Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Landeskirche übergibt in Kassel Bescheid

Vasbecker haben 46.400 Euro für die Sanierung ihrer Vogt-Orgel zur Verfügung

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Nach der Übergabe des Bewilligungsbescheids: 23 200 Euro stellt die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds für die Sanierung der Vasbecker Vogt-Orgel bereit – von links: Pfarrer Sascha Biehn-Tirre, Horst Gerhard, Gerhard Behle, die Dekanin des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, Eva Brinke-Kriebel, der Stiftungsvorsitzende Dr. Andreas Fehr, Elke Trost, Philipp Wilhelm Emde, Martin Gerhard, der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese, Jörn Grebe und Bürgermeister Volker Becker.

 23 200 Euro stellt die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck für die Generalsanierung der 1877 erbauten Vogt-Orgel in der Vasbecker Kirche bereit. Am Mittwoch bekam der Kirchenvorstand den Bescheid übergeben.

Im Juni 2019 hatte die Stiftung die Orgelsanierung als Projekt aufgenommen, für die Vasbecker begann die „heiße Phase“ des Sendensammelns: 19 000 Euro waren das Ziel, 23 200 Euro sind bis Mitte November zusammengekommen. Diese Summe wird aus dem Fonds verdoppelt. 

Der Stiftungsvorsitzende Dr. Andreas Fehr lobte bei dem zweistündigen Festakt in Kassel den „hervorragenden Einsatz“ der Gemeinde, sie habe mit besonderer Kreativität Gelder eingesammelt. Er hob die Reihe der Benefizkonzerte, das „Kirchenkino“ und die Idee der Pfeifenpatenschaften hervor. Dieser Einsatz rechtfertige die Verdopplung sämtlicher Spenden. 

Er betonte zudem, Kirchen seien ein gemeinschafts- und identitätsstiftendes Sinnbild für Heimat.

Finanzierung des Projekts völlig gesichert

Durch die großzügige Förderung kämen insgesamt 46 400 Euro zusammen, damit sei die Finanzierung des Projekts völlig gesichert, sagte Organist Martin Gerhard. Er dankte für den großen Einsatz des gesamten Dorfes und der vielen Helfer und Spender. Dass die Vasbecker beim Festakt die größte Delegation stellten, zeige, wie wichtig das Projekt für die Gemeinde sei. 

Mit Pfarrer Sascha Biehn-Tirre, Philipp Wilhelm Emde, Horst Gerhard, Jörn Grebe, Elke Trost und Martin Gerhard waren fast allen Mitglieder des Kirchenvorstandes mitgefahren, Bürgermeister Volker Becker und Gerhard Behle vom Gemeindevorstandes waren ebenso vertreten wie die Dekanin des Kirchenkreis Twiste-Eisenberg, Eva Brinke-Kriebel. 

Der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese versprach, sich für eine „Aufstockung“ des Spendenbetrages einzusetzen. "Sollte dies gelingen, stünden insgesamt 47.200 Euro zur Verfügung, was ein stolzer Betrag ist", sagte Gerhard.

Ehrung für Adam Daume

Der ehemalige Burgwalder Bürgermeister und Präses des Kirchenkreises Eder, Adam Daume, schied an dem Nachmittag als Vorstandsmitglied der Stiftung aus und wurde mit einem Präsent geehrt. Foto von links: Adam Daume, die Vorstandsmitglieder Heinrich Trier und Johannes Prinz und der Vorsitzende der Stiftung, Dr. Andreas Fehr.

Auch der „Projektpate“ Adam Daume nahm teil. Der ehemalige Burgwalder  Bürgermeister und Präses des Kirchenkreises Eder schied an dem Nachmittag als Vorstandsmitglied der Stiftung aus und wurde mit einem Präsent geehrt. Unmittelbar vor dem Festakt hatte sich der neue Stiftungsvorstand konstituiert.

 Kirche als Mittelpunkt des Lebens

Bischöfin Dr. Beate Hofmann  würdigte in ihrem Grußwort das Engagement, die Kreativität, die Energie und Tatkraft der geförderten Gemeinden für den Erhalt der Kirchen. Durch diesen Einsatz sei zu erkennen, dass den Anwesenden und vielen Spendern „ihre Kirche“ am Herzen liege. Mit Hilfe dieses Engagements könne die Kirche vor Ort als Teil eines großen landeskirchlichen, aber auch weltweiten Netzwerks erhalten bleiben.

Sie hob die Wichtigkeit von Kirchengebäuden für das Gemeindeleben und den gemeindlichen Zusammenhalt hervor, sie sollten den Menschen ein „Zentrum ihres Lebens“ sein. 

Neben ihrem Erhalt sei entscheidend, dass solche Denkmäler von den Menschen vor Ort mit Leben gefüllt würden, damit aus Denkmälern keine Museen würden. Die eigentliche Aufgabe habe daher für jede geförderte Gemeinden gerade erst begonnen und sei mit Abschluss der Bauarbeiten keineswegs beendet. 

Einladung nach Vasbeck angenommen

Zur Freude der Vasbecker nahm die Bischöfin spontan die schriftliche Einladung an, bei der Orgelweihe im Januar 2021 die Festpredigt zu halten. Sie werde sich das einrichten und komme gern nach Vasbeck, sagte sie. 

Musikalisch umrahmt wurde das Programm von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, der mit der Kantorin der Lutherischen Pfarrkirche Marburg vierhändig am Flügel spielte. Auch eine fulminante Bearbeitung der „Petersburger Schlittenfahrt" erklang.

Dr. Fehr führte kurzweilig durch das Programm und stellte die 13 mit einer Gesamtsumme von 682 600 Euro geförderten Projekte einzeln vor.

