Gemeinde lässt Uferzonen für rund vier Millionen Euro neu gestalten

Camper beschweren sich über Baulärm am Ufer des Diemelsees

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Die Bauarbeiten am Diemelsee laufen auf Hochtouren: Das neue Amphitheater an der Heringhäuser Uferpromenade nimmt Gestalt an. Direkt an dem Weg liegen Campingplätze – Urlauber dort klagen über Baulärm

Diemelsee-Heringhausen -  Die Gemeinde lässt derzeit Uferzonen am Diemelsee neu gestalten, darunter die  Heringhäuser Uferpromenade. Anliegende Camper beschweren sich über den Baulärm schon am frühen Morgen.

Urlaub am Diemelsee – für viele Camper am Uferrand heißt das wach werden mit Vogelgezwitscher und dem sanften Plätschern des Wassers. Doch dieses Naturidyll mag sich in dieser Saison nicht so recht einstellen. Stattdessen werden die Urlauber früh morgens von dröhnenden Baggern und kreischenden Steinsägen aus dem Schlaf gerissen: Die Bauarbeiten an der Heringhäuser Uferpromenade sorgen für Ärger.

 Bei der Tourist-Information im Haus des Gastes gehen ständig Beschwerden ein, manch aufgebrachter Gast wollte sogar seine Kurtaxe erstattet bekommen. Ein Camper dokumentierte sein Leid per Handyvideo und stellte es bei Facebook ein. 

Der Erste Beigeordnete Eckhard Köster kennt die Klagen. „Ich kann sie nachvollziehen, ich verstehe die Gäste.“ Aber es sei nicht möglich, in der Urlaubssaison mit den Arbeiten aufzuhören. Die Gemeinde steht unter Zeitdruck: Die Arbeiten müssen bis November fertig sein, bis Jahresende muss die Abrechnung vorliegen, das verlangen die Förderrichtlinien. 

Nacharbeiten erforderlich

Und es gibt einen zeitlichen Verzug, weil Arbeiten aus dem Vorjahr nachgebessert werden mussten: Kanalrohre unter der neuen Uferpromenade seien bei extremer Trockenheit verlegt worden, berichtet Köster. Folge: Der Weg habe sich im Winter abgesenkt. Der Boden habe „nachverdichtet“ werden müssen, erläutert Anke Linnekugel vom Bauamt der Gemeinde. 

Dabei kam den Firmen das Wetter in die Quere. Zwar konnten sie wegen des milden Winters bereits im Februar wieder anfangen – doch der hohe Wasserstand wurde ein Problem: Wie berichtet, war der See bereits Mitte Januar zu 96 Prozent voll, tagelang standen an der Sperrmauer alle sechs Notschleusen offen, um Wasser abzulassen. Mitte März wiederholte sich das Schauspiel. 

Wasserstand im See zu hoch

Wegen des zu hohen Wasserstands im See seien die Verdichtungsarbeiten am Ufer nicht möglich gewesen, berichtet Linnekugel. Technisch sei dafür ein gewisser Pegel im See erforderlich: „Wir mussten warten, bis das Amt in Hann. Münden genügend Wasser abgelassen hatte“, ergänzt Köster. Hätte die Gemeinde die Arbeiten vorher ausführen lassen, „hätte kein Architekt die Gewährleistung übernommen“. Diese Nacharbeiten seien am Donnerstag abgeschlossen worden, berichtet Linnekugel. 

Bauarbeiten laufen weiter

Derzeit wird das neue Amphitheater gebaut. Von dort bis zu Göbels Seehotel muss die Promenade gepflastert werden – der Weg führt genau an den Campingplätzen vorbei. „Es ist noch einiges zu tun“, sagt Linnekugel. 

