Bundesweit ist es erst der fünfte Park

Diemelsee und Willingen präsentieren neuen Trekkingpark für Wanderer

An der Trekking-Station bei Stormbruch: Vertreter der Kommunen Diemelsee und Willingen und des Kreises besichtigten die Plattform am „Wiggenknochen“. Von links: die Reiseblogger Biggi Bauer und Florian Manuel Westermann.  „Leader“-Regionalmanager Bernd Wecker vom Büro Bioline, Klaus Hamel von der Diemelseer Tourist-Information, Frauke Göge, vom Büro Bioline, Lothar Lemberg vom Diemelseer Bauamt, Andrew Mark Kesper von der Willinger Tourist-Information, der Leiter des Fachdienstes Regionalentwicklung der Kreisverwaltung, Dr. Jürgen Römer, der Leiter des Tourismus und Kurbetriebs in Willingen, Norbert Simon Lopatta und der Diemelseer Bürgermeister Volker Becker
+
An der Trekking-Station bei Stormbruch: Vertreter der Kommunen Diemelsee und Willingen und des Kreises besichtigen die Plattform am „Wiggenknochen“. Links die Reiseblogger Biggi Bauer und Florian Manuel Westermann aus München.

Die Gemeinden Diemelsee und Willingen haben ihren „Trekkingpark Sauerland“ für Wanderer fertiggestellt. Bundesweit ist es erst der fünfte Park. Die Besonderheit: Übernachtungen mitten in der Natur.

  • Die Touren führen über den Diemelsteig und den Uplandsteig.
  • Unterweges gibt es neun Stationen zum Übernachten in der Natur.
  • Eine hohe Förderung kommt aus dem „Leader“-Programm der Europäischen Union und des Landes Hessen.

Diemelsee / Willingen – „Ein geniales Panorama,“ ruft Biggi Bauer und lässt den Blick vom „Wiggenknochen“ bei Stormbruch über die bewaldeten Hügel schweifen. Mit Florian Manuel Westermann erkundet sie seit Donnerstag Abschnitte des neuen Trekkingparks. Die beiden erfahrenen Journalisten des Münchener Reiseblogs Phototravellers.de sind voll des Lobes: „Das ist ein Highlight im Sauerland.“

In freier Natur übernachten

Mit Rucksack und Zelt auf dem Diemel- und dem Uplandsteig unterwegs sein und in der freien Natur an ausgewählten Stationen übernachten – das ist die Idee des Trekkingparks, den die Gemeinden Diemelsee und Willingen errichtet haben. Wegen der Corona-Beschränkungen soll er erst ab Anfang Juni offiziell nutzbar sein – aber schon jetzt gibt es Anfragen aus ganz Deutschland.

Die Idee zu dem Park hatte Klaus Hamel von der Diemelseer Tourist-Information. Er kennt das Trekking aus den USA und aus Skandinavien. In Deutschland sei es rechtlich schwierig, einfach so in der Natur zu übernachten, sagt er – der Trekkingpark mit seinen ausgewiesenen Plätzen löst das Problem.

Bislang gab es bundesweit nur vier Strecken in Naturparks – „wir sind die fünfte Region.“ Hamel ist sich sicher: „Wir treffen voll den Nerv der Zeit.“

Neun Stationen ausgewiesen

Bei seinem Willinger Kollegen Andrew Mark Kesper rannte er mit seiner Idee offene Türen ein, auch die beiden Gemeindeparlamente stimmten rasch zu. So machten sich die beiden auf den Weg, um geeignete Plätze für die Übernachtungsstationen zu finden. Je vier Stationen liegen am Diemel- und am Uplandsteig, die neunte am Dommelturm betreuen beide Gemeinden gemeinsam.

Hilfestellungen für Wanderer

In ihrem nachhaltigen Konzept haben die beiden auch an die Bedürfnisse der Wanderer gedacht. Profis empfehlen, um die sieben Kilo im Rucksack mitzunehmen. Um weitere Kilos zu sparen, müssen Wanderer wissen:

  • Wo können sie einkehren und einkaufen?
  • Und wo bekommen sie Trinkwasser her?

Alle gastronomischen Angebote und Wasserstellen sind auf Karten, Infotafeln und online ausgewiesen. Außerdem bekommen Wanderer bei der Buchung die Gästekarte „Meine Card“, mit der sie zwischendurch den Öffentlichen Personennahverkehr kostenfrei nutzen können.

„Wanderer für die Natur sensibilisieren“

Großen Wert legen die Planer auf Regeln, die auch auf den Tafeln der Stationen stehen: „Wir wollen die Wanderer für die Natur sensibilisieren“, sagt Hamel. Sie sollten keine Spuren hinterlassen. Kesper erklärt:

  • An den Stationen ist kein offenes Feuer erlaubt.
  • An den Stationen ist keine laute Musik erlaubt.
  • Zugelassen sind maximal vier Wanderer pro Station.
  • Wanderer müssen ihren Müll mitnehmen.

Die Stationen würden drei Mal die Woche überprüft, sagt Hamel. Von Mitte November bis Anfang April bleibe der Trekkingpark gesperrt, um das Wild im Winter nicht zu stören.

Lothar Lemberg setzt Planung um

Für die Umsetzung der Planungen zeichnet Lothar Lemberg vom Diemelseer Bauamt verantwortlich. Alle Aufträge seien an regionale Handwerker gegangen, betont er – für sie sei es nicht immer leicht gewesen, die neun Standorte mitten im Grünen mit ihren Lastwagen zu erreichen.
Alle Stationen verfügen über eine hölzerne Plattform, die auf Betonfundamenten ruht - sie schützt vor Nässe vom Boden. Auf der Fläche können Wanderer ein bis zwei Zelte aufschlagen, am Holz sind Ösen für die Zeltseile eingebaut, Heringe sind deshalb nicht erforderlich.

Hinzu kommt eine wartungsfreie Komposttoilette, die auch andere Wanderer und Radler nutzen dürfen.

Das Büro Bioline brachte die Förderanträge auf den Weg und kümmerte sich um die Ausgleichsmaßnahmen. Es sei ein „schönes Projekt“, bemerkt der Unternehmenschef und „Leader“-Regionalmanager Bernd Wecker. Der Tourismus sei ein Schwerpunkt der „Leader“-Region Diemelsee/Nordwaldeck.

Gesamtkosten rund 85 000 Euro

Die Gesamtkosten lägen mit rund 85 000 Euro im Rahmen, berichtet Lemberg. Geld gibt es aus dem „Leader“-Programm der Europäischen Union und des Landes Hessen: 71 000 Euro seien förderfähig gewesen, erklärt der Leiter des Fachdienstes Regionalentwicklung der Kreisverwaltung, Dr. Jürgen Römer. Die Förderung umfasse rund 50 000 Euro, 47 000 Euro davon stammten aus Europa.

Gute Zusammenarbeit mit dem Kreis und Land

Bürgermeister Volker Becker hebt hervor, der Förderantrag sei schnell bewilligt und das Projekt rasch umgesetzt worden. Möglich sei dies durch die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Kreis und dem hessischen Umweltministerium.

Das neue Angebot sei für Gäste, aber auch für heimische Ausflügler gedacht. Es sei ein gemeinsames Anliegen, die Natur im Naturpark Diemelsee zu nutzen.

„Es ist nicht unsere erste Aktion zusammen – und es bleibt nicht die letzte“, sagt Kesper. „Wir müssen den Tourismus nicht lokal denken, sondern regional“, fordert auch der Leiter des Tourismus und Kurbetriebs in Willingen, Norbert Simon Lopatta. Das schließe auch die Nachbarn in Westfalen mit ein.

Stationen schnell ausgebucht

Im Februar hätten die Tourist-Informationen das neue Angebot ins Internet gestellt, berichtet Kesper – schnell seien alle Stationen bis in den Juni hinein ausgebucht gewesen. „Es scheint, die Leute in ganz Deutschland hätten nur darauf gewartet.“

Wegen der Corona-Beschränkungen hätten Termine im April und Mai aber gestrichen werden müssen – viele buchten gleich auf den Spätsommer um. Und ständig kämen weitere Buchungen, viele von Familien. Die meisten Stationen lägen 15 Kilometer auseinander, sagt Kesper – aber zwei seien nur sechs Kilometer voneinander entfernt, die seien auch für Kinder zu schaffen.

„Region bietet enormen Freizeitwert“

„Wandern ist im Kommen“, stellt Volker Becker fest. Auch der begeisterte Wanderer Dr. Römer wirbt für Touren durch die Region, sie biete einen „enormen Freizeitwert, da müssen wir uns nicht verstecken“. Aber sie benötige auch eine gute touristische Infrastruktur. Lokale Projekte wie der Trekkingpark seien ebenso wichtig wie große – etwa der geplante Mountainbike-Grenztrail durch den Kreis.

(VON DR. KARL SCHILLING)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare