Schutz der nützlichen Tiere Thema im RP

Muschelsterben im Diemelsee: Das kann dagegen unternommen werden

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Die geöffnete Schale einer Schwanenmuschel oder großen Teichmuschel: In Hessen stehen sie auf der Roten Lite der vom Aussterben bedrohten Tiere. Deshalb beriten Fachkleute am Diemelsee, wie sich die nützluichen Tiere schützen lassen.

Diemelsee. Nach dem Muschelsterben wegen der niedrigen Wasserstände im Diemelsee lud die Obere Naturschutzbehörde im Kasseler Regierungspräsidium am Montag Nachmittag zu einem Ortstermin. Dabei berieten Fachleute über den Schutz der nützlichen Tiere.

An dem Termin am See nahmen auch Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, der Wasserstraßen- und Schiff-Fahrtsverwaltung in Hann. Münden und des Waldeck-Frankenberger Naturschutzbundes teil. „Es ging um eine Analyse der Situation sowie um kurzfristige Lösungen und künftige Vorgehensweisen“, erklärte der Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Michael Conrad. 

Erste Feststellung: Keinem der an dem Treffen Beteiligten sei das Ausmaß des Muschelbestandes im See vorher bekannt gewesen – weder dem amtlichen und dem ehrenamtlichen Naturschutz noch der Wasser- und Schiff-Fahrtsverwaltung. Deshalb sei die große Muschelbank am trocken gefallenen Ufer auch erst so vergleichsweise spät entdeckt worden. 

Die WLZ berichtete vor drei Wochen über den Fund, den Norbert Biederbeck aus Bontkirchen und der Muschel-Fachmann Wolfgang Lehmann vom NABU-Kreisverband publik gemacht hatten. Er fand in ganz Hessen und in Westfalen Beachtung, sogar Fernsehteams rückten an. 

Niedriger Wasserstand 

Der Diemelsee weist derzeit einen ausgesprochen niedrigen Wasserstand auf, doch noch immer strömt Wasser aus der Talsperre in die Diemel. 

Am Mittwoch waren rund 4,45 Millionen Kubikmeter Wasser im Diemelsee, bei unter drei Millionen Kubik wird es kritisch für die Ökologie. Der See ist derzeit nur noch zu 22,3 Prozent gefüllt. Das Amt in Hann. Münden hat den Abfluss in die Diemel auf 0,6 Kubikmeter pro Sekunde reduziert. Nach den Regenfällen der vorigen Tage ist der Zulauf auf 0,8 Kubikmeter pro Sekunde angeschwollen, der Wasserpegel im See ist so leicht gestiegen.

Grund für den überdurchschnittlichen Wasserablass des Diemelsees sei die extreme und so lang anhaltende Trockenheit des Sommers gewesen, hält Conrad fest. Ein Gewässerkundler des Amtes in Hann. Münden hatte auf Nachfrage unserer Zeitung dargelegt, es müsse auch weiter Wasser aus dem See an die Diemel abgegeben werden, um die Ökologie des Flusses nicht zu schädigen. Conrad nannte gestern insgesamt drei „Erfordernisse“ fürs Ablassen: 

  • wie vom Amt genannt die Flussökologie der Diemel, 
  • die Funktion des Flusses als Vorfluter der Klärwerke und 
  • die Wasserrechte von angrenzenden Unternehmen wie der Papierfabriken etwa in Diemelstadt – sie benötigen Wasser für ihre Produktion. 

Angesichts dieser Zwänge werde das Trockenfallen der Muschelbänke bei vergleichbaren Wetterentwicklungen auch künftig nicht vermeidbar sein, schätzt die Obere Naturschutzbehörde. Aber jetzt, sei der Umfang der Teichmuschel-Population bekannt.

Muschen bei Trockenheit umsetzen

Deshalb sollen für die Zukunft die „Ablassereignisse“ der vergangenen Jahre analysiert und auf ein Geländemodell übertragen werden. Daraus soll sich ergeben, wann Schritte zum Schutz der Muschelbestände notwendig werden. Ein Arbeitskreis solle sich um ihre Umsetzung kümmern, berichtete Conrad. 

Unmittelbare Rettungsaktionen für die Muscheln seien dann sinnvoll, wenn die Tiere innerhalb des Seebeckens in den alten Flusslauf der Diemel gesetzt werden können. (r)

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