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Schulbusverkehr: Neuer NVV-Fahrplan ärgert Familie aus Flechtdorf

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Von: Philipp Daum

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Haltstelle an der MPS in Adorf: Um nach Bad Arolsen zum Schulzentrum zu kommen, kann von hier aus der Bus 569 genommen werden. Ein Familienvater aus Flechtdorf bringt seine elfjährige Tochter morgens immer zur Haltestelle. Er sagt: „Seit der Fahrplanumstellung hat sich die Verbindung zum Arolser Gymnasium verschlechtert.“
Haltstelle an der MPS in Adorf: Um nach Bad Arolsen zum Schulzentrum zu kommen, kann von hier aus der Bus 569 genommen werden. Ein Familienvater aus Flechtdorf bringt seine elfjährige Tochter morgens immer zur Haltestelle. Er sagt: „Seit der Fahrplanumstellung hat sich die Verbindung zum Arolser Gymnasium verschlechtert.“ © Lutz Benseler

Die Fahrplanumstellung des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) stößt weiter auf Kritik.

Nach unserem Bericht über längere Fahrtzeiten auf der Strecke Rhenegge-Bad Arolsen meldete sich nun eine Familie aus Flechtdorf bei unserer Zeitung. Sie sieht seit der Neugestaltung des Fahrplans ebenfalls Verschlechterungen beim Schulbusverkehr.

„Bislang gab es von Flechtdorf eine Verbindung ohne langen Aufenthalt zum Schulzentrum nach Bad Arolsen. Das ist nun leider nicht mehr der Fall“, berichtet der Vater der Familie.

Konkret bedeutet das: Die Fahrt von Flechtdorf/Mitte (Abfahrt um 7.03 Uhr) zur Mittelpunktschule (MPS) nach Adorf mit dem Bus 508 und die unmittelbare Weiterfahrt nach Bad Arolsen zum dortigen Schulzentrum mit dem Bus 506 ist nicht mehr möglich. Stattdessen geht es nun mit dem Bus 566 um 7.14 Uhr in Flechtdorf/Mitte los – Ankunft an der MPS Adorf ist aber erst um 7.26 Uhr, folglich kann der Bus 569 nach Bad Arolsen um 7.12 Uhr nicht mehr erreicht werden.

„Wir fahren unsere elfjährige Tochter nun immer mit dem Auto zur Haltestelle der MPS Adorf. Dort steigt sie in den Bus, der sie um 7.12 Uhr nach Bad Arolsen zum Gymnasium bringt. Das widerspricht aber doch dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu verringern und stattdessen den ÖPNV zu nutzen“, sagt der Vater.

Die WLZ besprach mit der Flechtdorfer Familie daraufhin zwei Alternativen, die auch ohne eine Autofahrt möglich wären:

.  Variante 1: Mit dem Anrufsammeltaxi (AST) geht es von Flechtdorf aus um 6.24 Uhr zur Haltestelle Adorf/Mühlentor. Auf den Bus 569, der pünktlich zu Schulbeginn in Bad Arolsen ist, müsste man dort eine halbe Stunde lang warten.

.  Variante 2: Mit dem Bus 566 geht es um 6.32 Uhr ab Flechtdorf nach Korbach-Hauptbahnhof – Ankunft ist dort um 6.51 Uhr. Die Weiterfahrt mit der Regionalbahn zum Bahnhof in Bad Arolsen ist um 6.57 Uhr, also ohne einen längeren Aufenthalt. Am Arolser Bahnhof kommt der Zug um 7.15 Uhr an – dann können die Schülerinnen und Schüler zu Fuß zum 800 Meter entfernten Schulzentrum gehen. Alternativ kann um 7.23 Uhr der Bus 563 bestiegen werden, der zum Schulzentrum fährt – diese Verbindung ist also mit einem zweimaligen Umstieg verbunden.

„Für uns sind das alles keine Optionen, da unsere Tochter erst elf Jahre alt ist. Wir wollen sie nicht frühmorgens längere Zeit an der Haltestelle warten lassen. Schon gar nicht, wenn es morgens noch dunkel ist“, sagt der Vater. Für ihn sei ein Fußweg vom Arolser Bahnhof zur Schule zwar in Ordnung – allerdings erst, wenn seine Tochter älter sei. „Ein zweifacher Umstieg ist im Vergleich zur vorherigen Verbindung leider eine spürbare Verschlechterung.“

Der AST-Verkehr ist aus Sicht der Familie nicht zuverlässig. „Wir würden ja darauf zurückgreifen, wenn dieser verlässlich käme. Eine halbe Stunde früher los, ist zwar sportlich, aber hinnehmbar. Manchmal kommt das bestellte AST aber nicht zur angegebenen Fahrplanzeit.“

Kritik übt die Familie aus Flechtdorf auch an zu vollen Schulbussen. „Anfangs haben wir unsere Tochter zur Haltestelle Adorf/Mühlentor gebracht, weil diese für uns besser zu erreichen ist. Der Bus war dort aber noch so voll mit Schülerinnen und Schülern, dass unsere Tochter manchmal gar nicht mehr einsteigen durfte“, berichtet der Vater. Der Busfahrer habe sie und andere Kinder abgewiesen. „Deshalb bringe ich unsere Tochter nun direkt mit Auto zur Haltestelle der MPS Adorf. Dort ist der Bus leerer und die Weiterfahrt nach Bad Arolsen definitiv gewährleistet.“

„Fußweg vom Bahnhof zur Schule ist zumutbar“

Bei der Neugestaltung der Fahrpläne im Nordkreis wurde nach Auskunft von NVV-Sprecherin Judith Féaux de Lacroix Wert darauf gelegt, viele Umstiegsmöglichkeiten in den Mittelzentren zu bieten. „So auch in diesem Fall. Von Flechtdorf aus kann man durch Umstieg in Korbach sowohl Bad Arolsen, Frankenberg und Bad Wildungen erreichen. Auch Willingen sowie die Oberzentren Kassel und Marburg sind so erreichbar“, betont sie.

