Zuschuss von 500.000 Euro für innovative Technik

Bundesumweltministerium fördert Neubau der Heringhäuser Kläranlage

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Der Neubau nimmt Konturen an: Seit dem Frühjahr laufen die Arbeiten an der neuen Heringhäuser Kläranlage. In dieser Halle finden die neuen, innovativen Bioreaktoren Platz. Der Bund fördert das Pilotprojekt mit 500 000 Euro.

Diemelsee-Heringhausen – Das Bundesumweltministerium fördert den mit drei Millionen Euro veranschlagten Neubau der Heringhäuser Kläranlage mit rund 500 000 Euro aus seinem Umweltinnovationsprogramm. Dieses Pilotprojekt sei besonders umweltfreundlich, teilt das Ministerium mit.

Wie berichtet, muss die Gemeinde im Dorf eine neue Kläranlage bauen, die alte aus dem Jahr 1971 ist inzwischen zu klein und stößt an die Grenze ihrer Reinigungsleistung. Und Heringhausen wächst weiter: Göbels „Chalet-Park“ ist in Betrieb, im Westen entsteht das neue Feriendorf mit 70 Häusern.

Abwassermengen schwanken

Problem in Heringhausen: die stark schwankenden Abwassermengen. In den Sommermonaten verzeichnet das 430-Einwohner-Dorf geschätzt 4000 Übernachtungsgäste und 1000 Tagesgäste, diese Zahlen schwanken wöchentlich. Außerdem fallen noch Fäkalien der Chemietoiletten aus Wohnmobilen an. Im Winter sinkt die Abwassermenge deutlich, weil weniger Feriengäste kommen. 

Deshalb setzt die Gemeinde beim Neubau auf eine innovative und flexible digitale Steuerungstechnik. Diese „neuartige Abwasserflexibilisierung“ sei besonders umweltfreundlich, urteilt das Ministerium. Darum gibt es die Förderung. 

Programm für umweltfreundliche Technologie

Mit seinem Umweltinnovationsprogramm fördert das Bundesumweltministerium herausragende Projekte, die den Stand der Technik in einer Branche weiterentwickeln und anderen Unternehmen aufzeigen, wie sie mit innovativer Technologie die Umwelt entlasten können. Das Vorhaben muss in seiner großtechnischen Anwendung bundesweit über den Stand der Technik hinausgehen und sollte Demonstrationscharakter haben. 

Die Heringhäuser Kläranalage ist eines von drei in diesem Jahr geförderten Pilotprojekten. Das Programm wurde bereits 1979 aufgelegt, seitdem wurden 733 Projekte mit mehr als einer Milliarde Euro unterstützt. In den vorigen zehn Jahren wurden dadurch etwa 790 000 Tonnen Kohlendioxyd eingespart.

Deutliche Energieeinsparung - weniger Kohlendioxyd

Die in Heringhausen eingesetzte Technik steigere die Effizienz der Abwasserbehandlung, urteilt das Ministerium. Durch die innovative Belüftung des neu entwickelten „Hochleistungs-Bioreaktors“ und die Vollautomatisierung der Anlage werde eine Energieeinsparung von von rund 35 Prozent erwartet, das entspreche mehr als 48 000 Tonnen Kohlendioxyd pro Jahr. 

Künstliche Intelligenz denkt mit

Die Kläranlage und das Kanalnetz werden mit einer neuen Steuerungstechnik ausgerüstet, die auch Niederschlagsvorhersagen und Tourismusdaten vernetzt. Kernstück ist eine Art künstliche Intelligenz, die aus Erfahrungswerten vorangegangener Ereignisse lernt und daraus Verbesserungen ableitet. 

Im Vergleich zu anderen Kläranlagen der Größenklasse werden in Heringhausen deutlich strengere Überwachungswerte angelegt, denn das gereinigte Abwasser fließt in den touristisch stark genutzten Diemelsee. 

Wasserqualität des Diemelsees wird verbessert

Die alte Heringhäuser Kläranlage wird in den Neubau mit einbezogen: Das Klärbecken wird künftig als Sammelschacht genutzt.

Die neue biologische Kläranlage allein wäre in der Lage, alle Grenzwerte einzuhalten. Durch die Umsetzung des Pilotprojektes sollen noch anspruchsvollere Ablaufwerte als die gesetzlich vorgeschriebenen erreicht werden, was die Wasserqualität des Diemelsees zusätzlich verbessert. 

Das biologische Becken der alten Kläranlage am Haselnussweg soll künftig als Sammelschacht genutzt werden. Planung und Bau übernimmt die Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg im Auftrag der Gemeinde. 2020 soll in der neuen Anlage der Regelbetrieb beginnen. 

Zum Ärger der Diemelseer Kommunalpolitiker hat das hessische Umweltministerium eine Förderung des Neubaus abgelehnt. (red/-sg-)

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