Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim treibt Planung voran:

Diakonie baut Pflegeheim auf dem Gelände des Adorfer Bauhofs

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Auf dem Gelände des Bauhofes in Adorf will das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim aus Bad Arolsen sein neues Seniorenpflegeheim bauen. Links steht Volker Becker, dann folgen Pfarrer Oswald Beuthert und Wilfried Höhle.

Diemelsee-Adorf – Ein neuer Standort ist gefunden: Auf dem Gelände des Bauhofes an der Flechtdorfer Straße in Adorf will das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim aus Bad Arolsen ein Seniorenpflegeheim mit 48 Plätzen bauen.

Es wird in vier Hausgemeinschaften mit je zwölf Bewohnern unterteilt. Am Montag stellten der Vorsteher des Diakonissenhauses, Pfarrer Oswald Beuthert, der Verwaltungsleiter Wilfried Höhle und der Diemelseer Bürgermeister Volker Becker den Stand der Planungen vor. 

Wie berichtet, wollte die Diakonie zunächst in der Gartenstraße in der Dorfmitte bauen. Doch dort wären die Auflagen höher gewesen, und jede Auflage verteuere den Bau, erklärt Beuthert. Auch die Zufahrt der Feuerwehr war problematisch. Und letztlich reichte der Platz nicht aus. 

Bauhof der Gemeinde zieht um

Für den neuen Standort fiel die Bauvoranfrage positiver aus. Auch ein Bodengutachten liegt schon vor. Der Bauhof der Gemeinde räumt noch dieses Jahr das etwa 5000 Quadratmeter große Gelände und zieht aufs Klöser-Areal an der Bredelarer Straße um. Das alteingessene Bauunternehmen habe seinen Betrieb zum Jahreswechsel „leider eingestellt“, berichtet der Bürgermeister. Die Gemeinde übernimmt Gebäude und Hofflächen. „Eventuell müssen wir noch umbauen“, sagt Becker, aber bis Spätherbst solle der Umzug abgeschlossen werden.

Derzeit bereitet ein Notar die Kaufverträge zwischen Diakonie und Gemeinde vor, da der Haushalt der Gemeinde inzwischen genehmigt ist, steht dem Abschluss nichts mehr im Wege. 

Genau planen

Noch dieses Jahr solle die Planung möglichst abgeschlossen werden, berichtet Höhle. „Die Planungsphase ist das allerwichtigste“, betont Beuthert, in sie werde "viel Hirnschmalz investiert". Sie müsse genau ablaufen, denn spätere Umplanungen dürfe es nicht geben. 

„Wir bauen für die nächsten 30 Jahre“, da gelte es auch, den zu erwartenden Wandel zu berücksichtigen. Als Beispiel nannte Beuthert: „Die Leute werden immer älter und die Verweildauer im Heim immer kürzer.“ Schon jetzt liege sie unter anderthalb Jahren. Entsprechend seien Arbeitsabläufe und Raumprogramm anzupassen. 

Auch eine mögliche Erweiterung des Heims auf 72 Plätze werde berücksichtigt - dafür könnte der Bau aufgestockt werden. Steigende Baupreise und Bauauflagen sind ebenso Faktoren der Planung. So gibt es immer neue Auflagen für Zimmergrößen oder Ausstattung. "Es ist ein sportliches Unterfangen, aber es lässt sich gut verwirklichen", sagt Beuthert.

 „Ich gehe davon aus, dass wir nächstes Jahr bauen“, fügt Höhle hinzu. 

Drei Bauvarianten

Der weitere Zeitplan hänge auch von der Bauweise ab. Geplant werde derzeit mit drei Varianten, die zur Kostenermittlung auch ausgeschrieben werden sollen: 

  • ein konventioneller Bau, 
  • eine Modul-Bauweise, 
  • eine Holzrahmenbau. 

Kosten: fünf bis sechs Millionen Euro

Kosten: „Unter fünf Millionen Euro kommen wir nicht weg“, sagt Beuthert. „Die Finanzierung war immer gesichert“, betont er. Auch Höhle geht von fünf bis sechs Millionen Euro aus.

Ein Heim in einem Dorf der Größe Adorfs zu bauen sei schon eine Herausforderung, sagt Beuthert. „Erst ein Gesamtpaket ermöglicht uns den Bau“: Seit mehr als 120 Jahren gebe es die Diakoniestation in Adorf, seit 2016 besteht die Tagespflege, und in Flechtdorf betreibe die Diakonie seit zwölf Jahren das Landeshospital. So sei die gesamte Kette an ambulanter und stationärer Pflege vorhanden. Damit ergebe das Haus in Adorf Sinn. Und es bringe Synergien etwa beim Einkauf oder beim Essen, sagt Höhle. "Das ist ein großer Vorteil."

 Etwa 25 neue Arbeitsplätze

Er schätzt, dass in Adorf etwa 25 neue Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt sollen im Heim 35 bis 40 Beschäftige arbeiten. Trotz der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt: „Wir sind zuversichtlich, das wir das Personal in der Region finden“, sagt Beuthert. Ein Teil der Belegschaft soll aus Flechtdorf nach Adorf wechseln. 

Flechtdorf und Adorf sollen eine organisatorische Einheit bilden. So soll die Großküche in Flechtdorf das Mittagessen nach Adorf liefern – wie es jetzt schon bei der Tagespflege läuft, etwa 100 Essen bereitet die Küche derzeit am Tag zu. Frühstück und Abendessen werden in Adorf zubereitet.

„Die Gemeinde ist erfreut"

„Die Gemeinde ist erfreut, dass das Waldecksche Diakonissenhaus das Seniorenheim bauen will“, erklärt Bürgermeister Becker. Das Heim sei eine „immense Bereicherung für die gesamte Gemeinde“. Es gebe neue Arbeitsplätze, auch Handel und Handwerk profitierten. Er sei froh, dass die Politik den Weg mitgehe. 

Nachdem sich der Standort Gartenstraße zerschlagen hatte, sei ein geeigneter neuer Platz gefunden worden. Prompt kam Kritik auf, dort gebe es kaum Sonne. Becker verweist auf die Solaranlage auf dem Bauhof-Dach: Der Betreiber habe sich noch nie über zu wenig Ertrag beschwert.

Auch die Verzögerung der Umsetzung sorgte für Diskussionen - zu Beginn der Planungen war der Bau für dieses Jahr vorgesehen worden. Trotz kritischer oder skeptischer Töne in Diemelsee habe für die Gemeinde immer festgestanden, dass das Projekt umgesetzt werde, betont Becker.

Bereits seit 2005 liefen schon die Bemühungen, ein Heim einzurichten, berichtet er. Verschiedene Standorte seien geprüft worden, doch dann hätten Grundstückseigentümer Flächen nicht abgeben wollen. 

Auch eine Initiative um Otto Wilke und Karl-Heinz Hundertmark setzte sich wie berichtet über Jahre für den Bau ein und schlug auch Standorte und Investoren vor.

Neuer Verbindungsweg

Möglichst mit Förderung aus der Dorfentwicklung soll entlang der Rhene ein Verbindungsweg vom neuen Heim zur Dorfmitte gebaut werden. (-sg-)

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