Land soll die Gemeinde als „Tourismusort“ anerkennen

Diemelsee will Tourismusabgabe für Urlauber einführen

Werbefoto für den Diemelsee: Eine Frau liegt auf dem Rasen, Gäste stehen am Seeufer
+
Beliebtes Urlaubsziel: der Diemelsee. Für die Nutzung der Infrastruktur sollen künftig alle Übernachtungsgäste eine Angabe zahlen, um sie erheben zu dürfen, will die Gemeinde als „Tourismusort“ anerkannt werden.

Die Gemeinde Diemelsee will sich vom Land Hessen als „Tourismusort“ anerkennen lassen – dann könnte sie ab Januar 2022 von den Übernachtungsgästen in allen 13 Ortsteilen eine Tourismusabgabe erheben.

  • Für die Nutzung der touristischen Infrastruktur sollen ab 2022 alle Übernachtungsgäste eine Abgabe zahlen, um sie erheben zu dürfen, will die Gemeinde als „Tourismusort“ anerkannt werden.
  • Die Kurbeiträge in Heringhausen und Ottlar sollen im Gegenzug entfallen.
  • Um die Tourismusabgabe erheben zu dürfen, muss das Land die Gemeinde als „Tourismusort“ anerkennen.

Diemelsee-Adorf – Der Erhebung dieser Abgabe stimmten die Gemeindevertreter bei ihrer Sitzung am Freitag in der Adorfer Dansenberghalle bei einer Enthaltung zu.

Bislang wird nur in zwei Dörfern eine Kurabgabe fällig – Heringhausen ist als Luftkurort zertifiziert, Ottlar als Erholungsort. Ziel der neuen Abgabe sei, alle Orte gleich zu behandeln, erklärte Bürgermeister Volker Becker. Dies könne zu Mehreinnahmen von rund 50.000 Euro im Jahr führen.

Es sei nur gerecht, wenn alle Übernachtungsgäste für die Nutzung der touristischen Infrastruktur zahlen müssten. Schließlich habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren erheblich in deren Ausbau investiert – dies sei auch notwendig, um Gäste zu gewinnen und zu halten.

Zahl der Gäste entscheidet

Um als „Tourismusort“ anerkannt zu werden, muss die Zahl der beherbergten Gäste doppelt so hoch sein wie die Zahl der Einwohner. Das schafft Diemelsee locker: Auf die rund 5000 Einwohner kommen 75 000 bis 80 000 Gäste im Jahr.

Die Anerkennung ist Voraussetzung, um die Tourismusabgabe erheben zu dürfen. Das Kasseler Regierungspräsidium überprüfe sie alle zehn Jahre, sagte Becker. Kosten: rund 700 Euro.

Kurbeiträge abschaffen

Wäre ganz Diemelsee ein „Tourismusort“, könnte die neue Abgabe die bisherigen Kurbeiträge ersetzen, sagte Becker. Außerdem könne sich die Gemeinde die aufwendige Rezertifizierung Heringhausens und Ottlars alle zehn Jahre sparen, die mit Kosten von rund 40 000 Euro verbunden seien. Er verwies auf Probleme, die zunehmend strengen Zertifizierungsauflagen zu erfüllen. Heringhausen ist in diesem Jahr wieder an der Reihe.

Prädikat Luftkurort beibehalten?

Die CDU sei sich einig, die Abgabe einzuführen, sagte Fraktionschefin Dr. Beate Schultze. Damit werde Geld überall da generiert, wo Touristen seien. Sie nutzten die gesamte Infrastruktur, doch nur in Heringhausen und Ottlar zahlen sie derzeit dafür.

Allerdings sähen Betriebe das Prädikat Luftkurort als „Qualitätsgütesiegel“, betonte sie. Bei den Älteren sei es wohl nach wie vor noch zeitgemäß. Vielleicht könne es erhalten bleiben, und die Tourismusabgabe würde in den anderen Dörfern eingeführt.

Beides sei möglich, sagte Klaus Hamel von der Tourist-Information. Aber das Prädikat sei „am Markt nicht mehr relevant“, die Zertifizierung sei nicht mehr notwendig. Stattdessen gebe es heute viele neue Zertifikate. Auch bim Bau des Feriendorfs sei das Prädikat nie eine Forderung gewesen, bemerkte Becker.

Höhe der Abgabe ist noch offen

Auch SPD und FWG sprachen sich für die neue Tourismusabgabe aus. Über die Höhe der Beiträge sei noch zu sprechen, sagte Horst Wilke. Die Abgabe muss zweckgebunden zur Finanzierung der touristischen Infrastruktur oder fürs Marketing genutzt werden und in einer eigenen Satzung festgeschrieben werden. (Dr. Karl Schilling)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare