Gutachter geht von Psychose aus

Flüchtling soll in Vasbecker Unterkunft Feuer gelegt haben

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Die Flüchtlingsunterkunft in Vasbeck, das ehemalige Hotel Westfalenblick.

Vasbeck/Kassel. Ein Feuer in der Vasbecker Flüchtlingsunterkunft soll ein 26-jähriger Iraner vor gut einem Jahr gelegt haben – ein Gutachter geht von psychischen Problemen aus.

50 Menschen hielten sich zum Tatzeitpunkt am 5. Juni 2018 im Gebäude auf: Am Kasseler Landgericht muss der junge Mann sich also wegen schwerer Brandstiftung verantworten – verletzt wurde niemand.

Der vergangenes Jahr nach Deutschland eingereiste Mann bestritt die Vorwürfe vor Gericht. Einem am ersten Verhandlungstag gehörten Gutachter zufolge ist von einer psychiatrischen Erkrankung auszugehen: Wenn der Mann das Feuer gelegt haben sollte, spielte dabei wohl eine paranoid-halluzinatorische Psychose eine Rolle.

Nach 5 Uhr am 5. Juni 2018 sprang der Brandmelder der Unterkunft an, in der zu diesem Zeitpunkt 50 Menschen untergebracht waren. Als der Hausmeister im Erdgeschoss ankam, entdeckte er den Beschuldigten: In einer Hand habe er eine Bratpfanne gehalten, in der anderen ein Feuerzeug, berichtete der 35-Jährige – letzteres könne er nicht mehr mit Sicherheit sagen. Während der Mann gegangen sei, suchte der Hausmeister nach dem Feuer.

Gekokelt worden war an dekorativen Holzelementen an einer Lampe, Teile des Bodens waren versengt. Der Hausmeister griff zum Feuerlöscher, ein Einsatz der Feuerwehr war nicht notwendig. Doch wäre er nicht eingeschritten, hätte es eine halbe Stunde später gebrannt, sagte er. Das frühere Hotel sei mit flammdämmenden Materialien erbaut worden, „aber auch die brennen irgendwann“, sagte ein Polizist aus, der den Tatort besichtigte.

Der 26-jährige Iraner brachte im Lauf des Jahres verschiedene Versionen des Vorfalls zu Protokoll. Vor Gericht sagte er aus, die Treppe hinabgegangen zu sein, als er Rauch roch. Ein Afrikaner habe die Lampe angezündet und gelacht, bevor er weggelaufen sei. Eine Verfolgung sei ohne Erfolg geblieben, worauf er versuchte, das Feuer mit der Hand zu löschen. Wenige Sekunden darauf sei der Hausmeister aufgetaucht.

Dieser sagte, dass der junge Mann die Tat am folgenden Nachmittag eingeräumt habe. Gegenüber der Polizei stritt er es am Abend dann wieder ab. In Gesprächen mit dem Betreiber der Unterkunft habe er es mal eingeräumt, mal bestritten, sich mal entschuldigt, mal Ausführungen gemacht, denen er nicht folgen konnte, berichtete der 54-Jährige.

„Bestimmte Angaben erwecken den Eindruck, dass er optisch halluziniert hat“, berichtete der Gutachter, unter anderen Psychiater und Neurologe. So habe der junge Mann berichtet, einige Tage zuvor Zeichen und Bilder an der Wand gesehen zu haben, sowie Fußabdrücke wie von einem Schaf – giftig seien diese gewesen. Auch hatte er einmal sein Zimmer demoliert, weil er ständig den Radiowecker hörte – auch hiernach sei er vergiftet worden, habe er berichtet.

„Er war im Realitätsbezug so sehr eingeschränkt, dass Einsicht und Steuerungsfähigkeit nicht mehr gegeben waren“, lautete die Einschätzung des Fachmanns. Er erhalte sei geraumer Zeit Medikamente – wenn er diese beibehalte, sei das Risiko von Straftaten wohl gering.

Der Prozess wird am 27. Juni fortgesetzt.

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