Bekannte „Vasbecker Flotte"

Dass Vasbeck in Kassel durchaus seinen Ruf hat, bewies der Vizepräsident der Landeskirche, Dr. Volker Knüppel. Beim Empfang habe sich der juristische Stellvertreter der Bischöfin im Gespräch "erstaunlich gut informiert" gezeigt über die „Vasbecker Flotte", schildern Martin Gerhard und Philipp Emde - sie geht auf eine Anekdote über einen Vasbecker Pfarrer zurück. 

Knüppel hatte zuvor erklärt, das Verdoppeln der Spendengelder sei ein wichtiges Anreizsystem für die beteiligten Gemeinden, oft gebe es einen Wettbewerb um die kreativsten Ideen zum Spendensammeln.

Große Herausforderung

Das Anfang 2017 gestartete Projekt Orgelsanierung habe die Gemeinde angesichts der hohen Kostenschätzung erst einmal vor eine große Herausforderung gestellt, sagte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Philipp Wilhelm Emde. Doch durch die hohe Spendenbereitschaft der Gemeindeglieder und das Mitwirken vieler Einzelner, Musikgruppen sowie der Vereine sei das Projekt schnell zu einem Selbstläufer und einer großen Gemeinschaftsleistung geworden. „Darauf dürfen alle Beteiligten im Rückblick stolz sein.“ 

Ein Stück Kriegsgeschichte bewältigt

Für ihn sei die detailgetreue Rückführung der Vogt-Orgel in den Erbauungszustand so besonders, weil die Gemeinde damit ein Stück Kriegsgeschichte bewältigen könne, sagte Emde. Die jüngere „Schwester“ der jetzigen Orgel war 1940 bei der Bombardierung der Vasbecker Kirche vernichtet worden, auch sie war eine Vogt-Orgel. Sie sei war zwar größer und prächtiger als das heutige Ersatzinstrument, das nach dem Krieg in Rhena ausgemustert und nach Vasbeck verkauft worden war. Nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten werde sie aber dem früheren Bauzustand zumindest ähneln und damit dem Kirchenraum ein Stück seines ursprünglichen Charakters zurückgeben. 

Nach der Orgelrenovierung werde „unser „Verkündigungsinstrument“ zudem wieder auf Kammertonlage gestimmt sein, sagte Emde. „Ich freue mich jetzt schon auf größere Musikaufführungen mit dem Posaunenchor und den Gesangverein, die bislang nicht oder nur mit großem Umstand möglich waren.“

"Kirchenverbundenheit hononiert"

Pfarrer Sascha Biehn-Tirre sieht die Förderung der Orgelsanierung als "wichtiges Zeichen, dass das Engagement und die Kirchenverbundenheit in unserer kleinen Landgemeinde gesehen und honoriert wurde". Der Stiftungsvorstand sei über die Kosten der Generalreinigung hinausgegangen, das zeige, dass die weitergehenden Wünsche der Vabecker gehört worden seien, etwa das Umstimmen der Orgel. 

Gerade die Musik verbinde in Vasbeck auf vielfältige Weise die Menschen und trage zur Gemeinschaftsförderung bei. Die Orgel erklinge nicht nur in Gottesdiensten, sie bereichere auch bei musikalischen Veranstaltungen. Er dankte den Spendern und Helfern und allen, die hinter dem Projekt stünden. 

Besonders würdigte der Pfarrer Martin Gerhard. Er sei der "Koordinator und Motor" der Sanierung und Spendenaktion gewesen.

Verbesserungen geplant

Das Ziel: So soll die Vasbecker Vogt-Orgel nach der Sanierung aussehen. Das Prospekt wird ergänzt.

Das 140 Jahre alte Instrument aus der Werkstatt des bedeutenden Korbacher Orgelbaumeisters Jacob Vogt muss saniert und gereinigt werden. Darüber hinaus würde der Organist Martin Gerhard gern einiges verbessern: 

  • Die Pfeifen werden gereinigt, das Orgelwerk wird generalüberholt. 
  • Die Elektroinstallation wird erneuert. 
  • Der historische Magazinbalg zur Luftzufuhr soll rekonstruiert und wegen der Geräusche möglichst in den Turm verlegt werden. 
  • Die Orgel ist derzeit einen Viertel Ton zu hoch gestimmt – was regelmäßig zu Problemen führt, wenn Orgel und Posaunenchor gemeinsam spielen: Chorleiter Gerhard muss alle Stücke für die Bläser umschreiben. Daher würde er die Orgel gern auf den von Vogt 1877 vorgesehenen „Originalton“ umstimmen – was auch dem Gemeindegesang zu Gute käme. Dafür muss das „Fieps-Register“ mit zwölf bis 17 Pfeifen ausgetauscht werden. 
  • Das beim Einbau 1951/52 weggelassene Vogt’sche Obergehäuse des Prospekts soll rekonstruiert werden, es soll die Pfeifen auch vor Staub schützen. Der Mühlhäuser Schreinermeister Emde hat bereits Entwürfe nach Vogts Plan vorgelegt und würde auch bauen. 

Arbeiten dauern ein halbes Jahr

Mit dem zusammengekommenen Geld können alle Pläne verwirklicht werden. Die Arbeiten übernimmt der Orgelbaumeister Peter Kozeluh aus Rotenburg an der Fulda. Sie sind mit der Denkmalpflege abgestimmt und sollen im Sommer beginnen. Für das halbe Jahr der Arbeiten erhält die Gemeinde ein Leihinstrument mit Pfeifen. 

Im Januar 2021 soll die Vogt-Orgel wieder erklingen - und hoffentlich die Bischöfin begrüßen. Das Fest wird voraussichtlich mit dem Neujahrsempfang der Gemeinde verbunden. (-sg-)

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