„Starke und gesunde Kinder“ heranziehen

Adorfer Mittelpunktschule erhält Zertifikat des Programms „Klasse 2000“

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Die Adorfer Mittelpunktschule hat gestern das Zertifikat des bundesweit laufenden Programms „Klasse 2000“ erhalten. Im Bild: Die Grundschüler der 1a mit Gesundheitsfördererin Melanie Huxoll und der Sachunterrichtslehrerin Rebekka Lohwasser.

Diemelsee-Adorf. Die Adorfer Mittelpunktschule hat am Donnerstag das Zertifikat des Programms „Klasse 2000“ erhalten, Ziel ist es, „starke und gesunde Kinder“ heranzuziehen.

Was passiert in der Lunge? Das bespricht Melanie Huxoll mit den Kindern der Klasse 1a der Adorfer Mittelpunktschule. Dann verteilt sie mit Sachunterrichtslehrerin Rebekka Lohwasser gelbe Pfeifen, auf deren Kopf ein kleiner weißer Ball sitzt. Den können die Grundschüler in der Luft „tanzen“ lassen, wenn sie sacht in die Pfeife blasen. 

Das Atmen steht für die Erstklässler am Beginn ihrer Unterrichtseinheit. Spielerisch führt die Gesundheitsfördererin Huxoll die Jungen und Mädchen ins Thema ein. Sie ist Mitarbeiterin des Programms „Klasse 2000“, das Grundschülern ein Bewusstsein für ihre Gesundheit vermitteln und sie in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung stärken will. 

Die Adorfer Mittelpunktschule hat das Zertifikat des Programms „Klasse 2000“: Am Schild stehen von links Michael Höfer, die Gesundheitsfördererin Melanie Huxoll, Konrektorin Kathrin Hollstein-Hamel und Schulleiterin Eva Trilling.

„Starke und gesunde Kinder“ heranzuziehen, sei das Ziel des Programms, sagt Konrektorin Kathrin Hollstein-Hamel, die auch Klassenlehrerin der 1a ist. Am Donnerstag bekam die Mittelpunktschule vom Trägerverein „Klasse 2000“ offiziell das Zertifikat überreicht, das ihr ein besonderes Engagement bescheinigt. Ein Schild kündet davon. 

„Wir sind stolz auf die Auszeichnung“, sagt Schulleiterin Eva Trilling, „die Gesundheitsförderung ist uns wichtig.“ Seit sechs Jahren arbeitet die Schule mit dem Programm und hat alle Voraussetzungen fürs Zertifikat erfüllt.

 Bundesweites Gesundheitsprogramm

„Klasse 2000“ ist ein bundesweit laufendes Programm, das Kinder im Grundschulalter dabei unterstützen will, „gesund, stark und selbstbewusst“ aufzuwachsen. Dazu bietet es verschiedene Materialien zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung an. Auf allen taucht das Maskottchen „Klaro“ auf. 

Das Konzept hat der Universitäts-Dozent und Arzt Dr. Pál Bölcskei 1991 mit weiteren Fachleuten am Institut für Präventive Pneumologie des Nürnberger Klinikums entwickelt. 2003 wurde der gemeinnützige Trägerverein „Klasse 2000“ gegründet, um das Programm weiterzuentwickeln und zu verbreiten. 

Gesundheitsförderer kommen in die Klassen

Geschulte Gesundheitsförderer besuchen regelmäßig die Klassen und führen Themen ein, die Lehrer im Unterricht danach nachhaltig vertiefen. In jeder Jahrgangsstufe gibt es Schwerpunkte.

  • So beschäftigen sich Erstklässler mit der Atmung, der Bedeutung von gesundem Essen und der Bewegung, 
  • Zweitklässler wenden sich der richtigen Ernährung und ihren Gefühlen zu, 
  • Drittklässler lernen Sozialkompetenz wie Teamfähigkeit und Zusammenarbeit, 
  • Viertklässler setzen sich mit den Gefahren von Drogen wie Zigaretten und Alkohol auseinander. 

Die Adorfer Mittelpunktschule beteiligt sich seit rund sechs Jahren am Programm. Damals war der Lions-Club Korbach/Waldecker Land an Konrektorin Kathrin Hollstein-Hamel herangetreten, die eine erste Klasse unterrichtete – die Lions sind Partner des Vereins, Schrimherrin ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Die Krankenkassen AOK und Pronova BKK finanzieren das Programm in Adorf als Paten. 

Voraussetzungen für das Zertifikat „Klasse 2000“: 

Um das Zertifikat „Klasse 2000“ zu erhalten, müssen Schulen Voraussetzungen  erfüllen:

  • mindestens 75 Prozent der Grundschulklassen müssen sich beteiligen,
  •  „Klasse 2000“ muss im Schulprofil verankert sein, 
  • die Lehrer dokumentieren ihre Arbeit mit dem Programm, 
  • die Gesundheitsförderung muss im gesamten Schulleben auch in der Praxis eine Rolle spielen.

Melanie Huxoll kommt dreimal im Schuljahr in jede Grundschulklasse in Adorf und stößt Gesundheitsthemen von der Ernährung bis zur Bedeutung von Bewegung an, die Lehrerinnen vertiefen die Inhalte im Unterricht. So sollten Schüler ihren Körper kennenlernen und erfahren, warum gesunde Ernährung wichtig sei, erklärt Huxoll. 

Gute Kombination

Es sei immer eine Herausforderung, neue Inhalte in den Sachunterricht einzubauen, sagt die Konrektorin. Schließlich müssten die Lehrpläne eingehalten und Interessen der Kinder berücksichtigt werden. Aber zum Teil lasse sich das Programm gut kombinieren mit den Vorgaben und mit Initiativen der Schule wie dem „gesunden Frühstück“ oder der Konfliktlösung. Die Inhalte von „Klasse 2000“ würden im Schulalltag konsequent umgesetzt, betont Hollstein-Hamel.

 Erfolge sind sichtbar

In den sechs Jahren habe sich auf vielen Ebenen schon einiges geändert. So sehe sie in den Brotdosen der Schüler konstant „gesunde Sachen – die zeigen die Kinder auch stolz“. Das belege, dass mittlerweile nicht nur die Kinder für Ernährungsfragen sensibilisert seien, sondern auch ihre Eltern. 

Und gerade erst hat die Schule in der Caféteria einen Wasserspender aufgestellt – Kinder müssen nicht mehr süße Softdrinks mit in die Schule nehmen. 

Für die AOK sei die Vorbeugung von Krankheiten sehr wichtig, ob am Arbeitsplatz oder schon bei Kindern, sagt Berater Michael Höfer. „Man kann nicht früh genug anfangen.“ Die Kasse unterstütze das Programm in Adorf von Anfang an.

Drei Schulen im Kreis zertifiziert

Nach Angaben des Vereins hat das Programm bereits mehr als eine Millionen Schüler erreicht. Bundesweit beteiligen sich derzeit mehr als 3700 Schulen. 950 haben bislang das Zertifikat erhalten, darunter 52 in Hessen. Im Kreis sind es neben den Adorfern die Wigand-Gerstenberg-Schule in Frankenberg und die Grundschule Helenental in Bad Wildungen.(-sg-)

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