Diemelseer informieren sich in Rosenthal über innovative Wohnformen für Pflegebedürftige

In der eigenen Gemeinde alt werden

+
Der Geschäftsbereichsleiter für Altenhilfe im Marburger Elisabeth-Verein, Ernst Boltner (3.v.r.), informierte die Diemelseer in Rosenthal über die „Hausgemeinschaften“ für Senioren. Foto: Jürgen Jacob

Diemelsee - Engagierte Diemelseer bemühen sich seit einiger Zeit um ein innovatives Seniorenheim in Adorf, das möglichst zentral in der Dorfmitte entstehen soll.

Bei einem Besuch in Rosenthal haben sich am Montagabend sieben Interessenten aus Diemelsee über die „Hausgemeinschaften am Fischbach“ informiert. Der Marburger Elisabeth-Verein betreibt das Heim für pflegebedürftige Senioren.

Den Besuchern ging es nicht nur um das innovative Konzept des Vereins, sondern auch um den Weg der Rosenthaler. Vor etwa fünf Jahren standen sie vor einer ähnlichen Fragestellung wie derzeit die Diemelseer.

Initiative ergriffen

Eine Gruppe um die ehemaligen Kommunalpolitiker Herbert und Dr. Wolfgang Lay und Helmut Lapp hatte sich Gedanken um die Zukunft der Stadt gemacht. Um die Infrastruktur zu erhalten, hielten sie ein Seniorenheim mit einem alternativen Pflegekonzept für notwendig, um alte Einwohner - und ihre Kaufkraft - in Rosenthal zu halten. Weil von der Stadt anfangs nur wenig Ideen kamen, ergriffen sie die Initiative und gewannen den Elisabeth-Verein als Partner: Er erklärte sich zum Bau und Betrieb eines Heimes bereit. Die Stadt stellte das Grundstück zur Verfügung.

„Optimal wäre es, wenn alle Menschen der Großgemeinde auch bei uns alt werden könnten“, sagte der ehemalige Landtagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Otto Wilke in Rosenthal. Er wünsche sich ein Konzept, das ein Seniorenheim mit Tagespflege und betreutem Wohnen vorsehe. Außerdem müsse die ambulante Pflege der Diakonie ausgebaut werden.

Wegen seiner guten Infrastruktur mit Ärzten, Apotheke und Geschäften biete sich Adorf als Standort an, argumentiert er. Das neue Angebot sieht er als Ergänzung zum klassischen Seniorenheim in Flechtdorf.

In Rosenthal informierten sich die Besucher über das Konzept, das in der Region Burgwald schon dreimal erfolgreich läuft. Der Marburger Elisabeth-Verein betreibt in Wetter und Lahntal-Sterzhausen und seit zwei Jahren auch in Rosenthal kleine Heime, in denen die Senioren heimatnah versorgt werden können.

In der rund 2500 Einwohner zählenden Stadt Rosenthal würden die „Hausgemeinschaften am Fischbach“ mit ihren 34 Plätzen sehr gut angenommen, erklärte der Geschäftsbereichsleiter der Altenhilfe im Elisabeth-Verein, Ernst Boltner, den Diemelseern. „Das Haus genießt den besten Ruf und ist gut in die Ortsgemeinschaft integriert“, unterstrich Herbert Lay.

Möglichst kleine Heime

„Wir betreiben sozialraum-bezogene Seniorenarbeit und sehen dabei ein Pflegeheim als einen Baustein der Arbeit“, sagte Boltner. „Von daher sind Hausgemeinschaften nur ein Teil der Altenhilfe“, sie müssen zudem klein gehalten werden.

„Hausgemeinschaften“ sind vollstationäre Pflegeheime für pflegebedürftige Ältere mit unterschiedlichem Hilfebedarf. Sie bieten kleine, überschaubare Wohneinheiten mit einer Gruppengröße von elf bis zwölf Senioren. Jede hat ein Wohn-/Esszimmer mit eingebauter Küche, kleine Flure und wohnliche Einzelzimmer mit eigenem Bad.

Der Alltag der Heimbewohner wird geprägt durch eine hohe Anzahl vertrauter Arbeiten. Mahlzeiten werden vorbereitet und gekocht, Wäsche gewaschen und zusammengelegt, freie Zeit wird gemeinsam gestaltet. Jeder hat die Möglichkeit, sich seinem Gesundheitszustand und Fähigkeiten entsprechend zu betätigen oder die vertrauten Abläufe eines „Familienhauses“ einfach mitzuerleben - auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit im Rollstuhl.

„Dadurch ist ein ganzheitliches Arbeiten mit den dort lebenden Senioren möglich“, betonte Boltner, „es kommt so mehr Mensch am Menschen an“. Durch die besondere Ausrichtung der Arbeit sei es auch möglich, solche Hausgemeinschaften mit kleinen Bettenzahlen wirtschaftlich zu betreiben. „Auch mit 25 oder 40 Bewohnern kann man in einer solchen Form wohnortnah Seniorenheime gestalten“, sagte Boltner. Außerdem werde dadurch die Einbindung von Angehörigen und Ehrenamtlichen gefördert.

Für die Besucher aus Diemelsee waren solche Informationen interessant. Denn auch im Einzugsgebiet um Adorf gibt es immer mehr Pflegebedürftige, aber für den Bau größerer Gebäude kaum Möglichkeiten. „Aber für solche Kleinstheime haben wir doch interessante Standorte“, sagte ein Besucher aus Diemelsee. Mit den Informationen aus Rosenthal sollen in Diemelsee weitere Ideen entwickelt und Standorte gesucht werden.

„Waren alle beeindruckt“

„Von dem Besuch waren alle beeindruckt“, sagte Wilke. „Das Beispiel Rosenthal zeigt, dass es auch in kleinen Einheiten geht.“ Die Diemelseer hätten sich schon Heime in Gemünden, Battenberg und Frankenau angesehen und mit Betreibern gesprochen. Weitere Treffen etwa mit der Diakonie sind geplant. Unterstützung erhoffen sich die Initiatoren aber auch von Gemeinde und Kommunalpolitik. Denn wie in Rosenthal sei das Heim ein Beitrag zur Zukunftssicherung Diemelsees.

Von Jürgen Jacob

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare