Nachbarstadt übernimmt Holzvermarktung und stellt Förster

Briloner Stadtforst soll den Diemelseer Gemeindewald betreuen

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Diemelsee ist waldreich – hier Hügel bei Heringhausen. Der Gemeindewald ist hingegen mit 121 Hektar eher klein. Die Holzvermarktung soll noch vor Sommer der Briloner Stadtforst übernehmen, später auch die Beförsterung.

Diemelsee – Das Holz aus dem Diemelseer Gemeindewald wird demnächst vom Briloner Stadtforst vermarktet, die Beförsterung sollen die westfälischen Nachbarn Ende 2020 übernehmen. Das habe der Gemeindevorstand entschieden, berichtet Bürgermeister Volker Becker.

Die Verträge werden derzeit vorbereitet. Der Briloner Stadtrat sprach sich am Donnerstag Abend für die Partnerschaft aus, die am Mittwoch auch der Ratsausschuss für Landwirtschaft und Forsten begrüßt hatte. Der vom Diemelstädter Forstamt aufgestellte Wirtschaftsplan für den Gemeindewald soll fortgeführt werden. 

Bislang lief der Holzverkauf über Hessen-Forst. Das ist wie berichtet aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt. Deshalb nahmen die Diemelseer Verhandlungen mit den Brilonern auf. Mit der Nachbarstadt gebe es schon seit Jahren eine gute Zusammenarbeit, betont Becker. So betreuen die Stadtwerke Wasser- und Abwassernetze in Diemelsee. Und die Stadt hat auf Diemelseer Gebiet sogar einen kleinen Waldbesitz. 

"Größter kommunaler Waldbesitzer Deutschlands“

„Der Stadtforst ist mit 7750 Hektar der größte kommunale Waldbesitzer Deutschlands“, sagt der Briloner Forstamtsleiter Dr. Gerrit Bub. Die Stadt unterhalte den „größten deutschen kommunalen Stadtforstbetrieb“. Er beschäftigt vier Revierleiter und vermarktet pro Jahr um die 50 000 Festmeter Holz. 

Die Struktur ist ähnlich wie in Diemelsee: Rund 30 Prozent macht Laubwald aus, fast 70 Prozent Nadelwald und da vor allem die Fichte. 

Wie die „Westfalenpost“ berichtet, wollen die Briloner auch die Vermarktung des Olsberger Stadtwaldes mit 346 Hektar und etwa 1800 Festmetern Einschlag pro Jahr übernehmen. 

Vermarktungsgesellschaft der Domanialverwaltung

Die meisten Kommunen in Waldeck-Frankenberg wollen mit der neuen Holzvermarktungsgesellschaft zusammenarbeiten, die die Waldeckische Domanialverwaltung zu diesem Zweck gegründet hat. 

Bis Anfang Februar hatten sich 18 Interessenten angeschlossen – die Mehrheit der Städte und Gemeinden im Kreis. So hatten die Willinger Gemeindevertreter bereits im November für den Beitritt gestimmt. Einschließlich der 19 000 Hektar der Domanialverwaltung würde die Gesellschaft bislang 32.000 Hektar Wald betreuen. Ab dem 1. Januar 2021 will sie auch die Beförsterung übernehmen

Entscheidung für den Nachbarn Brilon

Der Gemeindevorstand sei von Anfang an in die Gespräche mit eingebunden gewesen, berichtet Becker. Von den Kosten her mache es für die Gemeinde keinen großen Unterschied, ob sie mit ihr zusammenarbeite oder mit Brilon: „Das gibt sich nichts.“ 

Für die Briloner habe ein Punkt gesprochen, erklärt Becker: „Die Infrastruktur ist bereits vorhanden.“ Das gewährleiste einen reibungslosen Übergang von Hessen-Forst zum Stadtforst, der noch vor dem Sommer die Holzvermarktung übernehmen könne. Die neue Gesellschaft muss wie berichtet erst ihre Räume im Rhoder Schloss einrichten. 

Und in Diemelsee müsse schnell gehandelt werden, sagt Becker: Auch im Gemeindewald hätten Borkenkäfer Bestände befallen, das bislang zuständige Forstamt in Diemelstadt habe bereits mitgeteilt, „dass viel rausgenommen werden muss“. 

Becker nennt ein weiteres Plus: In Brilon gibt es ein großes Sägewerk das viel Holz abnimmt. Und: Die Dienstleistungen des Stadtforstes stehen auch privaten Waldbesitzern offen, davon könnten Diemelseer profitieren. 

Außerdem musste die Gemeinde den Beförsterungsvertrag mit Hessen-Forst kündigen – nach einer zweijährigen Frist werden die Briloner Ende 2020 auch für die übrige Waldbewirtschaftung, die Wiederaufforstung oder den Waldwegebau zuständig. 

Becker bedauert, den alten Partner zu verlieren, es habe nie Beanstandungen gegeben: "Wir wären auch bei Hessen-Forst geblieben."

Gemeindevorstand entscheidet

Über die Verträge mit der Stadt Brilon entscheide in Diemelsee nur der Gemeindevorstand, nicht die Gemeindevertretung, erklärt Becker. Grund: Der Gemeindewald mit seinen verstreut liegenden 121 Hektar spiele nicht so eine große Rolle wie in anderen Kommunen. 

„Die Überschüsse sind eher zu vernachlässigen“, sagt der Bürgermeister – für dieses Jahr werden laut Forstwirtschaftsplan rund 15 000 Euro erwartet. Rund 460 Festmeter Fichte, 140 Festmeter Kiefer und rund 55 Festmeter Buche sollen eingeschlagen werden. Wegen der relativ geringen Summen zählten Angelegenheiten des Gemeindewaldes zu den „laufenden Verwaltungstätigkeiten“. (-sg-)

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