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Diemelseer Gemeindevertreter lassen die Ausweisung neuer Baugebiete in der Gemeinde prüfen

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Auch in Diemelsee wird fleißig gebaut, zum Beispiel im Adorfer Dahlienweg, das Gebiet wird noch erweitert. Die Gemeindevertreter billigten einen FDP-Antrag, die Ausweisung von Bauland in Heringhausen zu prüfen.
Auch in Diemelsee wird fleißig gebaut, zum Beispiel im Adorfer Dahlienweg, das Gebiet wird noch erweitert. © Schilling, Karl

Trotz steigender Baukosten und Kreditzinsen: Noch immer träumen Diemelseer von einem Eigenheim in ihrem Heimatdorf. Doch das Bauland ist begrenzt – und so diskutierten die Gemeindevertreter am 20. Juli über die Ausweisung neuer Baugebiete.

Diemelsee-Flechtdorf – Bei fünf Enthaltungen nahmen sie einen FDP-Antrag an: Der Gemeindevorstand solle prüfen, ob in Heringhausen ein Neubaugebiet ausgewiesen werden könnte. Im Dorf seien viele Flächen für die touristische Weiterentwicklung zur Verfügung gestellt worden, erinnerte die Fraktionschefin Stephanie Wetekam. Aber es gebe auch junge Einwohner, die den „berechtigten Wunsch“ nach einem Bauplatz hätten, damit sie in ihrem Dorf wohnen bleiben könnten.

Ihr CDU-Kollege Jörg Weidemann begrüßte den Antrag. Auch wenn der Gestaltungsspielraum der Gemeinde gering sei, lohne es sich, „Hirnschmalz dareinzustecken“. Bedarf gebe es aber nicht nur in Heringhausen, sondern auch in anderen Dörfern. Es gebe wenige Leerstände und kaum neue Bauplätze. „Wir dürfen die anderen Ortsteile nicht vergessen.“ Derzeit seien Gemeindevorstand und Parlament allerdings „die Hände gebunden“, merkte Bürgermeister Volker Becker an: Die bis Ende 2023 laufende Dorfentwicklung verpflichtet Diemelsee, keine Neubaugebiete auszuweisen – die „Innenentwicklung“ der Dorfkerne hat Vorrang.

Baugebiete in Diemelsee: Verhandlungen mit der Landesregierung

Immerhin habe es die Gemeinde in Verhandlungen mit Wiesbaden geschafft, die Neubaugebiete in Vasbeck, Adorf und Wirmighausen durchzubekommen. Das sei aber nur gelungen, weil andere Dörfer wie Benkhausen auf Neubaugebiete verzichtet hätten, sagte Becker. Inzwischen habe das Land umgedacht und lasse bei neuen Förderungen Neubaugebiete zu.

Auch SPD-Fraktionschef Martin Tepel fand den Antrag „gut“. Es sei immer gut, Optionen zu haben. Er rief den Gemeindevorstand aber auf, „tiefer zu gehen“ und umfassender zu prüfen. Erforderlich sei ein „Mischmasch aus vielen Dingen“. Auch die Dorfkerne seien zu sehen. Und auch nach dem Auslaufen der Dorfentwicklung 2023 werde das Bauen auf der „grünen Wiese“ nicht billiger. Aber: „Wir müssen früh anfangen, aktiv zu werden.“ Die Gemeinde habe immer versucht, neues Bauland auszuweisen, sagte Becker, sie habe Interesse, Grundstücke vorzuhalten. „Aber es gibt auch Hürden bei den Regionalbehörden, wir werden beschnitten durch Vorgaben.“

„Die Krux ist: Wir müssen dem Regierungspräsidium nachweisen, dass keine privaten Bauplätze zur Verfügung stehen.“ In Diemelsee gebe es noch viele grüne Flächen, doch kaum ein Eigentümer sei bereit Flächen abzugeben – Anke Linnekugel vom Bauamt habe schon alle Eigentümer angeschrieben. Doch das Regierungspräsidium sage, die Gemeinde müsse das erst regeln.

Baugebiete in Diemelsee: Käufer geben Bauplätze zurück

In Heringhausen gebe es zwei private Flächen „Auf dem Knochen“ und in der Kirchstraße. Die Gemeinde habe ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück hinter der Kirche gekauft, dort lasse sich ein Baugebiet realisieren. Auch wenn es Interesse gebe, sei die Frage, wie ernst es gemeint sei. Derzeit gebe es sogar die Situation, dass Käufer Bauplätze wieder zurückgäben – etwa, weil ihnen die Finanzierung geplatzt ist. Er appellierte an bauwillige Diemelseer, bei der Gemeinde offiziell ihr Interesse an Parzellen zu bekunden.

Auch Cord Wilke von der SPD bekundete seine „fast vollumfängliche“ Unterstützung für den FDP-Antrag. Er störte sich allerdings am letzten Satz: Diemelseer sollten bei der Vergabe der Bauplätze ein „Vorgriffs-Recht“ erhalten – das sei rechtlich nicht zulässig, erklärte auch Bürgermeister Volker Becker sofort, kein auswärtiger Bewerber dürfe diskriminiert werden. Cord Wilke verwies auf eindeutige Gerichtsurteile und beantragte, diesen Satz zu streichen – doch das lehnte eine Mehrheit mit zehn zu acht Stimmen ab.

Stattdessen schlug Wetekam vor: Der Gemeindevorstand solle prüfen, ob die Bevorzugung vielleicht doch möglich sei. Auch wenn das Ergebnis angesichts der Rechtslage klar sein dürfte, sagte Becker salomonisch: „Wir werden Lösungen finden, dass die Diemelseer nicht zu kurz kommen. (Dr. Karl Schilling)

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