Wiesbadener Firma baut vier Altanlagen „Auf dem Dockel“ ab, die EWF eine weitere

Aus fünf Windrädern mach zwei: Abo-Wind hat das Repowering bei Adorf begonnen

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Die Wiesbadener Firma Abo-Wind hat das Repowering bei Adorf begonnen: Fünf alte Windräder werden derzeit abgebaut, im Sommer werden zwei neue, leistungsstärkere aufgebaut.

Diemelsee-Adorf – Die Wiesbadener Firma Abo-Wind hat das Repowering bei Adorf begonnen: Fünf alte Windräder verschwinden derzeit, zwei neue, leistungsstärkere werden bis Oktober aufgebaut.

Ein schwerer Kran lässt die 46 Tonnen schwere Gondel auf den Boden nieder.

Ein schwerer Mobilkran aus Kassel hebt die 46 Tonnen schwere Gondel mühelos vom Masten, der Kranführer lässt sie langsam nach unten gleiten. Am Boden liegen schon die drei 29,50 Meter langen Rotoren, die zusammengebaut mit Nabe 29 Tonnen wiegen. Die drei Metallsegmente der knapp 100 Meter hohen Masten befördert der Kran als nächstes zu Boden. Binnen eines Tages verschwindet so ein weiteres Windrad aus der Landschaft bei Adorf. 

„Auf dem Dockel“ lässt die Wiesbadener Firma Abo-Wind derzeit vier alte Windräder abbauen, um sie durch zwei neue, höhere und deutlich leistungsstärkere zu ersetzen. Repowering wird dieser Austausch genannt. 

2002 hatte Abo-Wind einen Windpark mit vier knapp 100 Meter hohen Rädern errichtet, die eine Leistung von jeweils einem Megawatt haben. Gleich nebenan betrieb die kommunale Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg seit 1995 ein 85 Meter hohes Rad mit 0,5 Megawatt Leistung. Alle fünf verschwinden.

Arbeiten seit Februar

Im Februar begann Abo-Wind mit den Vorarbeiten: Im Wäldchen am Ringelsberg gab es Rodungen, um Platz zu schaffen fürs Baugerät. Viel habe nicht abgeholzt werden müssen, sagt Judith Michler, die Wege führten überwiegend über „Offenland“. 

Mitte März wurden zwei Feldwege am Ringelsberg und am Weißenborn verbreitert und geschottert für die schweren Kräne und die großen Transportfahrzeuge mit ihren sperrigen Anlagenteilen – später werden die Wege wieder zurückgebaut.

Der Abbau der alten Windräder

Arbeiten am Boden: Die drei Rotorblätter werden von der Nabe abmontiert.

Am 2. Mai ist das Abrissunternehmen Hagedorn aus Gütersloh angerückt. Es hat seit 2014 eine spezialisierte Abteilung für den Abbau von Windrädern, deren Leiter ist Ralf Voßhenrich. Er habe gerade acht Leute vor Ort, zwei vom Abbruchteam und sechs Monteure, berichtet er. 

Mit eingebunden sind Monteure der Firma Bornmann Windtechnik aus Blomberg – ihr Chef Benjamin Bornmann war 2002 schon am Aufbau der vier Räder beteiligt, damals noch als Mitarbeiter einer anderen Firma. Nach Vorarbeiten ging es an den Abbau. 

Handarbeit: Die drei Mastensegmente aus Metall werden auseinandergeschweißt – sie werden verschrottet.

Einen Tag brauche es, um ein Windrad abzubauen, einen weiteren, um den Kran neu einzurichten, berichtet Voßhenrich. Das letzte der vier Räder verschwand am Donnerstag. Vor Ort wurden die drei Rotorenblätter von der Nabe abmontiert. Die Turmsegmente aus Metall werden auseinandergeschweißt, um sie gut abtransportieren zu können. Auch die Betonfundamente werden zurückgebaut und restlos aus dem Boden geholt. 

Kosten des Abbaus: insgesamt 400 000 Euro, dafür habe Abo-Wind während des Betriebs Rücklagen gebildet, sagt Judith Michler, die bei Abo-Wind Referentin für Kommunikation ist. 

Bereit zur Verschrottung: Ein zerlegtes Mastsegment.

Ein Windrad habe Hagedorn ins Ausland verkauft, erklärt Voßhenrich. Von den drei anderen dienten Gondeln und Rotoren als „Ersatzteilspender“, die Masten sollen verschrottet werden. 

Das fünfte Windrad lässt die Energie Waldeck-Frankenberg von einer anderen Firma abbauen. Es sei seit Ende April außer Betrieb, berichtet Pressesprecher Axel Voigt. Der Abbau ermöglicht erst den Bau der neuen Windräder.

Die weiteren Arbeiten

Als nächstes werden die Standorte der beiden neuen Windräder hergerichtet – einer liegt etwa 500 Meter westlich des Hermannshofes, der zur Wirmighäuser Siedlung Zollhaus gehört. Die Twister Firma Marpe hat bereits mit dem Ausschachten für die Fundamente der neuen Windräder begonnen. Im Juni sollen die Fundamente betoniert werden. 

Im August soll der Aufbau der beiden neuen Räder beginnen, voraussichtlich im Oktober gehen sie in Betrieb. „Es liegt alles gut im Zeitplan“, sagt Michler. Nach acht Monaten sei das Repowering abgeschlossen.

Die beiden neuen Nordex-Windräder sind knapp 200 Meter hoch, sie haben eine Nabenhöhe von 134 Metern, einen Rotordurchmesser von 131 Metern und sollen eine Leistung von jeweils 3,3 Megawatt erbringen.

„Paradebeispiel für Repowering“

Bereit zum Abtransport: Rotoren und Nabe eines zerlegten Windrades.

Dieses Projekt sei ein „Paradebeispiel für Repowering“, sagt Michler. „Das ist ein super Standort, der Wind ist gut“, deshalb sei das Repowering sinnvoll. Auf der Fläche herrscht nach Ermittlungen des Unternehmens in Nabenhöhe eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 6,6 Metern pro Sekunde. „Für einen Standort im Binnenland ist dies ein sehr guter Wert.“ 

Die neuen Anlagen könnten diese guten Bedingungen viel wirtschaftlicher umsetzen, sagt Michler: Sie kämen auf eine Leistung von 6,6 Megawatt. Die alten erreichten nur vier Megawatt. Abo-Wind rechnet damit, dass die beiden neuen Räder pro Jahr rund 17,5 Millionen Kilowattstunden Strom liefern. 

Diese Menge reiche, um den Bedarf von rund 10 000 Privatleuten zu decken. Die beiden Windräder vermieden zudem den Ausstoß von mehr als 13 000 Tonnen Kohlendioxyd im Jahr.

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