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Familie Becker will am Diemelsee einen „Hafen“ für Wohnmobilisten bauen

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Der geplante „Wohnmobilhafen“ am Diemelsee in einer Visualiserung: Vorn liegt der Eingang mit der Rezeption. Unten links sind die „Camper-Pods“ zu sehen, die Wander-Häuser liegen oberhalb.
Der geplante „Wohnmobilhafen“ am Diemelsee in einer Visualiserung des Planungsbüros: Vorn liegt der Eingang mit der Rezeption. Unten links sind die „Camper-Pods“ zu sehen, die Wander-Häuser liegen oberhalb. © Planungsbüro funke + funke, Dorsten

Susanne und Claus Becker aus Stormbruch und Björn Becker aus Adorf wollen einen „Wohnmobilhafen“ auf der Stormbrucher Seite des Diemelsees bauen. Die Gemeindevertreter begrüßen das Projekt.

Diemelsee-Heringhausen – Viele Millionen haben die Gemeinde und Unternehmer am Diemelsee investiert. Eine Gruppe Urlauber kam dabei aber bislang nicht zum Zuge: Das Angebot für Wohnmobilisten muss nach Ansicht von Tourismus-Fachleuten dringend verbessert werden. Genau das haben die Beckers vor: Sie wollen einen „Wohnmobilhafen“ auf der Stormbrucher Seite neben den vorhandenen Campingplätzen bauen.

Am Montag stellten sie und die Architektin Carola Hestermann das auf 4,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt den Diemelseer Gemeindevertretern vor. Die gaben den Investoren am Ende ein einmütiges Signal: Bei zwei Enthaltungen begrüßten alle das Vorhaben.

Boomender Markt

„Wir müssen für Wohnmobile was machen,“ erklärte Bürgermeister Volker Becker – der Markt boomt stark. Bislang gebe es auf dem Platz am Seeufer aber nur eine Schotterpiste ohne Strom- und Wasseranschluss. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, einen Platz zu bauen und zu betreiben. Der Gemeindevorstand begrüße daher das Projekt der Familien Becker: „Die Stellplätze brauchen wir.“

Kaufkraftstarke Gruppe

Die Zielgruppe seien nicht Dauercamper, es gehe um die Reisetouristik, betonte Susanne Becker. Die Wohnmobilisten seien in der Regel eine kaufkraftstarke Gruppe, die Wert auf Komfort und eine hochwertige Infrastruktur legten. Sie blieben nur relativ kurz und nutzten die Angebote vor Ort. Im Schnitt gäben sie 54 Euro am Tag aus – 5,60 Euro koste sie der Platz, der Rest fließe in touristische und gastronomische Angebote oder in Dienstleistungen und Geschäfte. Die Gemeinde erhalte die Tourismusabgabe von den Gästen. Auch Arbeitsplätze würden geschaffen. Und eine Angebotslücke zu Nachbarkommunen in der Region werde geschlossen.

Die Investoren rechnen zunächst mit rund 27 000 Gästen im Jahr, sind aber überzeugt, dass sich ihr Angebot dank der besonderen Lage und Ausstattung ihres Platzes in der Szene der Wohnmobilisten rasch herumspricht.

Konzept vorgesellt

Carola Hestermann vom Planungsbüro Funke + Funke aus Dorsten stellte das geplante Konzept des „Hafens“ vor. Wegen der Hanglage sind mehrere Ebenen vorgesehen mit:

Der geplante „Wohnmobilhafen“ am Diemelsee in einer Visualiserung des Planungsbüros:  Der Blick von einer „Premium-Bucht“ für Wohnmobile auf den Diemelsee und die Berge.
Der geplante „Wohnmobilhafen“ am Diemelsee in einer Visualiserung des Planungsbüros: der Blick von einer „Premium-Bucht“ für Wohnmobile auf den Diemelsee und die Berge. © Planungsbüro funke + funke, Dorsten

Auszeichnung des Deutschen Tourismusverbandes angestrebt

Die Beckers streben eine Auszeichnung des Deutschen Tourismusverbandes an. Zu den Kriterien gehören etwa Stellplätze mit Stromanschluss und viel Grün, eine persönliche Gästebetreuung, die Wasserversorgung sowie die Abwasser- und Abfallbeseitigung und Sanitäreinrichtungen über dem Standard.

Den Investoren ist klar, dass sie noch Hindernisse zu überwinden haben. Mit Baufirmen und Planern arbeiten sie schon an Lösungen.

Problem Zufahrtsstraße

Ein Problem ist die Zufahrt in Richtung „Hohes Rad“: Der derzeitige Weg ist zu schmal für zwei Wohnmobile. Claus Becker schlug eine Verbreiterung auf sechs Meter mit einem befestigten Schotterrand vor. Auch die Einmündung von der Stormbrucher Brücke in den Weg müsste verbreitert werden.

Geklärt werden muss zudem die Zukunft des öffentlichen Parkplatzes am Weg, den die Investoren gern mit einbeziehen würden. Bürgermeister Becker schlug vor, einen Behelfsparkplatz neben dem „Hafen“ auszuweisen. Abwasser muss durch den See zur Heringhäuser Kläranlage gepumpt werden.

Gemeindevertreter setzen ein Zeichen

Die Beckers baten die um ein Signal der Gemeindevertreter, ob ihr Projekt gewünscht sei. Frank Bemmann von der CDU forderte, „wir können doch kundtun, ob wir das Projekt wollen oder nicht.“ Das fand auch Parlamentschefin Hannelore Behle: „Der Vortrag war einleuchtend. Wenn sich junge Leute aus Diemelsee dafür stark machen zu investieren, sollten wir Gemeindevertreter auch ein Zeichen setzen.“ So kam es zu dem klaren Abstimmungsergebnis.

SPD-Fraktionschef Martin Tepel fragte, wie es bis zur nächsten Sitzung im Oktober weiter gehen solle. Das Baurecht und Verträge mit den Investoren fehlten. Zunächst gehe es an den Flächennutzungsplan, antwortete der Bürgermeister. „Alles andere braucht Zeit.“ Das Grundstück sei das letzte in Diemelsee, das touristisch genutzt werden solle. Das Projekt habe Einfluss auf das Landschaftsbild, das müsse diskutiert werden.

Bürgerversammlung Ende September

Eine Bürgerversammlung stehe ebenfalls noch aus: Ende September sollen die Pläne in Heringhausen allen Interessenten vorgestellt werden – auch die Gelegenheit zur Diskussion ist gegeben.

Die Familien setzen auf Offenheit. Schon im Dezember hatten sie ihre Pläne dem Heringhäuser Ortsbeirat, dem Gemeindevorstand und dem Bauausschuss des Parlamentes vorgestellt. -sg-

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