Gemeinde Diemelsee unterstützt den Vorstand seit Jahren

Förderverein fürs Flechtdorfer Kloster schließt zwei Bauprojekte ab

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Scheckübergabe im alten Konventsgebäude des Flechtdorfer Klosters. Von links zu sehen sind Klosterführer Erhard Westmeier, Kassenwart Uwe Lutz-Scholten, Bürgermeister Volker Becker, der Vorsitzende des Fördervereins, Helmut Walter, und die Vorstandsmitglieder Hildegard und Winfried Becker.

Der Förderverein fürs Flechtdorfer Kloster hat zwei Bauprojekte abgeschlossen, die Gemeinde Diemelsee unterstützt ihn.

Einen symbolischen Scheck über 15 000 Euro überreichte Bürgermeister Volker Becker an den Vorstand des Fördervereins. Die Gemeinde Diemelsee sei über Jahre ein „treuer Partner“ des Vereins, betonte er – die nächsten 15 000 Euro stehen schon im Haushalt 2020. 

Die engagierten Mitglieder hätten das „kulturelle Juwel“ weit nach vorn gebracht, sie machten sich viele Gedanken um den Erhalt und die Nutzung der historischen Gebäude, sagte Becker. Es sei nicht immer einfach, mit der Denkmalpflege zu verhandeln oder Fördergelder einzuwerben. Doch der Ausbau des „Klosterforums“ geht weiter. 

2018 hatte der Förderverein zwei große Bauprojekte begonnen, die bis Ende 2019 weitgehend abgeschlossen wurden. Der Vorsitzende Helmut Walter stellte den Stand der Arbeiten vor. 

„Klosterherberge“  eingerichtet

Blick in ein Zimmer der neuen "Klosterherberge".

Im einstigen Wirtschaftsgebäude wurde mit Geldern aus dem „Leader“-Programm der Europäischen Union eine „Klosterherberge“ eingerichtet, die für Wander- oder Jugendgruppen gedacht ist. Sie umfasst drei Mehrbettzimmer im historischen Ambiente unterm Dach. Sie haben eigene Bäder mit Dusche. Auch eine kleine Küche ist eingerichtet. Baukosten: insgesamt rund 260 000 Euro. 

Ab diesem Jahr solle die Herberge genutzt werden, die ersten Buchungen lägen bereits vor, berichtete Walter. Anmeldungen sind über die Webseite www.kloster-flechtdorf.de möglich. 

Westflügel des Klosterkonvents saniert

Außerdem wurde der historische Westflügel des Klosterkonvents aus der Zeit der Romanik saniert. „Diese Gebäudeteil ist am wertvollsten“, berichtete Kassenwart Uwe Lutz-Scholten. „Er war einsturzgefährdet.“ Im „Dormitorium“ schliefen vermutlich einst die Laienbrüder, dort ist ein großer Saal entstanden, der für Ausstellungen, Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen genutzt werden kann. 

Das neue Treppenhaus im Flechtdorfer Konventsgebäude, der Raum hat noch ein Gewölbe aus romanischer Zeit.

2018 wurde der Dachstuhl erneuert, für die Saaldecken wurden die alten Balken aufbereitet und wiederverwendet. In diesem Jahr folgte der Innenausbau, der Lehmfußboden wurde egalisiert, neue Türen und Fenster wurden eingebaut. Nebenan wurde ein Treppenhaus errichtet. Dieser Raum weise noch ein altes Kreuzgewölbe auf, das vielleicht 900 Jahre alt sei, schätzt Lutz-Scholten. Es habe sich wahrscheinlich einst im „Dormitorium“ fortgesetzt – steinerne Konsolen sind noch vorhanden.

 Kleinere Arbeit an der Elektrik oder der Beleuchtung wollen die Mitglieder noch in Eigenleistung erledigen – sie haben auch Elektriker in ihren Reihen. Auch ein dritter Raum in dem Flügel wird ausgebaut. Seit kurzem führt eine Außentreppe vom Ringhof in den neuen Saal. Baukosten dieses Projekts: rund 400 000 Euro, etwa 300 000 Euro steuerten Bund und Land bei. Der Förderverein hofft noch auf eine Beihilfe der Stiftung deutsche Denkmalpflege.

Ältestes Kloster in Waldeck

Blick aufs einstige Flechtdorfer Benediktiner-Kloster. Links die Klosterkirche, unten der Westflügel mit dem "Klosterforum" und der "Klosterherberge" unterm Dach, neben den beiden Kirchtürmen steht das alte Konventsgebäude mit dem einstigen Schlafsaal der Mönche. Beide Flügel werden im Norden durchs Abtshaus verbunden. In der Mitte befindet sich der Ringhof.

Die ehemalige Benediktinerabtei in Flechtdorf ist das älteste Kloster in Waldeck. Die Kirche und das Konventsgebäude stammen aus dem 12. Jahrhundert, die angrenzenden Wirtschaftsgebäude sind jünger. Das Bauensemble drohte zu verfallen. Deshalb gründete sich 2006 der Förderverein, der die Restaurierung vorantreibt und das einzigartige Baudenkmal wieder mit Leben füllen will. 

Im ersten Bauabschnitt hat der Verein das „Klosterforum“ als Begegnungsstätte geschaffen. Es verfügt über das Abtszimmer, einen Seminarraum, eine Küche, den „Raum der Stille“, eine Tenne, den Ringhof, die Klosterscheune und den Klosterkeller. Die „Klosterherberge“ über den einstigen Stallungen und das Konventsgebäude mit seinen massiven Steinmauern bildeten die nächsten Abschnitte. Das einstige Rentmeisterhaus aus Fachwerk harrt noch der Sanierung. 

Gemeinde  und Kreis unterstützen

Die Gemeinde unterstützt die Sanierung des Bauensembles. Im Abtszimmer sind standesamtliche Hochzeiten möglich. Auch der Kreis beteiligt sich mit regelmäßigen Zuschüssen in ähnlicher Größenordnung. Die Gemeinde finanziere zudem die Bauarbeiten vor und betätige sich als Türöffner, um Fördergelder einzuwerben, erklärte Becker. Das neue „Klosterforum“ werde bereits gut genutzt für kulturelle Angebote, Hochzeiten oder Feiern. 

Als jüngste Beispiele nannte Uwe Lutz-Scholten den Weihnachtsmarkt der Flechtdorfer Vereine und den Weihnachtsbaumverkauf der Schützengesellschaft im Ringhof. Es seien wieder „schöne kleine Dorffeste“ geworden. „Sie wirken ins Dorf, die Leute begegnen sich.“ So wie es das „Forum“ will. (-sg-)

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