Wohnen im alten „Lehrerstall“

Familie Butzlaff-Muschick saniert Wirtschaftsgebäude der Alten Schule in Vasbeck

Als Kulturdenkmal geschützes Ensemble: die Alte Schule in Vasbeck mit dem vorgelagerten Wirtschaftsgebäude. Die Familie Butzlaff-Muschick hat die beiden 1906 fertiggestellen Gebäude saniert und zu Wohnzwecken umgebaut.
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Als Kulturdenkmal geschützes Ensemble: die Alte Schule in Vasbeck mit dem vorgelagerten Wirtschaftsgebäude. Die Familie Butzlaff-Muschick hat die beiden 1906 fertiggestellen Gebäude saniert und zu Wohnzwecken umgebaut.

Die Familie Butzlaff-Muschick baut das einstige Wirtschaftsgebäude der Alten Schule in Vasbeck zu Wohnzwecken um. Bis Ende August sollen die meisten Arbeiten abgeschlossen sein.

Diemelsee-Vasbeck – Lang ist’s her, dass der Vasbecker Lehrer Adolf Brandt im Stall seine Ziegen hielt – seine „Beamtenkühe“, wie Philipp W. Emde in seinem Buch über den außergewöhnlichen Pädagogen schreibt. Auch das Brennholz und der Barren für den Sportunterricht waren dort untergebracht.

Das einstige Wirtschaftsgebäude der Alten Schule steht bis heute. Allerdings ist die Nutzung eine andere: Die Familie Butzlaff-Muschick hat den Ziegel- und Fachwerkbau aus der Kaiserzeit saniert und zu Wohnzwecken umgebaut – ein Wohnzimmer mit Kochnische, zwei Bäder, drei Schlafzimmer und unterm Dach bis zu vier Betten für Kinder stehen zur Verfügung.

Schule 1906 eröffnet

Am 6. Juli 1906 war die neue, zweigeschossige Schule an der Massenhäuser Straße mit einem großen Fest eingeweiht worden. Bis 1970 war sie in Betrieb, seitdem wird der Vasbecker Nachwuchs in Adorf unterrichtet. Die Gemeinde verkaufte die Gebäude. 1986 wurde das Ensemble zum Kulturdenkmal ernannt.

Hessischen Denkmalschutz-Preis erhalten

Die bundesweit verstreut lebende Großfamilie Butzlaff-Muschick kaufte die Alte Schule 2014 und sanierte sie bis Ende 2017 größtenteils in Eigenleistung. Im August 2017 erhielt sie den hessischen Denkmalschutz-Preis. Sie nutzt die Alte Schule als zentralen Mittelpunkt für Treffen und Feiern. In Corona-Zeiten schrieben jüngere Familienmitglieder ihre Abschlussarbeiten in Vasbeck.

Nach dem alten Schulgebäude hat sie den bislang als Material- und Gerätelager genutzten „Lehrerstall“ saniert. „Wir verneigen uns vor der Leistung der Baumeister und Vorbesitzer und der heutigen Handwerker“, sagt der Diplom-Ingenieur Janosch Muschick, der in Wuppertal das Innenarchitekturbüro „Innere Angelegenheiten“ betreibt und an den Planungen maßgeblich beteiligt war.

Der Ansatz sei gewesen, in dem relativ kleinen Gebäude ein so großes Raumvolumen wie möglich zu erzeugen. Das sei gelungen durch viel Licht und durch Blickachsen, die das Häuschen größer erscheinen ließen als es sei.

„Typus des Stalles gerecht werden“

Bei der Materialauswahl, der Einrichtung und der Raumgliederung sei wichtig gewesen, dem „Typus des Stalles gerecht zu werden“, beschreibt Musachick. Es habe „keine Edelhütte“ werden dürfen, „einfache Lösungen“ seien erforderlich gewesen – „ein funktionaler Materialismus“. Und es sei barrierearm gebaut worden.

Baulich gab es zwei Herausforderungen: Die Balken der Zwischendecke waren von Würmern zerfressen, und für die Statik musste im „Kniestock“ ein Ringanker aus Stahlbeton gesetzt werden. Außen blieb das alte Fachwerk erhalten. „Sonst wäre der Charme weg gewesen.“

Abstimmung mit der Denkmalpflege

Die Planungen sind abgestimmt mit dem Marburger Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab und mit Walter Schumann von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises – sie hatten schon die Sanierung des Schulgebäudes begleitet. „Es war ein guter Dialog“, betont Muschick, es seinen „gute Lösungen gefunden“ worden.

Im September 2019 stellte die Familie den Bauantrag. Wieder erledigte die Familie vieles in Eigenleistungen, ein Drittel komplett, anderes in Zuarbeit für die Handwerker.

Möglichst viele Eigenleistungen

„Eine Prämisse für uns war, dass wir alle wesentlichen Hilfsarbeiten selber machen“, sagt Muschick. „Sonst wäre es für uns nicht zu stemmen gewesen.“ Die Handwerker hätten sich darauf eingelassen, die Zusammenarbeit mit ihnen „war großartig“. Die Bauaufträge gingen fast komplett an heimische Firmen von Willingen über Korbach bis Twiste. Von Türen und Balken bis zu den Falzziegeln wurde so viel altes Material wie möglich wiederverwendet.

Abrissarbeiten im Inneren: Der Boden und die alten Zwischenwände des Wirtschaftsgebäudes mussten raus.

Bei der Innengestaltung traf eine dreiköpfige „Einrichtungskommission“ Vorentscheidungen, sie habe „ästhetische Prämissen formuliert“, sagt Mischick: Rustikal und schicht, leicht und hell sollte es werden. Das letzte Wort hatte die 30-köpfige Familie per Online-Konferenz. Zeitweise sprachen sie sich wöchentlich ab.

Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 148 Quadratmetern und eine Wohnfläche von 117 Quadratmetern. An der Südseite wurde im Erdgeschoss ein Freisitz angelegt.

Hell und geräumig: Blick ins Wohnzimmer des einstigen Wirtschaftsgebäudes. Rechts die Kochnische, links hinter der Fensterfront der angebaute Freisitz.

Rund 190 000 Euro Kosten

An Gesamtkosten kommen rund 190 000 Euro zusammen. Fördergelder erwartet die Familie vom Denkmalschutz und der Diemelseer Dorfentwicklung. „Ohne sie hätten wir das nicht machen können“, sagt Muschick.

Die Bauarbeiten brachten alle Generationen der Familie enger zusammen. Insofern hätten sie den „sozialen Wohnungsbau“ anders interpretiert, sagt Muschick: weniger architektonisch, eher im Zusammenwirken: Alle hätten sich mit ihren verschiedenen Fähigkeiten in das zeitaufwendige Projekt eingebracht. Und, passend zur Alten Schule: „Wir alle haben viel gelernt.“

Online abstimmen

Mit dem „Lehrerstall“ bewirbt sich die Familie um den 10. Heinze-Architekten-Award 2020 - es ist das einzige Objekt aus Waldeck-Frankenberg. Alle Architekturobjekte nehmen automatisch an einer Publikumsbewertung teil. Besucher können sich bis Ende August unter https://www.heinze.de/architekturobjekt/alter-lehrerstall-vasbeck/12816075/ die Bewerbung anschauen, oben den fünfen Stern anklicken und so für das Projekt stimmen. (-sg-)

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