf Engelhard, seit zwei Jahren ist Astrid Behle Dirigentin. Verein und Chor gehörten zusammen, „es gibt nur ein Wir“, beschreibt der Vizevorsitzende Fabian Fischer. Wie anerkannt die Arbeit von Verein und Chor ist, zeigte sich zuletzt voriges Jahr: Da erhielten beide gemeinsam den Kulturpreis des Kreises.

Enge Kontakte pflegen die Adorfer zu den Giershagener Knappen. Die kommen regelmäßig am 4. Dezember zur Barbarafeier nach Adorf.

Generationenwechsel vollzogen

Allmählich vollzog sich ein Generationenwechsel. Oft seien Kinder und Enkel der Bergleute dem Verein beigetreten, berichtet Hans Hiemer, aber auch andere Interessenten, die sich dem Bergbau und seiner Geschichte verbunden fühlen. „Bei uns sind alle Generationen miteinander verbunden“, erklärt Fischer. „Jung und alt kommen prima klar, die Kameradschaft wird groß gehalten.“

Im Februar vollzog sich der Generationenwechsel auch im Vorstand: Der langjährige Vorsitzende Erhard Rettig schied aus. Er habe sich große Verdienste erworben, heben Fabian Fischer und Hans Hiemer hervor. „Er hat sich immer ums Bergwesen bemüht“, sagt Erich Bangert.

Der für drei Jahre gewählte Vorsitzende Benno Banner musste sein Amt wieder aufgeben. Seitdem führen die beiden gleichberechtigten Stellvertreter Martin Bick und Fabian Fischer voller Elan die Geschicke des Traditionsvereins

Auch Frauen machen mit

Frauen unter Tage waren einst undenkbar. Nach dem Aberglauben der Kumpel brachten sie Unglück. Heute hat der Knappenverein einige Frauen in seinen Reihen. Sie führen auch Besuchergruppen – ohne dass es jemals ein Unglück gegeben hätte...

Aber das Team für die Führungen und die Aufsicht könnte Verstärkung gebrauchen. Auch für seine andern Arbeiten braucht der Verein tatkräftige Mitstreiter.

Besucherbergwerk in Schuss halten

104 Mitglieder gebe es derzeit, zwölf seien aktiv, berichtet Bick. Der Verein hält das Besucherbergwerk in Schuss, pflegt das Gelände und wird auch unter Tage aktiv. So müssen regelmäßig Hölzer ausgetauscht werden. Außerdem hat das Team im Winter aus einem verfüllten Stollen mit der Schubkarre 16 Tonnen Material geholt.

Die Ehrenamtlichen des Adorfer Knappenvereins kümmern sich seit 1986 um das Besucherbergwerk Grube Christiane - hier ein Arbeitseinsatz 2009.
Die Ehrenamtlichen des Adorfer Knappenvereins kümmern sich seit 1986 um das Besucherbergwerk Grube Christiane - hier ein Arbeitseinsatz 2009. © Natalie Rummel

Regelmäßig gebe es Arbeitseinsätze, im Jahr fielen mehr als 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit an, berichtet Brink. Vor Corona gab es rund 3500 Besucher im Jahr im Bergwerk, in diesem Jahr seien es bereits 1300 Gäste.

„Mit Herzblut dabei“

„Unsere Truppe ist motiviert, wir sind mit Herzblut dabei“, sagt Fischer. Für ihn macht gerade der direkte Bezug zu seiner Heimat den Reiz der Mitarbeit aus: In der Grube werde der historische regionale Bergbau dargestellt. Die Abbaumethoden am Martenberg seien völlig anders gewesen als etwa bei der Steinkohle im Ruhrgebiet.

Der Knappenverein will auch über soziale Netzwerke neue Mitglieder suchen: Leute für Führungen und die Aufsicht, Helfer. Auch der Chor mit seinen derzeit 14 Aktiven sucht weitere Sänger. „Der Verein steht allen offen“, betont Fischer, ob Männer oder Frauen. Ein Mindestalter gebe es nicht – allerdings müssen die Führer aus Sicherheitsgründen mindestens 18 sein.

Sommerfest am Sonntag, 28. August

Interessenten können einfach beim Sommerfest am Sonntag, 28. August, vorbeischauen - Beginn ist um 10 Uhr am Besucherbergwerk Grube Christiane. Der Knappenchor singt, der „Überkopflader“ Atlas Copco des Knappenvereins wird vorgeführt, es gibt kühle Getränke und Gegrilltes. Für die Kaffeetafel am Nachmittag steuern traditionell die Frauen der Bergleute den selbstgebackenen Kuchen bei,

Interessenten können sich auch direkt beim Vorstand melden.

Kontakt: Martin Bick, Telefon 0151/18161801, Fabian Fischer, Telefon 0160/5636349, E-Mail: info@knappenverein-adorf.de

Auch interessant

Kommentare