Die Gemeinde habe Firmen schon zwei mal schriftlich aufgefordert, Rücksicht auf die Gäste zu nehmen, betont Köster. „Es müssen keine Randsteine am Samstag um 6 Uhr geschnitten werden.“ Auch Anke Linnekugel sagt: „Wir haben die Firmen gebeten, frühmorgens lärmintensive Arbeiten zu vermeiden. Sie haben zugesichert, sie wollten ihr Möglichstes tun.“

Keine Klagen von Tagesgästen

Klagen über die Bauarbeiten kämen überwiegend von den Dauercampern am Ufer, berichtet Anke Linnekugel. „Von den Tagesgästen bekommen wir keine Beschwerden“, bestätigt Claudia Stekelenburg von der Tourist-Info. Badegäste suchten sich einen Uferabschnitt fernab der Baustellen. 

Sie habe erst am Mittwoch bei einer Baubesprechung mit Campern geredet, berichtet Linnekugel. Sie hätten durchaus Verständnis für die Arbeiten gezeigt und anerkannt, dass der Diemelsee durch die Investitionen aufgewertet werde. Aber ärgerlich sei für sie, schon morgens um 6 von den Arbeitern geweckt zu werden. 

Das teilt Eckhard Köster. Er sieht auf der anderen Seite den „Druck“ der Baufirmen: Sie hätten prall gefüllte Auftragsbücher. Deshalb müssen ihr begrenztes Personal strategisch geschickt einsetzen. 

Außerdem sei verständlich, dass die Arbeiter bei hochsommerlichen Temperaturen möglichst früh anfangen wollten, wenn es noch einigermaßen kühl ist. 

Größtes Bauprojekt der Gemeinde

Frisch gepflastert: Die neue Heringhäuser Uferpromenade ist noch in Arbeit, in diesem Abschnitt am neuen Amphitheater sind Steine bereits verlegt.

Die Neugestaltung der Ufer am Diemelsee ist das größte laufende Bauprojekt der Gemeinde. Sie investiert rund vier Millionen Euro – 1,68 Millionen Euro stehen dieses Jahr im Etat. 2,15 Millionen Euro Fördergelder steuert das Land für das Großprojekt bei. Der Kreis beteiligt sich mit knapp 400 000 Euro. 

Manche Urlauber hätten sich vorab beschwert, dass am See seit den 1970er Jahren wenig passiert sei, sagt Vizebürgermeister Eckhard Köster. Mit dem Projekt solle die touristische Infrastruktur für die nächsten 30 Jahre verbessert werden. Nach langen Vorplanungen mit Bürgerbeteiligung begannen im vorigen Jahr die Arbeiten, dieses Jahr werden sie abgeschlossen. 

Ein Strandbad  ist fertig

Im Strandbad an der Stormbrucher Brücke seien die Arbeiten noch vor Beginn der Saison fast vollständig abgeschlossen worden, berichtet Anke Linnekugel vom Bauamt. Der neue Sandstrand mit Beachvolleyballfeld sei ebenso voll nutzbar wie das neue Toilettenhäuschen und die neuen Spielgeräte. Nur ein paar kleinere Nacharbeiten stünden noch aus. Und wegen der Trockenheit sei das Gras noch nicht aufgegangen. 

In Heringhausen wird die Uferpromenade weiter ausgebaut. Am dortigen Strandbad müsse noch die neue Rutsche samt Auslaufbecken errichtert werden, sagt Linnekugel. „Das wollen wir demnächst in Angriff nehmen.“ 

Das neue Spielschiff werde schon gut angenommen, sagt Claudia Stekelenburg von der Tourist-Info. Auch das Beachvolleyballfeld sei immer voll.

Höherer "Marktwert des Diemelsees“

"Wir bauen für die Gäste, sie sollen sich wohl fühlen“, betont Köster. Die Investition „hebt den Marktwert des Diemelsees“. Und Linnekugel ergänzt, letztlich kämen die Arbeiten auch den Campern zu Gute. Köster bittet sie deshalb, dieses Jahr die einmaligen Bauarbeiten samt Lärm und Dreck hinzunehmen. „Dafür wird die Saison 2019 um so schöner.“ (-sg-)

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