Gemeinde sucht den Kompromiss mit der Dorfentwicklung

Diemelseer Gemeindevertreter wollen Bedarf an Bauplätzen decken

Neue Bauplätze auf der Wiese? Am Reik in Adorf könnten fünf bis sechs neue Parzellen ausgewiesen werden, auch für Vasbeck und Wirmighausen gibt es Pläne – das hessische Umweltministerium muss ihnen aber zustimmen. Foto: Schilling
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Neue Bauplätze auf der Wiese? Am Reik in Adorf könnten fünf bis sechs neue Parzellen ausgewiesen werden, auch für Vasbeck und Wirmighausen gibt es Pläne  für neue Baugebiete – das hessische Umweltministerium muss ihnen aber zustimmen. Die Gemeindevertreter suchen den Kompromiss

In Wirmighausen, Vasbeck und Adorf sollen neue Bauplätze geschaffen werden. Die Diemelseer Gemeindevertreter suchen dabei den Kompromiss mit Vorgaben der Dorfentwicklung.

Diemelsee-Adorf - Bei einer Gegenstimme fassten die Gemeindevertreter bei ihrer Sitzung am Freitag im Adorfer Feuerwehrhaus den Aufstellungsbeschluss für die entsprechenden Bebauungspläne in den drei Dörfern. Doch das Baurecht auch zu erhalten, ist kompliziert. 

Eigentlich könnten sich Verwaltung und Kommunalpolitiker freuen: Das Interesse von Bauwilligen ist groß: „Der Bedarf ist da“, berichtete Bürgermeister Volker Becker. Auswärtige und Diemelseer suchen Grundstücke, sogar einige Ehemalige zieht es wieder zurück in die Heimat.

 Der Trend macht sich bereits bemerkbar, wie Becker in seiner Haushaltsrede betont hatte: Nach Jahren des Bevölkerungsrückgangs ist die Einwohnerzahl der Gemeinde sei in den vorigen elf Monaten um 30 gestiegen. 

Kaum mehr freie Bauplätze

Doch es gibt ein Problem: Die Gemeinde hat kaum mehr freie Bauplätze. Und einfach neue Gebiete auszuweisen, verbietet eigentlich die Dorfentwicklung des Landes, in die alle 13 Ortsteile gemeinsam aufgenommen sind. Denn Ziel des wichtigen Landesprogramms ist es, die historischen Dorfkerne zu stärken. Nach den Vorgaben des Landes dürften Baugebiete keine Konkurrenz zur Innenentwicklung der Dörfer darstellen, erläuterte Steffen Butterweck vom Planungsbüro Bioline im Parlament. 

Die Gemeinde hat in den Dorfzentren bereits alle freien Grundstücke und Gebäudeleerstände erfasst. Ergebnis: Leerstände gibt es kaum, und Baulücken sind bereits gefüllt, nicht vorhanden – oder private Eigentümer wollen ihre Grundstücke nicht verkaufen. Wi also soll die gemeinde ihren e

Drei Neubaugebiete ausweisen

Deshalb würde die Gemeinde gern drei Neubaugebiete ausweisen. Steffen Butterweck vom Büro Bioline stellte die Planungen im Parlament vor: 

In Adorf soll das Baugebiet Reik um 4500 Quadratmeter erweitert werden, der neue Bebauungsplan soll fünf bis sechs Parzellen aufweisen. Der schon vor 20 Jahren aufgestellte Bebauungsplan für den Reik sah die Erweiterung bereits vor, sie solle aber „dem Bedearf angepasst werden“, sagte Butterweck. Die Erschließung ist über den Dahlienweg möglich, wo alle nötigen Leitungen bereits liegen. Das spart der Gemeinde und den Bauherren Kosten. 

In Wirmighausen soll eine 7500 Quadratmeter große Wiese „Am Brink“ ausgewiesen werden. Problem: Im Osten liegt ein Bauernhof, der Bestandsschutz genießt. Deshalb wäre auf Abstandsregelungen zu achten. Ein Teil des neuen Gebiets ist bereits bis auf Stromanschlüsse erschlossen, die dortigen Parzellen sollen zunächst vergeben werden. Für den Eingriff in die Natur wäre ein Ausgleichsprojekt erforderlich.  

In Vasbeck soll das Gebiet „Hinter den Höfen“ am westlichen Dorfrand erweitert werden. Das Dorf weise als einiger Ortsteil einen starken Zuwachs auf, die Nachfrage sei hoch, sagte Butterweck. Deshalb sollten dort 16 bis 18 neue Bauplätze entstehen. Die 14 000 Quadratmeter sind bereits im Besitz der Gemeinde. Der alte Bebauungsplan für das Gebiet sah die Erweiterung schon vor Jahren vor – sie wurde aber damals nicht genehmigt.

"Sensibles Thema“

Es sei ein „sensibles Thema“, betonte Butterwecks Chef Bernd Wecker. Die Gemeinde müsse eine gute Begründung für Baugebiete liefern. Die hat sein Büro nach aufwendigen Recherchen auf 14 Seiten zusammengestellt und dem Fachdienst Dorfentwicklung der Kreisverwaltung vorgelegt. Das Gutachten analysiere Leerstände, Baulücken, „Nachverdichtungspotentiale", Baulandreserven, Bedarfsanalysen für die vorigen fünf Jahre und liefere Zahlen über Einwohnerentwicklungen, Zugezogene und „Rückkehrwillige“. 

„Flächen-Nullsummen-Strategie“

Schließlich entwickelten die Planer eine „Flächen-Nullsummen-Strategie“: Um die neue Flächen ausweisen zu können, soll das 1850 Quadratmeter große Wirmighäuser Baugebiet „Rickelscheid“ wegfallen. Es sei wegen seiner Lage nur kostenaufwendig zu erschließen, sagte Butterweck. Der Bebauungsplan mit 18 Parzellen sei schon aufgestellt, aber noch nicht in Kraft.

Mit dem Wegfall würden unterm Strich nur 244 Quadratmeter neu ausgewiesen. Würde das Umweltministerium diesem Verzicht und der „Strategie“ zustimmen, würde die Gemeinde eine Änderung des Wirmighäuser Flächennutzungsplanes angehen: Sie würde das bisherige Baugebiet in eine landwirtschaftliche Fläche umwandeln. Den Aufstellungsbeschluss fassten die Gemeindevertreter am Freitag schon. 

Außerdem gehen sie die Bauleitplanung an. Dabei nutzen sie eine Regelung des Baugesetzbuches, das ein „beschleunigtes Verfahren“ ermöglicht – das muss allerdings bis Ende 2021 abgeschlossen sein. 

Der FDP-Gemeindevertreter Christian Pohlmann stimmte als einiger gegen die Ausweisung: Er wolle angesichts der Klimadebatte ein Zeichen setzen gegen Flächenverbrauch. (-sg-)

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