Gemeinde will sich am Projekt beteiligen

Diemelseer Parlament stimmt dem Bau des neuen Windrads bei Adorf zu

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Der Bau rückt näher: An der Landesstraße von Adorf nach Vasbeck soll das neue Windrad entstehen. Das Diemelseer Parlament hat dem am Freitag zugestimmt.

Diemelsee-Adorf - Das Verbands-Energie-Werk kann im Osten Adorfs für rund sechs Millionen Euro ein Windrad mit einer Leistung von 5,3 Megawatt bauen. Dem stimmten die Gemeindevertreter am Freitag zu. In einem Zusatzvertrag sollen die Gemeinde und Bürger ein Beteiligungsrecht erhalten.

Das VEW abgekürzte Verbands-Energie-Werk ist eine Tochter des Korbacher Energieversorgers Energie Waldeck-Frankenberg, kurz EWF, bei der die Gemeinde Diemelsee Gesellschafterin ist. 

Problem: 240 Meter Gesamthöhe

VEW-Mitarbeiter Stefan Kieweg hatte das Projekt schon im August im Parlament vorgestellt. Da hatten die Gemeindevertreter noch Diskussionsbedarf, weil das neue Rad mit 240 Metern höher ist als der Flächennutzungsplan erlaubt. Jede Einschränkung der Höhe wirke sich negativ auf den Ertrag des Windrades aus, erklärte Kieweg. Gemeindevorstand und Adorfer Ortsbeirat empfahlen, dem Bau dennoch zuzustimmen.

 Auch am Freitag plädierte Kieweg dafür, von den im Plan angegebenen 200 Metern abzuweichen. Im Gegenzug bot er eine Erhöhung der Pachtgebühr an – das Rad soll auf einem Grundstück der Gemeinde entstehen, deshalb ist ein Nutzugsvertrag erforderlich. Außerdem müssen die Wegenutzung und die Kabelverlegung noch vertraglich geregelt werden. 

Zusatzvertrag mit der Gemeinde

Am neuen Windrad will sich die Gemeinde finanziell beteiligen. In einem Zusatzvertrag räumt ihr das VEW ein unbefristetes Vorkaufsrecht und die unbefristete Option auf eine Anteilserhöhung ein. Diese Ergänzung hatte der SPD-Fraktionschef Martin Tepel vorgeschlagen. 

Die Gemeinde – und damit die Allgemeinheit – müsse angesichts von Auswirkungen etwa auf das Landschaftsbild eine Möglichkeit erhalten zu profitieren, sagte Tepel. 

Ursprünglich hatte die SPD beantragt, das Windrad in Eigenregie zu bauen und zu betreiben – was weder das VEW noch der Gemeindevorstand als sinnvoll erachten. Der Gemeinde fehle das Fachwissen für die Ausschreibung oder die Fachplanung, gab Bürgermeister Volker Becker zu bedenken. Tepel zog den Antrag am Freitag zurück. 

EWF will Gemeinde beteiligen

„Für uns ist wesentlich, dass wir der Gemeinde anbieten einzusteigen“, betonte EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller. Ein Komplettverkauf kommt aber nicht in Frage: „Wir wollen unsere Anlagen mehrheitlich behalten und selber betreiben“, sagte Kieweg. „Wir wollen die Wertschöpfung generieren.“ Schaller gab sich aber verhandlungsbereit, falls sich Diemelsee mit mehr als 50 Prozent beteiligen wolle. 

Bürgerbeteiligung möglich

Horst Wilke fragte nach eine Bürgerbeteiligung, die das VEW anstrebe. Es gebe auch Modelle, in denen VEW, Gemeinde und Bürger jeweils ein Drittel der Anteile hätten, sagte Kieweg. „Es gibt alle Möglichkeiten.“ 

Er schlug vor, mit der Gemeinde ein passendes Modell zu entwickeln, sobald der Bau „näher rückt“.

Jutta Franke von der SPD  fragte nach den 600 Metern Abstand zum Milchviebetrieb von Markus Bornemann. Er könne womöglich kein Wohnhaus dort errichten. 

Außerdem wollte sie wissen, ob das VEW die Abschaltungen des Windrades zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen akzeptiere. „Das ist geltendes Recht", antwortete Kieweg, die Abschaltungen seien „gängige Praxis“. Bei Fledermäusen brächten sie Ertragseinbußen von etwa drei Prozent. 

Verhandlungen über Abbau von fünf alten Rädern

Christian Pohlmann von der FDP fragte nach dem geplanten Abbau von bis zu fünf kleineren, alten Windrädern am Standort. Das werde weiter angestrebt, antwortete der EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller, noch sei aber nicht in jedem Fall eine Einigung erzielt worden. 

„Der Rückbau wäre sehr wünschenswert“, sagte Kieweg. Alte Räder seien eine „Vorbelastung“, sie könnten zu weiteren Ertragseinbußen führen. Blieben welche stehen, müsse das VEW „spitz rechnen“. Ein Risiko bleibe, dass das neue Windrad mangels Wirtschaftlichkeit dann nicht gebaut werde. (-sg-)

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