Konkret bedeute dies – wie von der WLZ als Alternative genannt – dass der Bus 566 um 6.32 Uhr in Flechtdorf abfahre und den Hauptbahnhof Korbach um 6.51 Uhr erreiche. Weiter gehe es um 6.57 Uhr mit der RB 4 nach Bad Arolsen. Ankunft dort sei um 7.15 Uhr. „Der Fußweg vom Bahnhof zum Schulzentrum in Bad Arolsen ist zumutbar“, sagt Judith Féaux de Lacroix.

Der Fahrplan werde in der Regel so gestaltet, dass er für Schülerinnen und Schüler möglichst gute Verbindungen vom Wohnort zur nächstgelegenen oder dem Wohnort zugeordneten Schule biete. „Aus Flechtdorf gehen 31 Schülerinnen und Schüler zur MPS Adorf, drei Schülerinnen und Schüler fahren nach Korbach zum Gymnasium. Dabei handelt es sich um die Schülerinnen und Schüler, die nach hessischem Schulgesetz einen Anspruch auf Ausstellung eines Schülertickets haben“, sagt die NVV-Sprecherin.

Der Fahrplan der Buslinie 566 ermögliche daher passend zu den Unterrichtszeiten umsteigefreie Verbindungen zu den Schulen in Adorf und Korbach.

„Zu den schulrelevanten Zeiten fährt der Bus daher nach einem leicht geänderten Fahrplan: Fährt er normalerweise zur Minute ‘06 am Hauptbahnhof in Korbach in Richtung Diemelsee ab, ist die Abfahrt morgens auf 6.56 Uhr vorgezogen, sodass der Bus um 7.14 Uhr in Flechtdorf und um 7.27 Uhr in Adorf ist“, so Judith Féaux de Lacroix. Deutlich früher könne er nicht in Korbach abfahren, weil es nun – anders als vor dem Fahrplanwechsel – eine zusätzliche Busfahrt von Diemelsee nach Korbach gebe, die eine Ankunft dort vor 7 Uhr ermögliche, sodass sie für Berufstätige und Umsteiger auf die Bahn interessant sei. „Eine fünfminütige Pause am Hauptbahnhof ist für das Fahrpersonal erforderlich.“

Übrigens sind nach Auskunft der NVV-Sprecherin auch die Buslinien 566 und 560 in Adorf verknüpft. Mit Ausnahme der zugunsten des Schülerverkehrs geänderten Abfahrtzeiten erreiche die Buslinie 566 aus Korbach kommend Adorf/Mühlentor zur Minute ‘33. Weiterfahrt mit der Linie 560 in Richtung Bad Arolsen sei dann zur Minute ‘48, in Richtung Willingen zur Minute ‘34 möglich.

Hoher Krankenstand im ÖPNV

„Es ist verständlich, dass sich die betroffenen Eltern eine direktere Verbindung zur Schule ihrer Tochter wünschen. Es ist jedoch nicht immer möglich, bei der Fahrplangestaltung allen Bedürfnissen von Fahrgästen gleichermaßen gerecht zu werden“, sagt Judith Féaux de Lacroix. Das Gymnasium in Korbach sowie die MPS Adorf seien umsteigefrei und direkt zu erreichen. Das Erreichen der Schulen in Bad Arolsen und Willingen erfordere aus Flechtdorf kommend einen Umstieg in Korbach. „Dies ist aus unserer Sicht zumutbar“, sagt die NVV-Sprecherin.

Judith Féaux de Lacroix
Judith Féaux de Lacroix, Sprecherin beim NVV © PR

Zur Kritik am AST-Verkehr sagt Judith Féaux de Lacroix: „Das AST ist zuverlässig. Winterliche Straßenverhältnisse wirken sich natürlich aus. Auch ist im gesamten ÖPNV der Krankenstand beim Fahrpersonal seit Monaten recht hoch. Die Unternehmer versuchen diese Ausfälle zu kompensieren, indem zum Beispiel Werkstatt- und Verwaltungspersonal im Fahrdienst eingesetzt werden.“ Vereinzelt komme es dadurch zu Verspätungen oder auch Ausfällen.

In dem von der Familie angesprochenen „zu vollen“ Bus der Linie 569 sitzen nach Auskunft der NVV-Sprecherin Schülerinnen und Schüler aus den Ortsteilen von Willingen und Diemelsee. Der Bus erreicht die Haltestelle „Adorf/ Mühlentor“ und fahre weiter zur MPS Adorf. „Dort steigen fast alle Schülerinnen und Schüler aus, sodass für Zusteiger in Richtung Bad Arolsen die Haltestelle MPS Adorf geeigneter ist als Mühlentor. Alternativ kann auch der Bus 560 genutzt werden 6.49 Uhr ab Mühlentor“, sagt Judith Féaux de Lacroix.

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