Parlamentarier haben noch Klärungsbedarf:

Diemelseer Gemeindevertreter verweigern neuem Windrad vorerst ihre Zustimmung

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An der Landesstraße von Adorf nach Vasbeck will das VEW ein 240 Meter hohes Windrad bauen. Bis zu acht alte Räder sollen abgebaut werden. Die Diemelseer Gemeindevertreter verweigerten bei ihrer Sitzung am Freitag vorerst ihre Zustimmung.

Die Diemelseer Gemeindevertreter verweigern dem Bau eines neuen Windrads im Osten Adorfs vorerst ihre Zustimmung: Sie haben noch Klärungsbedarf.

Diemelsee - Ein 240 Meter hohes Windrad will die Gesellschaft „Verbands-Energie-Werk für erneuerbare Energien“, kurz VEW, im Osten Adorfs bauen, dafür sollen bis zu acht alte Räder verschwinden. Die Gemeindevertreter verweigerten bei ihrer Sitzung am Freitag vorerst ihre Zustimmung.

Die Gemeindevertreter sehen noch Klärungsbedarf – gerade wegen der Höhe des rund 6 Millionen Euro teuren Neubaus mit einer Jahresleistung von etwa 14 Millionen Kilowattstunden Strom. 

Fläche für Windräder ausgewiesen

Das VEW ist eine Tochter der Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg, an der auch die Gemeinde und der Kreis beteiligt sind. Stefan Kieweg stellte im Parlament die Planungen vor. Er verwies auf den nordhessischen Teilregionalplan Energie, in dem die Fläche als Vorranggebiet für Windräder ausgewiesen sei, auch nach dem Flächennutzungsplan der Gemeinde seien sie dort zulässig. 

Bauen würde die Gesellschaft gern auf einem Grundstück der Gemeinde nahe der Landesstraße zwischen Adorf und Vasbeck, deshalb muss das Parlament einem Nutzungsvertrag zustimmen. Der Standort wäre etwa 800 Meter von den Stallungen von Markus Bornemann und mehr als 1200 Meter vom Wirmighäuser Hermannshof entfernt. 

Geplant sei die Gründung einer Betreibergesellschaft mit Sitz in der Gemeinde, die Gewerbesteuer bleibe so zu 100 Prozent in Diemelsee, warb Kieweg. 

Alte Räder abbauen

Das VEW sei derzeit in Gesprächen mit den Betreibern der alten, wesentlich kleineren Windräder, berichtete er. Mit ihnen müssten Verträge zum Abbau geschlossen werden. Fünf Räder sollten wenigstens abgebaut werden, das VEW hoffe auf sieben. Ziel sei, die „Hochfläche zu entzerren“. Ohne Emissionen der alten Räder wie Schall und Schatten könne die neue Anlage effizienter arbeiten, erläuterte Kieweg. 

Ende des Jahres oder Angang 2020 wolle das VEW die erforderlichen Gutachten in Auftrag geben, im zweiten Quartal solle die Baugenehmigung beantragt werden. 

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Neubau“, sagte Norbert Scheele für den Haupt- und Finanzausschuss, „aber unter diesen Bedingungen können wir so nicht zustimmen.“ Es bestehe noch „einiger Klärungsbedarf“. 

Gesamthöhe widerspricht Flächennutzungsplan

Er nannte Fragen des Rückbaus, die Wirtschaftlichkeitsberechnung und vor allem die Höhe des neuen Rades – der Flächennutzungsplan sieht eine Begrenzung auf knapp 200 Meter vor. Der Bauausschuss teile die Bedenken, sagte Jörg Weidemann. 

Beide Sprecher empfahlen die erneute Beratung in den Ausschüssen, bevor das Parlament entscheiden solle. Hans Hiemer forderte zudem die Stellungnahme des Adorfer Ortsbeirats ein.

 „Die 240 Meter Höhe wären schon unser Wunsch“, sagte Kieweg, jeder zusätzliche Meter erhöhe die Wirtschaftlichkeit des Rades, das eine Leistung von 5,3 Megawatt haben soll. Weil kaum neue Anlagen genehmigt würden seien die Ausschreibungsergebnisse derzeit zwar gut. Aber bei einer geringeren Höhe seien Ertragsrückgänge von sechs bis zehn Prozent zu erwarten – da sei zu prüfen, ob die Wirtschaftlichkeit noch gegeben sei. 

Die Gemeindevertreter verwiesen das Projekt einstimmig zurück in die beiden Ausschusse, bei der Oktober-Sitzung soll es wieder auf die Tagesordnung kommen.

Zweiter Standort „derzeitig nachrangig"

Das VEW hat noch einen zweiten Windrad-Standort etwa 1000 Meter südlich des ersten ins Auge gefasst. Auch dort soll vielleicht ein 240 Meter hohes Windrad mit einer Jahresleistung von etwa 14 Millionen Kilowattstunden Strom gebaut werden. Doch wegen des dortigen Rotmilan-Vorkommens werde der Standort „derzeitig als nachrangig betrachtet“: Der Artenschutz geht vor.

Zweites „Repowering“ läuft „am Weißenborn“

Auf der Hochfläche „am Weißenborn“ bei Adorf läuft wie berichtet ein weiteres „Repowering“: Fünf alte Räder wurden im Frühjahr abgebaut, die Wiesbadener Firma Abo-Wind plante den Bau von zwei neuen, knapp 200 Meter großen Windrädern. Die Masten aus Stahl werden derzeit aufgebaut, im Oktober ist die Errichtung des Maschinenhauses und der Rotorblätter vorgesehen. 

Zum 1. August hat Abo-Wind die beiden Windräder an die Gesellschaft „Energieallianz Bayern“ mit Sitz in Hallbergmoos verkauft, einem Zusammenschluss von 37 meist kommunalen Versorgungsunternehmen aus Bayern. Sie baut die neuen Räder fertig, die ab Herbst rund 17,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen sollen.

Klage gegen den Teilregionalplan läuft

Das Thema Windenergie beschäftigt auch den Gemeindevorstand, wie Bürgermeister Volker Becker am Freitag im Parlament informierte. Wie berichtet, hat das Kasseler Regierungspräsidium den umstrittenen Teilregionalplan Energie für Nordhessen erneut öffentlich ausgelegt – das umfasst die Flächen, in denen Änderungen beschlossen worden waren.

 Diemelsee sei durch die dort ausgewiesenen Vorranggebiete KB 80 und KB 87 betroffen, sagte Becker und kündigte an: „Wir werden eine Stellungnahme abgeben."

Gegen den gesamten Plan hat Diemelsee mit Kobach, Willingen und Diemelstadt eine Klage beim Verwaltungsgericht in Kassel eingereicht: Sie akzeptieren nicht, dass bei ihnen neue Vorranggebiete für Windräder ausgewiesen werden sollen.

Zwei Bauanfragen abgelehnt

Zwei Anfragen zum Bau von Windrädern habe der Gemeindevorstand abgelehnt, berichtete Bürgermeister Volker Becker. Bei Wirmighausen wolle ein Investor ein Windrad außerhalb der im Flächennutzungsplan der Gemeinde ausgewiesenen Gebiete bauen. 

Auf dem Gelände des ehemaligen NATO-Depots zwischen Flechtdorf und Helmscheid wolle eine Dresdener Firma ein weiteres Windrad bauen, sagte Becker. Auch der Standort liege außerhalb des Flächennutzungsplans, daher sei auch dieser Antrag abgelehnt worden. (-sg-)

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