Vorfall im Sommer 1945

Archäologen suchen Leichen: Getötete Zwangsarbeiter im Wald bei Rhenegge vermutet

Suchen im Wald bei Rhenegge nach zwei getöteten sowjetischen Zwangsarbeitern: (von links) Dr. Henning Borggräfe, Wolfgang Poguntke und Dr. Marcus Weidner.
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Suchen im Wald bei Rhenegge nach zwei getöteten sowjetischen Zwangsarbeitern: (von links) Dr. Henning Borggräfe, Wolfgang Poguntke und Dr. Marcus Weidner.

Auf den Spuren einer fast 80 Jahre zurückliegenden Tat: Kriminalpolizei, Archäologen und Vertreter der Arolsen Archives haben am Donnerstag und Freitag im Wald bei Rhenegge nach den sterblichen Überresten zweier sowjetischer Zwangsarbeiter gesucht, die dort kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges getötet worden sein sollen.

Diemelsee-Rhenegge – Mittels Metalldetektor und archäologischer Grabungen suchten ein zertifizierter Sondengänger und Mitarbeiter von Hessenarchäologie am Landesamt für Denkmalpflege in Marburg an beiden Tagen eine etwa 50 mal 100 Meter große Fläche im Wald an der Grenze zwischen Padberg (Hochsauerlandkreis) und dem Diemelseer Ortsteil Rhenegge ab.

Beamte der Kriminalpolizei in Korbach hätten die Suche am Donnerstag unterstützt, so Dr. Marcus Weidner vom Institut für westfälische Regionalgeschichte. Die Archäologen legten dabei einige Fundstücke frei, die Hinweise auf die mögliche Tat geben könnten, darunter Projektile und Hülsen, die Teile von Pistolenmunition waren sowie eine Schnalle. Die beiden Toten selbst wurden nicht gefunden.

Anlass für die Suche gab ein im vergangenen Jahr veröffentlichter Bericht unserer Zeitung über einen Vorfall, der sich im Sommer 1945 zugetragen haben soll: So soll der Müller aus der Padberger Obermühle und ein Begleiter mit einem Eselskarren Richtung Rhenegge unterwegs gewesen sein, vermutlich um Getreide über die Grenze zwischen britischer und amerikanischer Besatzungszone zu schmuggeln.

Dabei sollen sie laut mündlich überlieferter Erzählung im Wald auf zwei ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter getroffen seien. Der Müller tötete demnach beide mit einer alten Armeepistole, anschließend sollen er und sein Begleiter die Leichen im Wald begraben haben.

Weil es sich um ein Tötungsdelikt handeln könnte, ist die Staatsanwaltschaft Kassel in die aktuell laufenden Nachforschungen involviert. Strafrechtliche Folgen werden die Ermittlungen aber nicht haben: Die beiden mutmaßlichen Täter sind bereits seit mehreren Jahrzehnten verstorben. Im Vordergrund der Suche steht die Hoffnung, die beiden Getöteten zu finden und ihre Identität zu ermitteln.

„Den beiden Opfern steht eine Bestattung nach dem Kriegsgräberrecht zu“, erklärt Dr. Henning Borggräfe von den Arolsen Archives. Auch für mögliche Angehörige sei es wichtig, zu erfahren, was passiert sei.

Archäologen suchen bei Rhenegge nach Leichen

Archäologen suchen im Wald bei Rhenegge nach den sterblichen Überresten von zwei sowjetischen Zwangsarbeitern, die dort im Sommer 1945 erschossen worden sein sollen.
Archäologen suchen im Wald bei Rhenegge nach den sterblichen Überresten von zwei sowjetischen Zwangsarbeitern, die dort im Sommer 1945 erschossen worden sein sollen.
Archäologen suchen im Wald bei Rhenegge nach den sterblichen Überresten von zwei sowjetischen Zwangsarbeitern, die dort im Sommer 1945 erschossen worden sein sollen.
Archäologen suchen im Wald bei Rhenegge nach den sterblichen Überresten von zwei sowjetischen Zwangsarbeitern, die dort im Sommer 1945 erschossen worden sein sollen.
Archäologen suchen bei Rhenegge nach Leichen

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